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Lebenslauf des Martin Wagner

 

 

Theodor Martin Wagner wurde als 11.Kind im Marienwerderer Wagner-Haus geboren und wuchs in der großen Geschwisterschar im christlichen Geist seines Elternhauses heran. Nach dem Abitur am Gymnasium in Marienwerder studierte er Theologie in Leipzig und Erlangen und war dort als Repetent noch wissenschaftlich tätig. Nach den Examina folgte eine Zeit als Hilfsprediger ( heute: Vikar ) in Elberfeld. Da die Kirchenleitung in Breslau aber einen seiner Professoren nach damaliger Lehrmeinung nicht anerkannte, konnte er nicht, wie erst geplant, Pastor in der altlutherischen Kirche Preußens werden. So studierte er noch Germanistik und Pädagogik, war zeitweilig als Hauslehrer tätig, und trat nach erfolgreichem Studienabschluß seine erste Lehrerstelle in Danzig an. 

Dort erlebte er auch die ersten Ehejahre mit Martha Poltrock, die er am 27.9.1883 geheiratet hatte. Der älteste Sohn, Hermann, wurde 1884 in Danzig geboren. Martin Wagners nächste Wirkungsstätte war Sondershausen in Thüringen, wo er als Oberlehrer am fürstlichen Gymnasium angestellt wurde. Dort kamen die Kinder Jula ( 1887 ),  Lotte ( 1890 ) und Hanna ( 1892 ) sowie der schon früh verstorbene Heinrich zur Welt. Zu der Zeit mußte Großvater auch eine Reserve-Übung beim Militär machen. Im Kollegium gab es viel Geselligkeit und die schöne Landschaft lud zum Wandern ein. Es ist überliefert, daß den dortigen Schülern sein sittlicher Ernst und sein Pflichtbewußtsein, das keinen Schlendrian kannte, ungewohnt waren.   

Aber Martin Wagner hat sich mit seinem persönlichen Vorbild und erzieherischer Zielstrebigkeit durchgesetzt. Seine Lebenswanderung führte ihn jedoch noch weiter, zu der wichtigsten Station seiner Laufbahn: 1894 wurde er zur Leitung an die Städtische höhere Mädchenschule in Altona berufen. An diese Schule war auch ein Lehrerinnen-Seminar angegliedert, das er übernahm. 

Durch 27 Jahre war er Direktor dieser Schule und ein begeisterter Erzieher, der seine Schülerinnen mitreißend und lebendig zu unterrichten verstand, unterstützt von einem ihm wohlgesonnenen und willig folgenden Kollegium. Er selbst lehrte die Fächer Religion, Deutsch und Geschichte der Pädagogik. Unter seiner Leitung erlebte die Schule, die bis dahin in einem Haus in der Behnstraße untergebracht war, einen bedeutenden Aufschwung und Zuwachs, und erhielt 1905 das neuerbaute Gebäude an der Allee. Von der Wohnung der Großeltern in einem 4-stöckigen Etagenhaus an der Moltkestraße 10 in Ottensen hatte man damals noch einen freien Blick über eine Wiese auf die Elbchaussee und die dahinterliegende Elbe. Diese Umgebung hat die Kindheit der da aufgewachsenen Wagner-Geschwister sehr geprägt. Dort wurden Hans  ( 1894 ) und Elisabeth ( 1895 ), meine Mutter, geboren  Das zuletzt geborene Mariannchen starb im ersten Lebensjahr. So hatte das Elternpaar doch 6 Kinder aufzuziehen und zu versorgen  Ihre Wege im einzelnen zu verfolgen, ist Sache der jeweiligen Lebensläufe, und in der näheren Familie bekannt. 

Bedeutsam blieb der furchtbare Einschnitt, den der erste Weltkrieg der Familie brachte: Beide Söhne fielen in Frankreich fürs Vaterland,  Hermann 1914,  Hans 1918.  Die Mutter starb 1922. So war Martin Wagners letzter Lebensabschnitt vom Schmerz gezeichnet, den er nur  im festen Glauben an seinen Heiland Jesus Christus ertragen und verkraften konnte.  1921 pensioniert, mußte er die Schule, seine Lebensaufgabe, verlassen; doch seine Kräfte waren damit noch nicht am Ende. In der Folgezeit widmete er sein Wissen und seine Erfahrung der Schleswig-Holsteinischen Landeskirche. Als Synodaler und als Mitglied der Kirchenleitung erhielt er den Doktorhut der theologischen Fakultät an der Universität Kiel und wirkte noch lange Jahre segensreich für die Kirche und die Innere Mission. Sowohl an der Kirchenverfassung von 1922 arbeitete er entscheidend mit, wie auch an der Herausgabe des neuen Gesangbuchs von 1930. Nebenbei wurde er zu manchen Vorträgen gebeten und schrieb mehrere wissenschaftliche Aufsätze und Abhandlungen über biblische und pädagogische Themen. Er hatte auch ein besonderes Herz für die Diakonie, heute als Sozialfürsorge auch in verschiedenen Hilfswerken der Kirche bekannt. Weitere Daten aus den zwanziger Jahren, z.B. Reisen und Ereignisse im Familienkreis, müssen einer späteren Biographie vorbehalten bleiben. Im Jahre 1931 zog er noch um nach Nienstedten, in das neu erbaute Haus seiner Tochter Hanna, die im selben Jahr nach Wittenberg geheiratet hatte. Hier, in der Matthissonstraße 12, verbrachte er die letzten  Monate seines Lebens, zusammen mit Tochter Lotte und der während des Studiums bei ihm wohnenden Enkelin Irmgard Brachmann. Im Winter 1932 erkrankte er an einer schweren Rippenfell-Entzündung und starb am Morgen des 9. Januar 1933.

Friedrich W. Klose

 

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