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nur interessant für Angehörige meiner Familie
und weitere Verwandtschaft

 

Südender Schaubühne
am 07. Aug. 1920

 
 

 

Ein Theaterspiel
in vier Akten.

Uraufführung
07. Aug. 1920
 

 

 

Spinat und Pinsel
oder
Liebe mit Hindernissen

 



Ort der Handlung : ein Museum
und eine Malerwerkstatt in
einer deutschen Reichshauptstadt

Handelnde Personen :

Eine blonde Jungfrau – Hortensia
Ein Maler – namens Spachtel
Dessen Bruder – Kaufmann
Johann – der Museumsdiener
Ein Kriminalschutzmann –
Onkel Mischic –
Tante Emilie – dessen Ehefrau

von Friedrich Wagner-Poltrock



             1. Akt   (im Museum)

 
Johann:      der Museumswärter, wischt Staub.
                  ( er spricht ostpreußisch)
                  Zehn Jahre schon wische ich hier Staub -
                  Ach, es wird der Gesundheit Raub.
                  Läg unser Leben nicht in Dunst
                  Und alles Licht nur in der Kunst
                  und in den Werken der Genies,
                  so sagte ich, es wäre mieß,
                  hier Tag für Tag auf Ordnung halten. -
                  Doch blick' ich auf' zu unsern Alten,
                  zu Rembrandt und zu Raffael, zu Rubens und Ru- isda- el -
                 (es klopft)
                 Wie? Was? Wer klopft ? Der Herr Direkter?
                 Ach nein - so zeitig nicht aufweckt er -
                 (öffnet das Fenster)   (ruft)
                 Wer ist denn da so früher Stund ?
                 weibliche Stimme:
                 Wir stehn uns schon die Beine wund -
Johann:      Was heißt denn das ? Ein jeder liest,
                 daß jetzo noch. geschlossen ist.
                 Um zehn Uhr ist die Öffnungsfrist.
Stimme:     Mein Uhrzeiger weist auf zehn -
                 Ich möchte mir die Kunst besehn ! -
Johann:      Wer Tag und Nacht hier will herein, muß schon Museumsdiener sein !
                 (Er macht das Fenster zu. ) (wischt weiter Staub)
                  So dürstet nun in unsrer Zeit
                  nach Kunst die ganze Menschlichkeit.
                  Denn hier herrscht Frieden! Nichts von Krieg,
                  von unabbängjer Politik..
                  Der fromme Bürger hier verspürt,
                  die S e e l e nur wird tief gerührt.
                  (Es schlägt zehn Uhr in langsamen Tönen. Johann holt ein großes Schlüsselbund
                  und rasselt mit den Schlüsseln)

Johann:       Holla! - Jetzt schlägt es wirklich schon !
                  Ich öffne nach dem letzten Ton - - -
                  (Er schläießt umständlich auf, eine blonde Jungfrau erscheint.) ,
Jungfrau:    Ist hier das Kupferkabinett ?
                   Ich finde nämlich so sehr nett,
                   was Maler Rembrandt hat radiert. -
Johann:        Weshalb denn gleich so hoch maschiert ?
                   man steigt nicht, wenn man kraxeln l e r n t,
                   zu allererst auf den Mont Blank -
Jungfrau:    Er ist doch bädekerbesternt -
                  und meine Zeit ist nicht sehr lang.
Johann:       Beginnet nur bei Ludwig Richtern.
                  für Euch ist Rembrandt viel zu. nüchtern.
Jungfrau:    Für mich?  Ihr überschätzet mich.
                  Ich wirke in Spinat und Rüben...
                  Das Nüchterne ergötzet mich! -
Johann:       Herr Rembrandt also – nach Belieben!
                  (zuckt die Achseln- murmelt im Gehen:)
                  Spinat und Rüben? Küchenfee ?
                  Die Bildung steigt, wie ich hier seh.
                  Die Magd verlangt nun Rembrandts Graphik.
                  Volkshochschulweisheit! – o wie affig! (ab)

Jungfrau:  (sieht sich um)  Das also ist das Museum hie ?
                 Was alles je in Kunst passiert -
                 Was mit dem weltberühmten Gummi der Maler
                 Rembrandt hat radiert,wird einem hier umsonst gezeigt –
                 Ich spür’s, die Seelenstimmung steigt.
                  (geht wichtig auf und ab)
Johann:      (legt die Mappe vor) .
                 Man sieht sich alle Blätter an
                 der Reihe nach - und wendet dann,
                 und klappt sie um auf das Gesicht.
                 Im übrigen: Man spricht hier nicht!  (Er geht ab)
                 Jungfrau blättert lautlos in der Mappe ( es klopft )
Johann:     (herbei eilend)
                 Wer klopft denn da ? Es steht doch dran,
                 man pocht an dieser Tür nicht an ! ( er öffnet )
Maler:       Den Mensch ziert es jeder Frist,
                 Sofern er freund- und höflich ist.
                 Ich sähe mir gern Rembrandt an
Johann:      Ja - leicht jesagt - mein junger Mann
                 Der Meister Rembrandt ist besetzt ( auf die Jungfrau zeigend)
                 Die blonde Magd sich dran ergötzt.
                 Doch wenn mit R  es wer soll sein -
                 empfehl ich Rüdisühli fein -
                 Geschmack ist auch bei Rohlfs zu finden -
                 und Dürer hat zwei  R  hinten -
Maler:       Wer vorn ein R und hinten auch -
Johann:      Ja, meint Ihr Richter oder Rauch?
Maler:       Es kann schon Ludwig Richter sein.
                 Nur fix - ich hab nur Zeit bis ein - (Diener ab)
                (Maler auf und ab gehend und die Jungfrau betrachtend)
                 Das blonde Köpfchen ist 'ne Magd,
                 hat mir der Griesebart gesagt ?
                Der Augen Licht - der Nase Schwung -
                auf alle Fälle noch recht jung -
                (Diener kommt mit der Mappe.)
Johann:     Hier habt Ihr Euren Herrn aus Sachsen -
                macht nur nicht solche Augenfachsen  ( weist zur Jungfrau)
               
Es ist nur eine dralle Köchin -
Maler:      Mit der möcht ich wahrhaftig spröchen -
Johann:    (wichtig) Tja, das erlaubt die Vorschrift nicht.
                In diesem Saale niemand spricht !  (ab)

               Maler und Jungfrau besehen sich lautlos die Blätter und
               seufzen nacheinander.

Jungfrau: Wenn mir nur jemand wollte sagen,
               Fast möchte ich den Maler fragen -
               was jener Rembrandt sich gedacht ,
               als er die Kritzelei gemacht. --   ( seufzt )
Maler:     (seufzt) Wie fang ich es nur richtig an?
               Soll ich am Ausgang ihrer lauern?
               Warum sind zwischen Weib und Mann
               so vieler Sitten dumme Mauern?
               Ich denk - ich nehme mir den Mut
               und wag’s - und ziehe meinen Hut -
               (nebensächl. ) ob eine Köchin es dann ist,
               man wohl beim Sprechen gleich ermißt - (seufzt)
Jungfrau: Ich hab genug, man wird ganz dumm hie.
               Versteh’ doch nichts von Rembrandts Gummi.
                (klappt die Mappe zu und will gehen)
Maler:      (läuft ihr nach)
                Verzeihung, wenn ich lästig bin -
                Nicht Arges habe ich im Sinn -
Jungfrau:  Das würde ich mir auch verbitten -
                ich bin von wohlerzognen Sitten -
Maler:      Ich möchte nur so brennend gern -
Jungfrau: Ja, - womit störte ich den Herrn?
Maler:      Ihr störtet einen Wunsch mir auf -
                Ich möcht - ich bin ein Maler nämlich -
Jungfrau:  Das sieht man - ich bin nicht so dämlich.
                Laßt nur den Worten freien Lauf!
Maler:      Ich habe eine große Bitt' -
Jungfrau: Die Zeit ist knapp - heraus damit!
Maler:      Ich möcht' das schöne Jungfräulein
                so brennend gerne konterfein!
Jungfrau: Das könnt Ihr schon. Nur weiß ich nicht ,
                was sagt Euch mein Schimpansgesicht .
Maler:      Ich sah solch  e d l e s  Antlitz nie !
Jungfrau: Macht keine Frasen, Herr Genie ,
               Sagt, wo ihr malt und wann und wie !
Maler:     Am liebsten wohl... ich bitten möcht -
               In meiner Werkstatt -
Jungfrau: Mir schon recht. Doch kenne ich hier keine Straße
Maler:     Am großen Platz - dann rechts der Nase -
               die Gasse immer geradeaus
               4 Treppen hoch im Kaffeehaus,
               dann linker Hand an dritter Tür mein Name steht -
Jungfrau: Das merk ich mir. Und wenn ich’ s irgend machen kann,
                tret morgen ich um 10 Uhr an.
Maler:      (verzückt) O schönes Fräulein, hochbeglückt bin ich darüber -
Jungfrau: Wie verrückt !
Maler:      Ich fühl mich im Gefild der Götter (-- schmachtend)
Jungfrau: Wenn Ihr Euch s o habt, Meister Spötter,
                seht Euch nach andern Jungfern um.
                Ihr denkt ich wär  s o  eselsdumm?
Maler:      Ich wollt Euch, Edelste, nicht kränken!
                Wie könnt Ihr nur so Arges denken!
Jungfrau: Nach dem Salbadern, d e m Gemär'
                dank ich für Eure Malerehr -- -- (will gehen)
Maler:      O weh – ich seh mein Glück verrinnen.
                Ich bitt Euch – lauft nicht so von hinnen!
                Was tu ich Unglückspeter nur? - -
Jungfrau: (streng) Versprecht - Ihr schneidet keine Kur -
Diener:     Psst ! Psst ! Ihr dürft so laut nicht reden.
                Gespräche sind hier streng verboten!
Maler:      Jungfräulein, morgen :früh um zehn,
                (flehend)   Ich bitt' Euch --
Jungtrau:  Na, wir wollen sehn  ( beide ab )
                Diener schüttelt den Kopf - geht auch ab.


               
2   Akt   ( Werkstatt des Malers )
                (An, der Wand hängen Bilder )

Maler:      (geht in Gedanken auf und ab, spricht für sich: )
                Wenn sie hier säße! Seitenlicht!
                Das Köpfchen so!  Die Haltung schlicht!
                Die Nase seitlich - halb gebeugt -
                Der Blick auf diese Ros’ geneigt -
                0, ich erwart’ die Stunde kaum -
                denn gestern - heute  ist ein Traum.
                Die Beine sind in Wolkenhöhe -
                Mein Hirn ist gar nicht mehr zu sehn -
                Ich glaub, die Erde wird mir blaß -
                In Himmeln wandle ich fürbaß -
                0, käm sie nur - halt da! Ein Schritt!
                Ich zittre - - nein! ich zittre nit!!  (es klopft)
                (rufend) Herein mein schönes Jungfräulein!
                (tänzelt zur Tür und prallt auf den Bruder )
Bruder:     Holla!  Der Willkomm' klingt ja fein!
                Du hoffst auf einen Jungferngast?
                Das hab ich glücklich abgepaßt!
Maler:      Ja -ja - ich kann es nicht mehr leugnen.
                (zögernd)
                So will ich alles Dir gesteh’n -
Bruder:     Ob ich mich zwar zum Beichtpfaff eignen,
                Dich absolvieren kann? -laß sehn!
Maler:      Für Deine Schuldfreisprechung dank ich.
                Ach - nur in tausend Zweife1n wank ich.
Bruder:     Wer ist die Dirn? Wo stammt sie her?
Maler:      Wenn Du sie sähst, frügstu ( ! ) nicht mehr.
Bruder:     Ja - ungefähr mußt Du doch wissen?
Maler:      Den Namen selbst ließ sie mich missen.
                (erzählend) Ich traf sie in der Galerie
                und sagt – ich möchte malen sie.
                0, schlank ist sie und rosenwangig -
                sie sehen - und mir wurde bangig -
                sie blätterte in Rembrandts Werken,
                mich schien sie gar nicht zu bemerken.
                In ihrem goldgelockten Haar verfing sich meiner Augen Paare
                und in der Liebe Spinngeweben blieb ich als armer Brummer kleben.
Bruder:     Und wer ist sie?  hab ich gefragt --
Maler:      Ja, was weiß ich? - Der Wärter sagt ,
                (gleichgültig) - sie wäre eine Küchenmagd.
Bruder:     (aufgebracht) Nanu? Und da sprichstu von Liebe? -
                Wahrhaftig, Du verdientest Hiebe.
                Zur Magd gehört ein Schweineknecht!
                W i r sind ein Hamburger Geschlecht!
Maler:      Bekümmre Dich um Deine Sachen!
Bruder      (lacht) Vergönn mir mein privates Lachen!  (es klopft)
Maler:       Es klopft - sie naht -o sie ist do!
                 Hör auf zu lachen, Du – Mephisto!
Jungfrau:  Gun Tag, Herr Maler,  ei - zu zweit?
                (eintretend)
Maler:      Das ist mein Bruder, edle Maid.
                Doch wird er uns sogleich verlassen
Bruder      (für sich) Wahrhaftig,. sie schneidt nicht Grimassen!
                (laut) Ich habe in der Stadt Geschäfte -
                 nun nimm der Farben schönste Säfte
                 und zeige, was der Künstler kann -
                 Fast neide ich den Malersmann - (ab )
Jungfrau:  Ihr habt ja hier ein he11es Licht
Maler:       Gewiß - gewiß!
                (beiseit) Nein, dies Gesicht !
Jungfrau:  Wo laß ich mich am besten nieder ?
Maler:       O bitte hier! (beiseit) Und dieses Mieder
                 bestickt mit Blättern und mit Blumen.
Jungfrau:  Malt Ihr wohl öfter solche Muhmen?
Maler:       Ja - allerdings - gewiß - natürlich!
                 Nur sind sie nie so hübsch und zierlich
                 Und sozusagen -
Jungfrau:  Lieber Mann, fangt nur nicht so zu ölen an.
                Ölt lieber Eure langen Pinsel!
                und spart dies zuckrige Gewinsel.
Maler:      Ja –ja! Wir wollen jetzt beginnen.
               (beiseit)
                0, diese Maid bringt mich von Sinnen!
               (laut) Ich hole jetzt die Staffelei (stellt sie auf)
                und schleppe auch den Ölkrug bei .
                Und die Palette auf die Bühnen -
                und nun kann ich dem Fräulein dienen!
Jungfrau: Wo schau ich hin, Herr Malermeister?
Maler:      0 bitte schön - auf diese Ros,
               (beiseit)
                Nun steht mir bei ihr guten Geister
Jungfrau: Ihr schießt nun also wirklich los?
Maler:     Jawohl – jawohl! - (mit der Palette beschäftigt)
               die Farben leuchten!
               (beiseit)
               Nur schein ich mich in Schweiß zu feuchten -
               (tritt betrachtend zurück) Nun noch --
               den Faltenwurf recht schön!
Jungfrau: Wo? Im Gesicht?
Maler:      Nein, in den. Kleidern!
Jungfrau: Ach - die tät ich mir selber schneidern
                und Falten lassen sie nicht sehn.
Maler:      (beiseit) ne Schneidrin also muß sie sein,
                Schon besser als 'ne Küchentrine.
                (laut) Ich tunke nun den Pinsel ein -
Jungf'rau: Und ich mach meine Sonntagsmiene!
Maler:      Mit Umbraun mal ich die Kontur
                in weitgeschwungnen edlen Linien -.
Jungfrau: Ich hör Euch immer schwärmen nur
               als säßet Ihr im Land der Pinien -
Maler:     Ja - dorthin wär ich gern gezogen -
               Jetzt kommt der Augenbrauenbogen -
                neapelgelb das reiche Haar -
                die Übertreibung macht es wahr! -
               Sienna dann der Nasen Schatten -
               - - und Krapplack für der Wangen Matten -
               (Pause, der Maler pinselt hörbar)
Jungfrau: Ach säh mich so die liebe Esther!
               (für sich) Sie ist mir doch wie eine Schwester! - - -
Maler:     (höflich ?) Wie meintet Ihr, Jungfräulein, wohl?
Jungfrau: Ach malt nur weiter Euren Kohl!
               (Maler pinselt weiter)
               (sie für sich) Wie dumm, daß ich zu Hause schrieb
               den Zettel, wo ich heute blieb --
               doch wird er hoffentlich nicht gefunden -
               (laut) Es dauert doch nicht ein paar Stunden?
Maler:      O - allerdings – gewissermaßen!
               Zu einem rechten Bildnis saßen
               die Herrschaften schon eine Weile -
Jungfrau: Sagt nur zu Eurem Pinsel: eile!  (Maler malt eifrig)
               außen tönt Lärm, man hört Schritte, Gemurmel,
               "Maler Spachtel", es wird immer lauter.)
Maler:      Was ist denn das? Mit hundert Schritten -
                (aufhorchend) Der Lärm! Mein Name tönt inmitten!
                Ich schließe schnell die Werkstatt-Tür -
                (Es poltert lauter, man ruft., es stößt gegen die Tür)
Jungfrau:  Nur Ruhe - was soll es denn sein?
Energ. Stimme:
                Hallo! Wohnt Maler Spachtel hier?
                (unter energ. Klopfen)
Maler:      Ich lasse niemand hier herein.
               Seid unbesorgt - ich steh dafür -
Stimme:   Sofort die Tür auf alte Memme.
               (schreiend) Sonst schieße ich durch diese Klemmen
               (Pistole wird sichtbar - rattert - ein Schuß fällt - Geschrei)
Maler:      Was heißt das bloß - was will der Hauf?
                Viele Stimmen durcheinander:
                Aufmachen! Auf! Tür auf! Tür auf!
Jungfrau:  Weh mir, diese Stimme
Jungfrau:  Weh mir, die Stimme meiner Schwester !
                (aufspringend) Die Türe auf! Lebt wohl mein Bester! (eilt hinaus)
                (der Lärm verliert sich draußen.)
Schutzm.:  (tritt polternd auf)
                Im Namen des Gesetzes: Halt!
                Ich habe nicht umsonst geknallt!
Maler:      Was wollt Ihr denn? Was heißt das hier?
                (aufgebracht) Was stürmt Ihr frechlings meine Tür?
Schutzm.:  Ihr also seid der Maler Spachtel?
                Weshalb habt Ihr die junge Wachtel
                in Eure Wohnung hier gesperrt ?
Maler:      Zunächst verbitte ich mir, zerrt
                vom Rock mir nicht den besten Knopf.
Schutzm.:  Bald zerr ich Euch vom Leib den Kopf
                Ich frage, wie dies Jungfräulein -
Maler:      Ich bitte, laßt das Fragen sein -
                Ich bin, mein Herr, ein Kunstbildmaler.
Schutzm.:  Und ich, mein Herr, ein Kriminaler.
Maler:      Wo nehmt Ihr die Befugnis her?
                Dies, Herr, ist hier mein Atel-jär!
                Ihr kommandiert ja hier wie Blücher!
Schutzm.:  Und Ihr folgt mir nach Nummer Sicher!
                Dort - hinter eisernen Gardinen
                verändern sich die Hochmutsmienen.
                Ihr lernt da schön das A-B-C
                und sagt die Wahrheit - pö - a - pö.
               (Legt ihm eine Kette um und führt den Maler,
                der seufzt, - ab.)


             
 3  Akt     (im Museum )

Maler:      ( allein in gedrückter Stimmung )
                Mir ist es gänzlich unverständlich,
                wie alles sich ereignet hat.
                Im Grunde ist das Mädchen schändlich,
                denn ihr verdank ich den Salat!
                Wie gut nur, daß die Untersuchung
                ergab der Dinge fa1sche Buchung
                und daß die Obrigkeit mich jetzt
                auf freie Füße hat gesetzt.~
                (weinerlich)
                Ich sah mich schon auf Freiersfüßen
                und war so voller Ungeduld
                ach - warum mußte ich so büßen,
                der ich mein Lebtag unbeschuldt.
                (in anderem Ton)
                Für Künstler taugt die Liebe schlecht -
                ich fühl mich wie bei Luft der Hecht.
                (seufzend) Vielleicht war gut~ daß es so kam -
                Denn wenn ich sie zum Weibe nahm,
                es hätte meine Kunst vielleicht
                behindert und sie abgebleicht.
                Die Kunst nur ist im Lebensringe
                von Wert - das andre Nebendinge! – (seufzt)
                Hätt ich sie nur zu End gemalt -
                und nicht die ganze Zeit verkrahlt.
                Mein bestes Bild wär es geworden,
                ich kriegte sicher drauf den Orden -
                es kaufte mich die Galerie -
                mit goldnem Rahmen hing ich hie -
                und in der Zeitung - die Reklame! -
                stünd groß und breit mein Künstlername.
                (geht auf und ab)
                Wenn ich sie nur noch einmal träfe!
                Wie stieg mir dann das Blut zur Schläfe!
                Das heißt vor Unmut - nicht vor Lieben!
                Und doch - stahl mir das Herz die Diebin. -
                (sich ermahnend)
                Indeß die Brust wird hart und härter -
                Holla! Johann! Der Kunstwerkwärter!
Johann:     Treff ich den Herren so allein ?
Maler:      (knurrig)  Was soll die Redensart bedeuten?
Johann:     Nun – daß das blonde Jungfräulein
                von neulich - sitzt bei andern Leuten!
Maler:      Bei andern Leuten? Wo? sagt wo?
                Die Treulose - o o - oh!
Johann:     Geht hier durch diese linke Tür –
                Sie sitzt bei den Madonnenbildern -
                hat großen Kummer scheint es mir -
                ihr Angesicht ist nicht zu schildern!
Maler:      O, daß ich sie doch trösten könnt’.
                Herz - Du entfleuchst - ihr Beine rennt! (ab)
Johann:     so hab ich neulich recht geschlossen!
                (allein) Er ist in Liebe ganz verschossen!
                O demokratscher Zeitengang!
                Der Pinsel liebt die Küchenbank!
                In meiner Jugend waren Fürsten die Künstler
                und nach Ehren dürsten,
                nach Adel gar war Selbstverstand.
                Heut - kärglich für 'ne Hand voll Tand!
                (erhaben ‚ o Muse - wasch Dein Haupt mit Bimsstein.
                Die Kunst - die Kunst liegt heut im Rinnstein!)
                (kopfschüttelnd ab)

                Jungfrau mit dem Maler im Gespräch eintretend:
                Es tut mir wirklich schrecklich leid,
                daß Ihr so arg belästigt seid --
Maler:     Wenn ich Euch seh -o edle Jung-
               frau singt es in Erinnerung --
               und lächelnd sprech ich mit dem Römer:
               Vergangnes Leid wird angenöhmer.
Jungfrau: Ach,  i c h  war auch in tausend Nöten!
               Wie leicht konnt Euch die Kuge1 töten.
Maler:     Ja - hätte Euch das leid getan?
Jungfrau: Pfui! Gotteslästerlicher Mann!
               Ich fürcht - Euch fehlt die Religion -
               sonst sprächt Ihr nicht in solchem Hohn!
Maler:     Religio hin - Religio her ---
Jungfrau: Leichtfertigkeit mißfällt mir sehr!
               Im Traum sah ich in Ketten blitzen
               Euch und im finstern Kerker schwitzen!
Maler:     Es war so schlimm nicht - der Verdacht --
Jungfrau: Den ich - den ich – verur-ursacht!
               (selbstanklagend)
Maler:     Nichts konnte den Verdacht begründen.
               Er schmolz dahin wie Frühlingsschnee.
               Daß sie den Zettel mußten finden -
Jungfrau: Den Unglückszettel, ich vergeh
               vor Scham, daß ich ihn niederschrieb
               und Euch in solche Unbill trieb!
               Was habt Ihr alles ausgestanden!
               Ich zitterte für Euren Ruf!
               Und ängstigte mich schier zu schanden -
Maler:     Das Mitleid nennt man hier zulanden
               Der Liebe Grund und Anfangsstuf -
Jungfrau: Ach lasset Meister, diese Phrasen -
Maler:     Wie bring ich’s ihr nur richtig bei?
              (beiseit)
               Das Mädel treibt mich schier zum Rasen -
Jundfrau: Erklärt mir lier Malerei!
Maler:      Ja ja, ich will die Kunst erklären -
                Hier - ist Berühmtes nicht zu sehn -
                doch wenn Ihr mir die Gunst gewähren
                 und mir noch einmal morgen zehn
                in meiner Werkstatt sitzen könntet .
Jungfrau: Wird dann mein Bildnis auch beöndet?
Maler:      Gewiß! (beiseit) Ach endeten dabei
               Auch meine Qualen mancherlei!
Jungfrau: (sich umschauend) Mir scheint,
                wir werden hier beachtet!
Maler:     (harmlos) Ach - wenn man gar nichts Böses trachtet -
Jungfrau: Schnell fort - ich höre ein Gemunkel,
               Dort naht Herr Miseke - mein Unkel!
               Wenn der uns sieht, dann läuft fürwahr
               gleich die Familienehr’ Gefahr! (beide hurtig ab)
Onkel:     Mir wars - wie ich die Blicke richte -
               hierher - als säh' ich meine Nichte.
Tante:      Natürlich mußte sie das sein -
               Ihr blondes Haar, jedoch zu zwein!
Onkel:     Der Jüngling? Gott bewahr das Haus,
               Der sah ja wie ein Maler aus !
Tante:      Na - für die Sorte dank ich schön -
Onkel:     Das sollt mein armer Bruder sehn!
               Welch Unheil nur für die Familie,
               sollt da was ernstliches entstehn --
               Der dritte Künstler schon – Emilie!
Tante:      Wie sie so schnell von dannen schritten!
               O dieses Nichtenfrauenzimmer!
               Er ist gewiß von losen Sitten --
Onkel:     Das ist die Künstlergilde immer!
               (wichtig) Nun höre einmal die Geschichte,
               die ich mir heute blau anstrichte,
               als bei gewohnter Morgensitzung
               ich las das Tageblatt mit Schwitzung.
               (ho1t Zeitung vor )
Tante:      Ja ja, die Welt vergeht im Bösen!
Onkel:      Man mag die Zeitung nicht mehr lesen!
               So höre: Gestern im Verdachte
               des Mädchenhandels ward Herr Spachte,
               ein Maler hier, in Haft gestellt --
Tante:      Wie unsittlich!  -  Die Künstlerwelt!
Onkel:      Man fand in seinem Atelier
                verschlossen Jungfrau H.E.W.
Tante:      Was? Wie? Ich höre recht, das sind
                Der Nichte Buchstaben, mein Kind!
Onkel:      Mir sitzt der Schreck im Eingeweide,
                Jetzt wollt ich fluchen, wär ich Heide!
Tante:      (schnell einfallend) O Gott - o Gott - das darf man nicht!
Onkel:       Nein - die Familienschandgeschicht!
                Jetzt wird mir alles andre klar,
                die Augenlider sich entschuppen.
                Wie sie vorhin zu zweit hier war,
                daraus läßt alles sich entpuppen. (geht nachdenklich auf und ab)
Tante:       Er wird satanisch sie belisten -
                Wie können wir erretten sie?
Onkel:      Das arme Kind  –  die gute Christin!
Tante:      Ja, die liebreizende Hortensi ---
Onkel:      Das aber nein, das duld ich nicht!
                ich renn zum Kriminalgericht!
Tante:      Ich such ihn im Adreßbuch auf.
               Alsdann zum Detektiv ich lauf --
               O diese Künstler - diese Luder! -
               (ballt die Fäuste)
Onkel:      Mein armer, armer, armer Bruder!
               (beide kopfschüttelnd ab)


           
   4 Akt   (in der Werkstatt )

Bruder:    (Steht vor der Staffelei, an der Wand hängt eine Laute.)
                Ja, ich gestehe schon -- fürwahr -
                Es ist ein Prachtexempe- lar!
                Ich mein' das Mädel - nicht das Bild -
Maler:      Du machst mich noch wahrhaftig wild -
Bruder:    Sag, hastu denn nun nachgedacht?
                Wie, meinstu, geht die Schose weiter?
Maler:      Ich nachgedacht?   Ich nachgedacht?
                Ich nachgedacht ?  -  das wäre heiter!
Bruder:    So will ich sanft Dich unterstützen:
               Du sollst mir noch Gedanken schwitzen!
               Sofern sie keine Köchin ist ---
Maler:     Mir klingt heut all Dein Sprechen Mist!
Bruder:    Die Jungfrau nämlich ist nicht schlecht .
               Und ich bin kein gebratner Hecht!
               Nimmstu sie nicht, so nehm ick se!
Maler:     Hinaus mit Dir, sonst nimmstu Wichse!
               (wütend)
              (Schlägt mit dem Pinsel auf ihn ein und malt ihm ins Gesicht)
Bruder:    Na wart’ mein Freund, das sollst Du büßen!
               Ich will Dir schon die Mahlzeit süßen! (flüchtend ab)
Maler:     (allein, ihm nachlaufend (?)
               Ich brauche Deinen Zucker nicht.
               Denn dieses Engelsangesicht
               ist Milch und Blut nur, Fett und Honig.
               Bei ihrem Anblick wird mir wonnig.
               Wenn sie nur endlich, endlich käme!
               Die Ungeduld ich kaum bezähme!  (geht auf und ab)
               Sein Leben nur in Monologen
                verbringen - dann ist man betrogen.
                Die Zweisamkeit - die wirkt ergänzlich,
                bei Dreien wird es wieder brenzlich!
                Ich wünscht - ich könnte dichten, dichten
                und lauter Reimerei verrichten.
                Versuchen wir es mal zur Laute,
                Ein Lied auf meine baldge Braute :
                (holt die Laute und stimmt sie )
                Laura, schöner Schmetterling,
                komm doch bald zu mir pink-pink.
                hab Dich lieb, Du kleines Ding -
                Laura, Laura,  pinke pink!
                Laura, einen goldnen Ring
                schenk ich Dir dann bald pink pink.
                Steck ihn an Dein Händchen flink -
                 Laura, Laura, pinke pinkt (Schlußakkord)

                Wer weiß, wie eigentlich ihr Nam’ ?
                Den tät sie mir noch gar nicht sagen.
                Das ich nicht eher darauf kam,
                sie nach der Herkunft auszufragen.
                Wenn sie nun viel Verwandtschaft hat,
                Womöglich Ohme, Muhmen, Basen -
                Das wäre dann ein Specksalat - -
                Verwandtschaft brrrr - bringt mich zum Rasen.
                Pastoren - und Familientratsch ,
                ist mir ein rechter Kladdradatsch!
                Ach, wenn Du im Verwandtenleim
                erst sitzt, vergeht Dir jeder Reim.
                Doch Grillen und Gedankenärjer!
                Das alles ist - curia postärjer! -.

Maler:      (singt) Laura, gib mir einen Wink.
                mit den Augen Dein, pink pink.
                Liebstu mich a ganz klein wing - ?

Jungfrau tritt ein.

                 Das war ja ein apartes Lied;
                 das Ihr da singt zu Eurer Zither:
Maler:       (erschreckt aufspringend)
                 Mir zog es nur so durch's Gemüt -
Jungfrau:   Ja, ja, das kommt vom Ungewitter,
                 Da draußen ist's entsetzlich schwül -
Maler:       Nun, ich versteh’ ja ziemlich viel -
                 Doch dies?
Jungfrau:   Wie, dies versteht Ihr nicht?
                 Ich mein, Ihr seid versonnensticht!
Maler:       Ja, ja - die Sonne kam zur Erde
                 mit scheinbar freundlicher Gebärde -
                 Jedoch - (zögernd)
Jungfrau:  Jetzt einer klüger werde!
                Sagt, wollt Ihr nun nicht bald mit Malen
                beginnen, statt hier klug zu krahlen?
Maler:      (zerstreut)
                Gewiß - ja!  Malen?  ja nachher
Jungfrau: Und vorher ?
Maler:      (Beiseit)
                Ach sie quält mich sehre
                (laut) Ich wollt' Euch vorher noch was fragen.
Jungfrau:  Na los, was habt Ihr denn im Magen?
Maler:       Liebt - Jungfrau - Ihr Euren Beruf ?
Jungfrau:  (schwärmend)
                 Wie sollt ich, Meister, den nicht lieben?
                 Alles, was Gott im Freien schuf -
                 Spinat und Kohl -, Salat und Rüben -
Maler:       Ja, ja, ich weiß ich hörte schon -
Jungfrau:   Und Rittersporn und Phlox und Mohn
                 und Feuerdorn und Kaiserkron -
Maler:      Sehr schön, doch hört es nicht zur Sache!
                Was soll all die Botanik hier?
Jungfrau:  Wie fragt Ihr komisch, Mann, - ich lache -
Maler:      Ich dachte ganz was anders mir -
                Ich wollte nämlich fragen, wie
                es kam, daß Ihr geheiratet nie?
Jungfrau: Ich heiraten? Wie könnt Ihr reden?
               (wütend)
                Ich möchte Euch die Haar ausjäten
Maler:      (begütigend)
                Ich frage ja nur -
Jungfrau:  Wie Ihr sprecht !
                Ich glaube, daß mich niemand möchte
Maler:      Ich wüßte Euch vielleicht schon einen!
Jungfrau: (schnippisch)
                Das wird mir grad der Rechte scheinen.
Maler:      (in schwärmerischer Verzückung)
                Hier ist er,  hier, - Wollt Ihr mich nicht? -
                Seht doch mein ehrliches Gesicht --
                Ihr schweigt? - Jungfräulein sprecht - ich bitte -
                sagt ja zu diesem Lebensschritte!
Jungfrau: (seufzt und haucht:) Ja! -- (und fällt in Ohnmacht)
Maler:      Ja! sprecht Ihr? -
                Doch die Lebenskraft
                vergeht! O hätt' ich Rebensaft (wirft sich über sie)
                O Jungfrau, Jungfrau, einen Kuß!
                Vielleicht bringt der Euch, wieder Leben!
                (küßt sie anhaltend   -   es klopft)
                Es klopft? Wie peinlich! Der Verdruß -
                Doch komme, was da kommen muß -
                vielleicht sind es auch Helfer eben -
Stimme des Onkels:
                Nicht mal  „Herein!“  wie ungezogen.
                Man spürt, die Sitten sind verbogen.
                (eintretend)
                Doch was ist das? Emilie“ - Dort -
                das ist ja - Himmel ! - das ist Mord
Tante:       Zu Hillfe - Hilfe – Polizei !
Onkel:      Ihr Nachbarn – Hilfe eilt herbei!
Maler:      Was macht Ihr für ein wüst Geschrei,
                (wütend)
                die schnellste Hilf ist hier vonnöten
Onkel:       Der Kerl tät unsre Nichte töten!
                So nehm ich Rache gleich an ihm!
                (schlägt mit dem Schirm auf ihn ein)
Tante:      O Mieseke  -  wie ungestüm --
Maler:      Zurück, zurück - ich holeWasser -
                Rennt lieber nach dem Aderlasser -
                Sie wird mir ja minütlich blasser!
               (Maler holt den Wasserkrug)
Onkel:      Ja - lebt sie noch? - dann rettet - rettet -
Tante:      O- daß Ihr sie noch lebend hättet!
               (Maler begießt die Jungfrau mit Wasser
                sie beginnt zu atmen; alle drei starren sie an)
Onkel:      Sie atmet wieder -
Tante:       Welche Wonne!
Maler:      O scheine wieder, meine Sonne!
Jungfrau: (hauchend) Mein Bräutigam ...wie sprichstu laut!
Maler:      ( erklärend)
               Ja - sie ist nämlich meine Braut.
Tante:      Nein so was! Das ist zum Empören!
Onkel:      Wir müssen uns dagegen wehren!
                Da widerspricht - Emilie -
                die sämtliche Familie!
Tante:       In einem Künstleratelier
                 sich knall und Fall verlobt - o weh!
Onkel:       Man tut im Elternhaus dergleichen,
                 vom Hause des Oheims ganz zu schweigen
Jungfrau:  Jetzt kann ich mich schon wieder regen
                (schwach)
                Ich bin noch halb wie eine Blume!
                Doch was ist das? Der Ohm? - die Muhme? -
Onkel
und Tante: Ja Kind, wir kamen Deinetwegen!
Maler:     Fall nur nicht Liebste wieder um!
               (schnell)
               hier ist etwas Nux Vomicum
               (reicht ihr ein Fläschchen)
Jungfrau: Da kamt Ihr leider viel zu spät !
               Bin eine Braut, wie Ihr jetzt seht!
               (Onkel u. Tante seufzen)
Bruder     stürmt' herein:
               Wer hat denn hier so arg getobt?
Maler:     Wir haben uns nur frisch verlobt!
Bruder:    Wer? - wie? - wo? - was? - Die kleine Magd?
               Das hastu ohne mich gewagt?
               Viel Glück zur Schweineknechtslaufbahn!
Onkel:     Mein Herr, wie pöbelt Ihr mich an!
               Wie könnt Ihr mich so frech beleidgen?
               Ich bin der Onkel - lieber Mann
               und muß die Nichte mein verteidgen!
Bruder:   (hochmütig)
               Ja – seid Ihr Thyssen oder Stinnes ?
               Wie sprecht Ihr überspannten Sinnes.
               Wenn eine Magd ‚nen Künstler nimmt,
               so sagt man, daß da was nicht stimmt.
Onkel:     Was hat er wieder da gesagt?
               Die Nichte schimpft er eine Magd!
Onkel:     Mein Härrrr! Ihr habt verdrehten Sinnes
               Hortensia ist Gärtnerin.
               Und darin freilich liegt der Fehler -
               jetzt nimmt sie diesen Pinselquäler!
               Das nenn ich eine Messaljanz !
Maler:     Was? Das gibt einen bunten Tanz
               Du bist 'ne Gärtnerin, mein Schatz?
               Dafür erhältstu diesen Scmatz! (küßt sie)
Jungfrau: Ist das nicht wunderschön - mein Leben?
               Das wird ein Farbenfreuen geben!
               In Blumen schwelgen wir und Früchten!
               Wir wollen ganz im Bunten horsten -
Tante:      Na bitte alles recht in Züchten!
Bruder     (knirschend) : So ist es nichts mit Schweineborsten!
Jungfrau: Und wo die Blüt am vollsten stand,
                Im wunderschönen Holstenland,
                Dahin wir ziehn in meinen Garten. (küssen sich)
Bruder:     0, hätte ich nur das gewußt!
                Und tät ich nicht so dämlich warten,
                so drückte  i c h  sie an die Brust! (kopfschüttelnd ab)
Tante:      Komm, Mieseke
Tante:      Komm Mieseke ...wir sind zu viel.
               Die Atmosphäre macht mir schwül!
Onkel:     Was soll man tun bei den Geschichten.
               Ich wird’s im Rundlaufbrief berichten.
              (beide ab)
Maler:     Nun endlich - endlich mal allein!
Jungfrau: Für's Leben, inniglich zu zwein!
               (küssen sich herzlich - der Vorhang fällt)


                     E N D E


 

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