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Stichwortverzeichnis 
nur interessant für Angehörige meiner Familie
und weitere Verwandtschaft

Eintragungen im
Hausbuch
der Familie Erich und Amelie Andrews. geb. Wagner
ergänzt durch Gästebucheintragungen ab 1910
Friedenau, Brünnhildestr. 1,
28. April 1910 

An meine Frau !
Liebste Amelie, heute zur ersten Wiederkehr unseres Verlobungstages, an unserem Brünnhilden Tag, will ich dieses Buch beginnen. Es soll Dir gewidmet sein und ich bitte, wenn ich dies schreibe, daß wir auch für die Zukunft in gleicher Weise weiterleben möchten wie bisher. 
Durch dieses kleine Buch will ich versuchen, das in die Wirklichkeit umzusetzen, was uns schon lange vorgeschwebt hat: Eine Erinnerung an das Vergangene für uns und die Kommenden, so Gott will. Aber auch nur für diese soll das Buch sein und wir wollen es gemeinsam führen und nur dann etwas hineinschreiben, wenn uns die Stimmung zwingt und wir glauben, etwas erlebt zu haben, das wert ist, in der Erinnerung festgehalten zu werden. Hoffentlich wird dann kein Tagebuch daraus, sondern der Widerschein des Auf und Ab im menschlichen Leben. Für das vergangene erste Jahr unseres Zusammenlebens ist es nun zu spät, um zu versuchen, es durch Reflexionen neu zu beleben, es ist uns auch so fest eingeprägt mit seiner Harmonie, daß es uns hoffentlich nie entschwinden wird. Nur einige Daten will ich aufschreiben, die mir besonders lieb geworden sind: 
29.5. – 2.6. erster Besuch in Marienwerder und öffentliche Verlobung
27.6.-29.6. zweiter Besuch in Marienwerder
27.7.-2.8. Dein Einkaufsbesuch in Berlin
7. und 9.9. Polterabend und Hochzeit
9. u. 10. 9. Danzig, Oliva, Zoppot
11.9. Hamburg, Altona (Onkel Martin)
12.9. Cuxhaven (Jula u. Willy Brachmann), Helgoland, Wyk
13.-22.9. Besuch in Wyk
23.9. Besuch bei Mutter in Flensburg
24.9. Einzug, Brünnhildestr. 1
Weihnachten    Besuch von Fritz und Alphons  
Möchten wir immer nur das tun, was wir in unserem Innern als richtig erkannt haben, dann dürfen wir auch den Stürmen von außen getrost in die Augen sehen. Möchte auch für die Zukunft uns das Geschick so führen wie in diesem ersten Jahr unseres Zusammenlebens.
Erich 
Du mein einzig geliebter Mann!
Ja da haben wir ja schon ein der Erinnerung wertes Erlebnis, freilich ein Erlebnis, das man wohl kaum mit Tinte festzuhalten braucht, unseren Jungen! Dir meinem alten lieben Jungen, und dir meinem kleinen Jungen, mein Wolf, Euch beiden will ich erzählen, was ich ‘erlebt‘ habe. Die letzen zwei Wochen durch schon nahm ich im Innern Abschied von manchem Lieben, ach bei jedem ‘Gutenachtkuß‘ mit tausend Herzensschmerzen von Dir, mein Mann. Ich wäre ungern jetzt aus dem Leben gegangen, du hattest mich ja durch all diese Zeit mit so ungewöhnlicher Liebe auf Händen getragen, und dann fühlte ich mit so seligem Weh, daß du mich auch nicht gern gemißt hättest. So gab mir Deine Liebe Lebenswillen, der sich von deinem Optimismus gestärkt immer freudiger hochrichtete. Und dann kam der siebente Juni 1910 (ein Dienstag). Du mein kleiner Junge mahntest die Mutter schon den ganzen Tag, daß Du Bewegungsfreiheit, Luft und Licht haben wolltest, du versuchtest, mir deutlich zu machen, daß du nun den schweren Kampf mit dem Leben beginnen wolltest. Da konnte ich dich nicht mehr halten. Abends, die gesunkene Sonne durchglühte die stillen Abendwolken am Himmel, daß es wie ein Sonntagskind aussah, das fuhren wir mit dem Auto ins Charlottenburger Krankenhaus in der Ringstraße, wo du dann, mein Wolf, auch sofort, es war 20 Minuten vor 10 Uhr, ohne Mühe erschienst und mit kräftigem Geschrei zum seligsten Entzücken deiner Mutter das Licht der vier strahlenden elektrischen Lampen über uns beiden erblicktest, trotz aller Träume deines Vaters ein Junge. Ich sah nur einen Augenblick deine großen blauen Augen dann verschwandest du, ich hörte höchst geheimnisvolles Plätschern, dann immer fester von einem Geschrei begleitet die Stimme der Wärterin, die diktierte 52 cm, 6100 gr (Gewicht von 6 kg ist nicht plausibel), dann legte man mir ein weißes Bündel in den Arm, oben guckte ein blaurotes Köpfchen heraus mit fest geschlossenen Augen. Dann wurden wir zu Bett gebracht. Und am anderen Morgen wars wirklich kein Traum. Wir haben nun ein lebendiges Zeichen unserer Liebe. Wie war ich froh und stolz und selig, mein Erich, als ich dann, als Du kamst, sagen konnte das ist er, sie ganz und gar ist er Dein Abbild. Ja, unser Junge war zuerst das reine Miniaturporträt von Dir, mein Mann. Jetzt, da sich bei ihm mehr und mehr die Untugenden von Mutter breit machen, die einst von den Brüdern lacrimosa Tränenreiche getauft wurde, nimmt er auch manchen Zug von ihr an, vor allem den großen Mund mit den hängenden Mundwinkeln und dann die blaue ‘Hochnase‘. Dennoch glaube und hoffe ich, mein Junge, daß Du Vaters Art hast, seinen Frohsinn, seine Festigkeit. Gott gebs! Am 17. Juni fuhren wir wieder in den strahlenden Abendhimmel, diesmal zu dritt. Junge, wie herrlich wars, mit dir ins eigene Nest zu ziehen. Der treue Vater hatte für jeden Winkel Blumen besorgt, dann betteten wir dich in den feinen Wagen, den Vater gekauft hatte, Ja, der war fein. 
Nun ist unser Kind fast 10 Wochen alt. Es hat schon so manche Unerfreulichkeiten bestanden. Die geschickte Mutter wollte esbeim Baden ertränken, ein offener Gasofen wollte es vergifte . Ja, da müßten wir wohl fühlen, daß wir mit aller Sorgfalt doch nicht auskommen, daß wir dich der großen allmächtigen Güte anvertrauen müssen, mein Kind, wollen wir deines Besitzes froh werden. 
Was unser Kind für Fähigkeiten zeigt? Er ist den Buchstaben nach noch im dummen Vierteljahr, aber Erstgeborene sind ja stets Wunderkinder. Unser Junge hörte schon am ersten Morgen zu schreien auf, als Vater ihm was pfiff: Winterstürme weichen Wonnemond, schlug jeden Morgen um 5 Uhr die strahlenden blauen Augen auf und wendete lauschend den Hals, wenn der freundliche Buchfink uns sein Morgenlied ins offene Fenster schmetterte. Er ist also durchaus musikalisch Farbensinn hat er auch schon, der Junge. Wenn Mutter eine rote Bluse anzieht, lächelt er Oder denkt er gar, wie kann sich die Mutter so herausgeputzt. Ja? 
Wo es etwas zu trinken gibt, spürte dieser Schlauberger auch gleich und er hatte von Anfang an einen ‘guten ‘Zug‘, dafür gediehen aber auch seine Kräfte. Mit drei Wochen bewegte sich der Schlingel auf allen Vieren vorwärts, wenn man ihm nach dem Baden auf dem Wickeltisch Gelegenheit dazu gab. Mit 5 Wochen fing er an zu lächeln, jetzt jauchzt er manchmal zu Vaters und Mutters Freude. Und auch die Stimme kräftigt sich durch tägliche Übung ganz gehörig. Mit sieben Wochen schon, mein Kind, hast du dich begossen. das gewöhne Dir nur ab. Du hast ja erstens genug zu spüren gekriegt, daß es schädlich ist, und kannst glauben, es ist au nicht schön. 
Geliebter Mann: Lasse uns mit aller Sorgfalt das Kindlein hüten und meinetwegen auch an uns arbeiten und – behalten wir einander lieb – Ameliemutter. 14.8.1910 
Am 27. August bin ich von Paris zurückgekommen. Die vierzehn Tage meiner Reise sind mir mehr als eine Erinnerung an interessant und anregend verbrachte Stunden und ich glaube trotz der kurzen Zeit einen Begriff bekommen zu haben von der großen Anziehungskraft, die diese Stadt ausübt. Es ist nicht nur das Gefühl der größeren Bewegungsfreiheit, das mehr oder weniger im Ausland dem Deutschen angenehm auffällt, es ist das vielgestaltige, freudige, bunte Leben das lebhafte von der Sonne anders als bei uns gefärbte Straßenbild, das der Fremde so liebt, es ist die ganze Anlage der Stadt mit ihren schönen breiten Avenuen und monumentalen Gebäuden, die nach meinen Begriffen ungeheure Platzverschwendung und die dadurch erzielte Raumwirkung, es ist die glitzernde Seine mit ihren schönen Brücken, die die Stadt durchschneidet, der Montmartre mit der unvergleichlichen Aussicht, der sie beherrscht. Wie wundervoll ist auch der etwas entferntere Blick auf die riesige Stadt bei untergehender Sonne von St. Cloud aus und das Häuserleuchten der grauen Sacre Coeur von der Terrasse in St. Germain. Wie amüsant ist das Sonntagstreiben, Esel und Pferde in Sceaux , wie schön und groß angelegt sind die Schlösser und Parks in der Umgebung von Paris. 
Und doch ist es traurig zu sehen, wie das modern Paris vom alten zehrt, ohne dieses nicht wäre, wie es führende Rolle fast in allem abgegeben hat (Kleider ausgenommen), was es neues schafft sind Anlehnungen an altes, was bewundert wird ist die alte Kultur. 
Mit Fritz und Alfons Niemann bin ich viel herumgepilgert, wir haben die Zeit ausgenutzt und viel gesehen. 
Am 28. August, an Goethes Geburtstag, ist Wolf getauft worden. Vater war auf der Reise zur Generalsynode nach Breslau zu uns gekommen, auch Tante Hanna war hier. Mittags um 12 Uhr in der Kirche in der Nassauischen Straße vollzog Superintendent Brachmann die Taufe, Vater und Tante Hanna waren als Paten anwesend, die übrigen Paten: Mutter, Onkel Georg, Grete und William konnten nicht kommen. Gertrud und Margot sahen von der Kirche aus zu. Wolf begleitete den Orgelvortrag ab und zu mit Gebrüll, was den Superintendenten Brachmann etwas nervös zu machen schien. Tante Hanna hielt den Jungen fast während der ganzen Taufe. 
Beim Essen, an dem auch Margot und Frl. Stallwitz teilnahmen, hielt der Vater einen Trinkspruch, in dem er auf die Charaktereigenschaften und Fähigkeiten hinwies, die nach einem alten Sterndeuterbuch die im Zeichen der Zwillinge vom 21.5 – 20.6. geborenen Menschen haben sollen:
Sie sind überaus glücklich veranlagt und besitzen meist die nicht zu unterschätzende Fähigkeit sich und anderen das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Die Männer besitzen eine große Vornehmheit der Gesinnung, sind sehr wahrheitsliebend, conservativ, hängen dem Althergebrachten an. Ihre Interessen bewegen sich in engen und ihnen naheliegenden Kreisen, sie sind sehr ordnungsliebend, von starkem Pflichtgefühl erfüllt und eignen sich vorzüglich als Beamte und Repräsentanten des Staates. 
Ich wünsche, daß einiges hiervon in Erfüllung gehen möge, vor allem aber, das Wolf gesund bleibt und sich gut entwickelt.
Erich  
In der Zeit vom 14. September bis 2. Oktober war Fritz bei uns. Nachdem wir uns Ende August nach der Rückkehr aus Paris getrennt hatten, blieb er noch einige Tage in Düsseldorf, besuchte dann Martin Slotty in Pyrmont und seinen Freund Stein in Hildesheim. Fritz hat die nachfolgenden Aufnahmen gemacht und wir haben sie gemeinsam entwickelt und copiert. Das Eßzimmer wurde abends zur Dunkelkammer hergerichtet. Da gerade in den gleichen Tagen die schon von uns als Kinder in Wyk benutzte Bettstelle ankam, wurde Wolf in ihr schlafend photographiert und ein Abzug davon nach Wyk geschickt. Die Verse zu den übrigen Bildern stammen gleichfalls von Fritz. An dem Tage als die Aufnahme des Hauses in Südende gemacht wurde brachte ich ihn zur Bahn nach Leipzig, wo er seine erste Architektenstelle antrat, hoffentlich bringt sie ihm Befriedigung.
30.10.1910, Erich 
Brünnhilde Str. 1, am 8. Januar 1911
Das Jahr 1910 hat uns viel Glück gebracht, wir sind immer gesund gewesen und geschäftlich ist es uns gut gegangen, so daß wir keine Geldsorgen hatten. Im Juni wurde uns unser Wolf geboren, der auch bisher von Krankheit verschont geblieben ist und uns viel Freude macht. Wir müssen dem vergangenen Jahr dankbar sein und empfinden die Güte des Geschicks um so mehr als in unserer Verwandtschaft viel Kummer und Unglück gewesen ist. Der arme Lutz 6 Monate krank und jetzt langsam auf dem Wege der Besserung und der unglückliche Konrad Poltrock nicht mehr unter uns. 
Mir brachte das Jahr noch die angenehme Abwechselung der kleinen Paris Reise, an die mich jetzt wieder Fritz‘ Holzschnitte erinnern und im Herbst ging, schneller als wir es erwarteten, der Süderender Hausplan in Erfüllung. Seit dem Beginn des Baus Anfang Oktober bin ich jeden Sonntag hinausgegangen, um mich von den Fortschritten zu überzeugen und habe große Freude gehabt am Entstehen dieses Hauses. Heute ist nun alles soweit fertig, daß die Öfen gesetzt und die Treppen eingebaut werden können. In meinen Gedanken beschäftige ich mich viel mit dem Möblieren der hübschen Zimmer und sehe uns schon dort wohnen. 
Der Jahresschluß brachte uns noch lieben Besuch. Gerhard war auf der Durchreise von Cöthen nach Flensburg 8 Tage bei uns und genoß, glaube ich, den ersten Aufenthalt in der Großstadt und am 23. war Fritz auf einige Stunden unser Gast, nachdem ich ihm vorher das Haus in Südende gezeigt hatte, dessen Grundriß von ihm entworfen ist und das ihn sehr interessierte. 
Viktor war Anfang Dezember vor seiner Übersiedlung nach Marienwerder mehrfach bei uns, wir bedauern, daß er Berlin für immer verläßt. Auf der Rückreise von Berlin sahen wir auch Alfons Niemann einen Tag in der Brünnhilde Straße. 
Das Jahr 1910 war für uns ein glückliches, wir sind ihm dankbar. Auch Weihnachten brachte nur viel Freude. Hoffen wir auf 1911.
Erich  
Am Sonnabend, den 25. Februar 1911, kam Fritz von Leipzig herüber. Ich fand morgens im Geschäft die Postkarte von ihm. Es gibt doch schöne Tage und Stunden zuweilen! Um 3 Uhr holte ich ihn vom Bahnhof ab und benutzte die gute Gelegenheit ihn zum Tapetengeschäft zu schleppen, damit er für Südende seine Wahl treffe. Ich freute mich den ganzen Tag auf Amelies Gesicht, wenn sie Fritz sehen würde. Wir wollten sie überraschen und trennten uns daher auf dem Friedenauer Bahnhof. Ich ging zuerst ins Haus und sorgte dafür, daß wir uns schnell zu Tisch setzten, währendem war Fritz mir nachgekommen und hatte seine Laute, die er aus Leipzig mitgebracht hatte, herausgeholt und im Treppenhaus notdürftig gestimmt. Ich ging dann nochmals hinaus, klinkte die Flurtür leise auf und als wir dann beim Essen saßen erklangen ‘Lautentöne‘ und Geflöte. Amelie sprang sofort auf und sagte ‘Das ist Fritz‘ und war nicht wenig erfreut, ihn als fahrenden Sänger wiederzusehen. Es war sehr komisch und fein. 
Leider war die Zeit für Fritz nur kurz, da er schon am Sonntag Abend wieder abfahren mußte. Abends waren wir in der Motzstraße, Sonntag früh in Südende und nachmittags zum Kaffee hatten wir Poltrocks bei uns (Tante Hete und Heta). Zufällig trafen sich am gleichen Sonntag seit Weihnachten zum ersten Mal Alfons und Lotte in Posen wieder und Fritz kam auf die gute Idee, sie telegraphisch zu begrüßen. Wir führten das mit folgenden Worten aus: Begrüßungstelegramm! Amelie Eric Fritz-Stuttgart. Nachmittags kam die Antwort: danken tief gerührt = alfons lotte.

Erich 
Als am 14. Mai der Vater Wolfs ersten Zahn entdeckte 
Schon mit 6 Monaten fing es an.
Man erwartete täglich den ersten Zahn.
Hielt ihm der Vater den Finger hin
der Wolf biß hinein mit Raubtiersinn
an allem versuchte er seinen Gaumen
Zwieback, Lederschuhe, Schlüssel
Teelöffel oder Butterschüssel
Sicherheitsnadeln, Serviettenringe,
Millionen andere schöne Dinge.
Vor allem, wie sich das gebührt
die Veilchenwurzel wurde probiert.
Und alle Mütter und weise Frauen bezeugten:
der Zahn kommt, Wolf übt schon das ,
selbst Monate kommen ins Land gekrochen
und keiner brachte den ersten Zahn.
Die Mutter fühlt heimlich den Gaumen oft an.
Der Vater tagtäglich den Jungen früh fragt:
Hast noch immer kein Beißerchen, das da nagt?
Doch ärgerlich knurrt der Schlingel nur: Ach!
Was fragst du denn jeden Morgen danach!
Wächst dir darum gar graues Haar?
Ich bin doch lange noch kein Jahr.
Laß doch die Mutter mal versuchen,
ob ich nicht ohne Zähne Kuchen,
und auch Kartoffelbrei
selbst Spargelköpfe nebenbei
Rhabarber und den Brei den weißen
vorzüglich kauen werd und beißen
und bewies durch die Tat,
daß auch ein Wolf, der keine Zähne hat,
gut essen und gedeihen kann
Doch hing der alte Zopf uns an:
Wenn Menschen wollen Menschen sein,
im Munde müssen Zähne sein.
Verstrichen sind 11 Monde schon
zum Zahnarzt bringen wir den Sohn!
Da kann die schöne Maienzeit,
da alle Knospen springen,
da jedem wird das Herz so weit
die Nachtigallen singen:
An einem Sonnensonntagsmorgen,
vor Nachbarnaugen noch verborgen
nahm Vater früh zum Sohn
zur Maienluft auf den Balkon
fragt traulich: ist das Zähnchen da?
und – fühlts! Und beide jauchzen: Ja!

 
Macht solche Freude unser Wolf noch oft dem Vater,
und bleibt der ihm der liebe Führer und Berater,
So hat noch jemand Grund zu Dank und Fröhlichkeit,
Ihr wißt schon, das ist Mutters Wenigkeit.
Zum Auszug aus Friedenau, 27. Mai 1911
 
Unsere trauten vier Wände
Du hast sie bereitet
Du hast sie mir zur Welt geweitet, O Glück!
 
Waren wir nicht froh im ersten lieben, warmen Licht. Wars nicht zu sonnig als daß die Sorge sich hätte einnisten können. Laß uns dankbar sein und die Sonne mitnehmen und die Liebe. 
Südende, am 9. Oktober 1911
 
Am Sonnabend den 27. Mai, sind wir in unser neues Heim gezogen und bis heute hat sich niemand an das rote Buch gewagt. Es war zu viel zu tun um Ruhe zu finden zum Zurückdenken. Alfons Niemann hat sich rührend bemüht uns die Ungemütlichkeit der Umzugstage zu teilen, er hat uns viel geholfen und er war unser erster Gast in der neuen Wohnung. Aber auch Lotte kam Nachmittags von Heckelberg herüber, so daß in der ersten Nacht 6 im neuen Hause waren. Am nächsten Morgen kam Grete zu uns und half tüchtig, sie reiste schon abends zurück, ebenso Lotte. Alfons fuhr zu Pfingsten nach Posen, wo er sich mit Lotte traf. Zu uns kam Lotte Wagner um die kurzen Ferien mit uns zu verleben, auch Walther Poltrock war manchmal da und machte gelegentlich einige Photographien, die ich hier beifüge. 
In den ersten Tagen des Juli kam Vater auf der Durchreise zum Färbertag in Dresden auf einige Tage zu uns. Wir verlebten sehr frohe Stunden und freuten uns besonders über seine Anteilnahme an dem Gedeihen unseres Gartens, vor allem der kleinen Obstbäume, die er Stück für Stück genau besah und uns seine Erfahrungen mitteilte. Dann hatten wir längere Zeit Alfons und Lotte bei uns, die den ersten Teil ihrer Sommerferien hier verbrachten. Die armen Leute mußten tüchtig helfen, besonders schwer fiel das Rasenschneiden. Da das Gras inzwischen so lang geworden war, daß es mit der Maschine nicht mehr geschnitten werden konnte, mußte es mit der Papierschere heruntergesäbelt werden, was nicht ganz leicht war. Zu viert ist es uns aber dann doch gelungen. In diese Zeit fiel auch die Ankunft von Wolfs jetzt so heiß geliebten Bärchen. Alfons brachte ihn eines Tages mit und hoffte, Wolf damit eine Freude zu machen, es kam aber anders. Wolf sah in dem Tier einen Nebenbuhler, der die gleichen Rechte beanspruchte, die er hatte. Das genügte um seine volle Antipathie gegen das Tier auszulassen und wo es ihm gegeben wurde, warf er es energisch von sich, so daß wir Bärchen schließlich verstecken mußten in der Hoffnung auf spätere Zeiten. Sie sind dann auch bald gekommen. Jetzt ist das Tier sein liebster Freund. 
Die Hitze des Sommers war sehr stark und besonders dadurch empfindlich, daß monatelang kein Regen fiel. Infolgedessen mußte im Garten sehr viel gesprengt werden, aber trotzdem verdorrte alles. Das Ungeziefer nahm stark zu und zerfraß, was die Sonne nicht versengte. So hatten wir von unserem Gemüse fast nichts und es war schwer, den Rasen einigermaßen grün zu erhalten. Die Nächte waren oft so heiß, daß wir auf dem Balkon schliefen, was dann allerdings sehr erquickend war. Wie sehnten uns nach unserem Urlaub und waren froh am 19. August endlich abfahren zu können. Die erste Reise mit Wolf, er machte große erstaunte Augen, als er zuerst den Zug ankommen hörte und die ganze Fahrt war etwas sehr aufregend für ihn. Wir gingen um 8 Uhr aus dem Hause und waren abends um 8 Uhr in Wyk, brauchten also genau 12 Stunden, die Fahrt verlief aber noch verhältnismäßig gut. Wolf schlief früh morgens etwas, dann allerdings nicht mehr. In Wyk trafen wir außer Boma, Tante Mimi und Onkel Georg auch Mutter und Anita. Die Tage waren sehr schön, das Wetter hielt sich prächtig, wir hatten fast immer Sonnenschein und Wolf, der die ersten Tage hindurch etwas weinerlich und unleidlich war, fühlte sich bald schon wohl und amüsierte sich und das ganze Haus. Unsre Segelfahrten gingen nach Hilligenlei, Amrum, Närhorn und einmal segelten Onkel Georg und ich um die ganze Insel nach Dunsum um die Ausgrabungen am Kjökkenmölling zu besehen. Der Steindeich, auf dem wir ein Stück entlang gingen, war aber schön mit seiner Aussicht aufs Meer, auf Amrum und Sylt. Über Ütersum gings zurück. In Wyk wurden auch einge Aufnahmen von Frau Dinsel gemacht, die ich hier beifüge. Die drei Wochen vergingen rascher, als uns lieb war, am 9. September fuhren wir zurück, nachdem wir unseren Hochzeitstag und Bopas Geburtstag sehr schön in Wyk verlebt hatten. Wolf benahm sich auf dem ersten Teil der Reise nicht sehr angenehm, von Hamburg an schlief er aber. Onkel Georg und Herr Faster brachten uns bis Dagebüll, in Altona trafen wir auf einige Augenblicke Tante Martha, Hanna und Ischa Wagner und nachts um 1 Uhr waren wir wieder zu Hause. 
Jetzt ist im Garten die Arbeit zu Ende, wir rüsten uns auf den Winter, die Öfen werden durchprobiert und scheinen gut zu sein. Wir besehen uns eingehend unsere Zimmer, die wir während der Sommermonate kaum benutzt haben und finden dies und das. Wir ändern, versuchen es gemütlich zu machen und spinnen uns so langsam ein, um dem harten Mann die Stirn bieten zu können.
Erich 
Aus Anlaß des Geburtstages seiner Frau stiftet Großvater ein neues Gästebuch
( Gästebuch II ) für das neue Haus in Lichterfelde Ost, Marienplatz 8. 
Wo der Herr nicht das Haus baut,
so arbeiten umsonst, die daran bauen 
Meiner lieben Frau, 30. 3. 1942 
Der Herr muß selber sein der Knecht,
wills er im Hause finden recht.
Die Frau muß selber sein die Magd,
will sie im Hause schaffen Rat.
Gesinde nimmermehr bedenkt,
was Nutz und Schad im Hause brengt.
Es ist ihm nicht gelegen dran,
weil sie es nicht für eigen han.
Luther 
Großvaters Schilderung der Jahre 1915 – 1939 (aus Gästebuch II) 
(Der 1. Weltkrieg, 1915 - 1917)
Ende Mai wurde ich zum 1. Garde Fußartillerie Regiment eingezogen, nachdem meine Einbürgerung durchgeführt war und ich mich als Kriegsfreiwilliger gemeldet hatte. Die Ausbildung fand in Döberitz statt im Rekruten Depot des Regiments, die Einkleidung in Spandau. In meiner neuen Kluft stellte ich mich gleich am Empfangstage Margot vor, es paßte noch nicht alles so richtig und ich muß wohl einen seltsamen Eindruck gemacht haben in meiner blauen nicht mehr ganz neuen Uniform, denn sie schien mir etwas überrascht bei meinem Erscheinen. Wir waren in Döberitz in Baracken untergebracht und mit mir zusammen wurden etwa 30 Kriegsfreiwillige aller Berufe im Alter von 20 – 40 Jahren ausgebildet, ein buntes Durcheinander von Menschen und ich glaube, wir waren alle keine großen ‘Krieger‘. Der langsame Schritt und ähnliche Dinge gingen jedenfalls vielen von uns schwer ein. Die artilleristische Ausbildung erfolgte an der 10 cm Kanone und an der 15 cm Haubitze. Diese beiden Geschütze haben wir mit heißem Bemühen im Sand des Hasenheidenbergs bewegt. Daneben gab es die übliche Ausbildung im Karabiner Schießen auf den Tegeler Schießplätzen, Marschübungen auf dem großen Döberitzer Gelände und Exerzieren bis zur Erschlaffung. Das schönste im Soldatenleben war auch bei mir der Urlaub, er wurde von Sonnabend nachmittag bis Sonntag Abend bewilligt und in Südende bei Frau und Kindern verbracht. Anfang September war die Ausbildung im Rekruten Depot beendigt und wir wurden auf die Batterien verteilt. Hier blieb ich nur kurze Zeit. Anfang Oktober bekam ich die graue Feldausrüstung und bald darauf mit einigen Kameraden den Ausmarschbefehl an die Ostfront. 
Wir wurden als Ersatz zu einer Munitionskolonne des aktiven Regiments geschickt. Bis Wilna ging es mit der Bahn, wo wir uns bei der Kommandantur zu melden hatten. Wir erhielten zwei Tage Ruhe, schliefen in einem uns angewiesenen Hause auf dem Fußboden ohne Matratzen oder Stroh, besahen uns die Stadt, besonders die wundertätige Madonna und machten uns am dritten Tag auf den Weg, um unsere Kolonne ausfindig zu machen. Die Eisenbahn ging im Oktober 1915 nicht mehr weiter als bis Wilna, sonstige Fahrgelegenheiten waren auch nicht vorhanden, wir mußten also mit unserem schweren Gepäck tippeln. Der Weg ging über Mischalischki und Komai nach dem kleinen Dorf Norkewitsche, wo unsere Kolonne lag. Wir gehörten zur 42. Inf. Div. und zum XXI. AK (Armeecorps) bzw. zur X. Armee. 
Ich wurde dem Wagenführer Mallon zugeteilt, habe aber während des ganzen Krieges nur einmal Munition gefahren. Unsere Batterie hatte 15 cm Haubitzen, die Front war, nachdem der Vormarsch Ende September beendet war und der Stellungskrieg begonnen hatte, während der Wintermonate ruhig. Unsere Arbeit bestand hauptsächlich im Bauen von Reserve Stellungen für die Batterien für den Fall, daß die Front zurückgenommen werden mußte. Jeden Morgen um 6 ½ Uhr wurde geweckt, wir schliefen zu etwa 20 Mann in der Stube eines Panje Hauses auf Strohsäcken, die abends auf den Fußboden gelegt wurden, nachdem die Tische hinausgetragen waren. Man schlief dicht bei dicht, warm und gemütlich, nachdem die abendliche Entlausung beendet war. Um 7 Uhr früh nach der Einnahme des Kaffees marschierten wir bei jedem Wetter mit unseren Schaufeln und Hacken ins Gelände und arbeiteten bis nachmittags um 4 Uhr an unseren Batterie Stellungen. Um 12 Uhr kam die dampfende Gulasch Kanone mit dem Essen herausgefahren und es wurde im Freien gegessen. Wenn es zu kalt war, wurde ein Feuer angemacht, an dem man sich von Zeit zu Zeit wärmen konnte. Überarbeitet haben wir uns nicht. 
Der sonstige Dienst bestand im Wacheschieben in Norkewitsche, die Munitionslager mußten bewacht werden, aber während meiner Zeit hat sich der böse Feind nicht zu uns herangetraut. Nur gelegentlich war erhöhte Alarmbereitschaft, wenn eine feindliche Patrouille durchgebrochen war und nach hinten zu kommen versuchte. Hin und wieder wurden auch Gefangene durch Norkewitsche geführt. Einmal lernte ich die russische Landschaft besonders gut kennen, als ich zum Empfang einer neuen Brille nach Kobylnik geschickt wurde. Ich marschierte im Januar 1916, als alles in starkem Froste lag, durch die schweigenden Ebenen des winterlichen Rußland, die in ihrer unendlichen Weite einen großen Eindruck macht. In Kobylnik war alles belegt, schließlich fand ich in einer Teestube Unterkunft. Ein Bett war auch hier nicht frei, aber ich schlief auf einer ausgehobenen Tür bis 4 Uhr früh, dann erwachte ich von dem Geräusch der Kartoffeln reibenden jüdischen Wirtsfrau, die um dise Zeit mit den Vorbereitungen für die Mahlzeiten in ihrer Teestube begann. Kartoffel Puffer waren bei den Landsern damals ein beliebtes Gericht. Tags darauf wurde die Brille verpaßt und dann ging es denselben Weg zurück. 
Der Aufenthalt in Norkewitsche fand Mitte Februar sein Ende, wir verließen das Dorf bei starkem Frost und viel Schnee und machten uns auf nach Kobylnik. Als wir hier am späten Nachmittag ankamen, verschneit und vereist, die Vollbärtigen mit kleinen Eiszapfen an den Bärten, hatte der Ortskommandant ein Einsehen und und ließ auf der Straße Grog ausgeben. Jeder bekam zwei Becher voll und dann mußten wir nochmals eine halbe Stunde marschieren zu unserem Quartier, einer verlassenen Sägemühle, wo wir es uns auf dem Fußboden bequem machen mußtn. Die Nacht in dieser Mühle werde ich nicht vergessen, es war die übelste Wanzennacht, die ich bisher erlebt habe. Am nächsten Tage habe ich mir mit einem Kameraden ein anderes Quartier besorgt, wo wir sehr schön in den Betten zweier auf Urlaub befindlicher Landjäger geschlafen haben. Nun kam die Auflösung der Kolonne, sie wurde stark verkleinert, ein großer Teil der Mannschaften und Gespanne bekam eine andere Bestimmung. Ich wurde mit einigen Kameraden der 2. Batterie des 38. Fußartillerie Bataillons zugeteilt, das zur 75. Res. Div. gehörte, und von einem Unteroffizier dieser Truppe in Empfang genommen. War ich bisher bei der Munitionskolonne eines aktiven preußischen Regiments, so kam ich jetzt zu einer sächsischen Formation, die ursprünglich aus Metz stammend in Königsbrück bei Dresden zusammengestellt war und in der sich mit wenigen Ausnahmen nur ‘königliche Sachsen‘ zumeist aus der Gegend von Dresden, Leipzig und Chemnitz befanden. Es ging hier gemütlicher zu als bei den Preußen. Schon das uns der Unteroffizier mit einem Schlitten abholte und in die Pratzen (?) Sammelstelle Promosher fuhr machte auf uns den besten Eindruck. 
Bei dieser Batterie bin ich bis zum Ende des Ostfeldzuges geblieben und habe mich in ihr stets wohl gefühlt. Sowohl die Offiziere wie die Unteroffiziere haben uns immer gut behandelt. Das kleine Dorf Pomoska liegt südöstlich von Kobylnik, unsere Batterie und Beobachtungsstellen waren am Südrande des großen Narotsch Sees. Zuerst wurde ich dem Wagen des Gefr. Max Müller zugeteilt, bald aber holte man mich zu den Fernsprechern und ich bin später dauernd als Fernsprecher verwendet worden bis auf der B-Stelle, teils auf der Vorgeschobenen, manchmal mußte ich auch Karten in Planquadrate einpassen, wonach die Artillerie schoß. Man hatte inzwischen festgestellt, daß ich in meinem Civilberuf mit Karten zu tun hatte. Die B-Stelle war mit einem Offizier, einem Unteroffizier und einem Fernsprecher besetzt, die Vorgeschobene, die sich im ersten Infantri Graben befand, mit einem Unteroffizier und einem Fernsprecher. Der Unteroffizier, mit dem ich zusammen Dienst tat, war der Karisch Edwin aus Dresden, später bei der dortigen Schutzpolizei. Von unserer B-Stelle am Südende des Narotsch hatte man mit dem Scherenfernrohr eine herrliche Sicht über den großen See und weit ins russische Land hinein, man konnte auch die Bewegungen der Russen hinter der Front gut beobachten. Mitte Februar war ich zur Batterie gekommen, die Front war ruhig bis zum 21. März 1916. An diesem Tage griff der Russe plötzlich an, frontal gegen unsere Stellungen kamen die Wellen und seitlich zur Umgehung über das Eis des Sees. An unserem Seeufer hatten wir zwei 15 cm Geschütze mit Schrapnells aufgestellt, die haben die geplante Umgehung über den See verhindert. Es war entsetzlich anzusehen, wie die Menschen hier zusammengeschossen wurden. An anderer Stelle dagegen hatten die Russen Erfolg, er war in unsere Stellungen eingedrungen, wurde aber bald zum Stehen gebracht, der von ihm geplante Durchbruch wurde verhindert. Ich war morgens gegen 8 Uhr am See und sah wie der Fernsprecher aus der B.-Stelle ziemlich aufgelöst zurückkam, vom Scherenfernrohr hatte er nur einen Teil retten können, seine Sachen hatte er fast alle im Stich gelassen. Walter Flex beschreibt den Angriff sehr anschaulich in seinem Buch ‘Die russische Frühjahrsoffensive 1916‘. Einen Monat später, am 28. April, haben wir den Gegenangriff gemacht, nachdem wir Verstärkung, u.a. auch 21 cm Mörser, bekommen hatten und es gelang uns, nicht nur das Verlorene zurückzuerobern, sondern noch ein Stück mehr. Ich war schon früher Gefreiter geworden, für meine Teilnahme an diesen Kämpfen habe ich das EKII bekommen. Nach dem Angriff kam ich mit Karisch auf die Vorgeschobene und die Front blieb mit wenigen Ausnahmen ruhig. Nur einmal kam der Russe noch in einen Nebengraben, wurde aber bald wieder herausgeworfen. 
Geschossen wurde natürlich oft und es gab viel Fernsprechleitungen zu flicken. Eins unserer Geschütze bekam in dieser Stellung einen Volltreffer als die Bedienungsmannschaften Dienst taten. Sie hatten die Geistesgegenwart in die seitlichen von Baumstämmen gebauten Kulissen zu springen und blieben unverletzt abgesehen von leichten Beschädigungen des Trommelfells. Unsere Verluste in dieser Stellung waren überhaupt gering. 
Ende August kam der Marschbefehl, wir mußten den schönen Narotsch See verlassen. Zuerst marschierte die Batterie zur Bahn nach Swenzjany. Es ging durch die unendlichen Wälder von Lentenjny mit riesigen Mengen von Pilzen. Von jedem Wagen schlugen sich zwei Kanoniere mit großen Eimern seitlich in die Büsche und brachten sie gefüllt mit Pfifferlingen, Steinpilzen und Birkenpilzen nach kurzer Zeit zurück. Abends wurde abgekocht in dem Dorf Grbautschischki, in dem sich noch die russische Landbevölkerung befand.. Ich bekam Unterkunft in der großen Stube eines sauberen Bauernhauses, man machte uns eine Strohschütte in einer Ecke,, in einer anderen schlief der Bauer mit seiner Frau und von der Decke hing an einem großen Balken die Wiege mit dem kleinsten Kind. Nachts wachte ich auf von der ungewohnten Kinderstimme, die sich aus der Wiege vernehmen ließ, wie lange hatte ich das nicht gehört? Am nächsten Tage erreichten wir Swenzjany. und es wurde gleich mit der Verladung der Batterie auf die Loren begonnen, noch abends fuhren wir ab in Richtung Wilna und alles war gespannt, ob wir nach dem Westen kommen würden oder im Osten bleiben. Bei Wilna löste sich die Spannung, wir blieben im Osten und fuhren an der Front südwärts über Brest-Litowsk bis Turisk, wo die Batterie ausgeladen wurde. Es gab für mich das erste Biwak. Unsere neue Stellung lag am Stachod in der Nähe des Dorfes Novy Dwar, diese letze Sammelstelle befand sich in einem Wald, wo wir uns eingruben und genug wohnliche Unterstände bauten. Hier ging ich wieder mit Karisch auf die Vorgeschobene, die im Sumpfgelände lag. Die Unterstände waren hier so niedrig, daß wir in ihnen nicht aufrecht stehen konnten und bei Regenwetter war alles verschlammt. Wasser trinken war verboten wegen der Ruhr Gefahr, wir bekamen als Beikost täglich Moselwein. Kleine Angriffe gab es von Zeit zu Zeit, ebenso Feuerüberfälle von den Russen. Ich erlebte unseren Angriff auf das sogenannte Russenwäldchen, wo wir einige feindliche Gräben nahmen. Alles lag noch wüst durcheinander als ich in den Graben kam, und die Toten waren noch nicht beerdigt. Von dieser Stellung aus bekam ich meinen ersten Heimaturlaub Ende November 1916 nach dreizehnmonatiger Abwesenheit, kurz vor Weihnachten mußte ich wieder hinaus und fuhr in 36 Stunden von Berlin nach Turisk. Bis Mitte Februar 1917 ereignete sich nichts Besonderes, dann kam wieder ein Marschbefehl.  
Stellungswechsel im russischen Winter gehört nicht zu den reinen Freuden des Soldatenlebens. Wir haben unsere Fahrzeuge so schnell wie möglich in Turisk auf die Loren geladen und ich habe mich dann zu unseren Pferden verfügt, da lag man warm auf Heu, nur die Stiefel zog man besser nicht aus, denn das Anziehen der hart gefrorenen Kommisstiefel am anderen Morgen war unmöglich. Wir fuhren nordwärts und kamen in eine neue Stellung nördlich Baranowitschki im Walde. Die Front wurde immer ruhiger, man sprach von Revolution bei den Russen und eines Tages Ende März sahen wir die Russen tatsächlich aus den Gräben heraussteigen und auf ihnen entlang spazieren.... Es wurde nicht geschossen, Gerüchte von Waffenstillstand gingen um.  
Da bekam ich den Befehl an einem Funkerkursus teilzunehmen und wurde Ende März über Kowel in Marsch gesetzt als das Tauwetter einsetzte. In Cholm waren etwa 30 Kanoniere aus verschiedenen Batterien versammelt, wir wurden vormittags theoretisch und nachmittags praktisch ausgebildet im Morsen und Aufnehmen funktelegraphischer Meldungen. Wir sollten später Dienst tun als Artillerie Funker. Die ganze drahtlose Telegraphie steckte noch in den Kinderschuhen, damals war bei den praktischen Übungen die Hauptsache die Antenne möglichst hoch anzubringen. Wir suchten uns immer die höchsten Bäume aus, nahmen Kletterschuhe mit, wie sie die Telegraphen Arbeiter gebrauchen und kletterten hinauf. Dann wurde von Königswusterhausen der Heeresbericht abgehört. Das Leben in Cholm war verglichen mit dem an der Front recht angenehm, wir wohnten in Privathäusern, wo wir uns Betten bauen konnten, hatten die Möglichkeit zusätzlich Lebensmittel zu kaufen, konnten Kaffee Häuser und Kinos besuchen. Ich konnte damals am Ende des dritten Kriegsjahres z.B. eine Kiste Eier nach Hause schicken. Ende Juni war der Kursus beendet, den Schluß bildete eine große Übung mit Fliegern in Kowel, wo wir zeigen sollten, was wir gelernt hatten. Leider wurden die Meldungen, die der Flieger funkte, von den meisten von uns nicht verstanden. – Inzwischen war unsere Batterie nach Flandern gekommen und auch wir bekamen Befehl uns nach Kowel zur Batterie zu begeben. Außer mir kamen noch zwei Funker zu unserer Batterie, ich als Gefreiter wurde Kolonnenführer und ab gings über Warschau nach dem Westen. 
In Warschau verlor ich einen meiner Leute, in Berlin machten wir beiden anderen Halt. Meine Frau tat gar nicht besonders erstaunt, als ich plötzlich ankam und fragte nur, wie lange ich bleiben würde. Ich sagte, daß ich in zwei Tagen weiterreisen müßte. Da zeigte sie mir ein Telegramm meines Batterie Feldwebels, der mich nach Döberitz zurückbeorderte. Hier kam ich in die Genesenen Batterie und wurde vorerst drei Wochen in Quarantäne gesteckt. Kein Dienst, gute Unterkunft und Verpflegung, Ausgang nur durch die Hintertür, wobei man sich nicht erwischen lassen durfte. Nach der Quarantänezeit kam ich zur Genesenen Batterie zurück, die vom Feldwebel Ohle geleitet wurde. Hier war ich bald gut angeschrieben, brauchte wenig Dienst zu tun, wurde oft zu Besorgungen nach Spandau und Berlin geschickt und bekam reichlich Urlaub. Da ich an der Front nicht mehr verwendet werden konnte, betrieb ich meine Reklamation, die im September 1917 Erfolg hatte, ich wurde zur Dienstleistung bei meiner Firma entlassen und der Krieg mit der Waffe war damit für mich beendet. 
 
(Die Nachkriegszeit, 1917 - 1939)
Als ich im August 1917 auf dem Döberitzer Bahnhof Wachdienst machte, bekam ich Kenntnis von einem Ereignis, das für meine Zukunft eine entscheidende Wendung bringen sollte, was ich damals allerdings nicht ahnen konnte. Ich kaufte mir eine Zeitung und fand darin die Todesanzeige des einzigen Sohnes meines Chefs, des Fliegerleutnants Fritz Vohsen. Er war in Belgien im Luftkampf gefallen. 
Im Betrieb gab es bei meiner Rückkehr aus Döberitz viel Arbeit, vor allem mußte ich dafür sorgen, daß die Steindruckerei genügend zu tun hatte. Es gelang mir auch sehr bald von militärischen Stellen Aufträge in genügender Zahl zu erhalten. Mein Chef, Konsul Ernst Vohsen, dem ich sehr viel verdanke, begann zu kränkeln, der Verlust des einzigen Sohnes, der das Geschäft hätte übernehmen sollen, ging ihm sehr nahe, auch der Ausgang des Krieges machte ihm Sorgen. 
Am 22. April 1918 wurde uns unser erstes Mädel geboren, die Hilde, die Kirschbäume blühten und der Frühling war gerade eingezogen. Tante Grete leistete Hilfestellung. 
Der Krieg ging weiter, die große Frühjahrsoffensive hatte nicht den Durchbruch zur Küste gebracht. Im Sommer begann es unruhig zu werden, der Sommer brachte die ersten Rückschläge im Westen. Im Frühherbst begann die Agitation von links immer stärker zu werden, Liebknecht und Rosa Luxemburg durften ungestört ihre aufreizenden Versammlungen abhalten. Ende Oktober sah ich die ersten entwaffneten Matrosen als Gefangene durch die Wilhelmstraße unter Bewachung noch sicherer Truppen abziehen. Dann kam der 9. November und mit ihm stürzte das Lebenswerk Ernst Vohsens zusammen. Die geschäftlichen Verbindungen zur Kriegsmarine und zu den Kolonien trugen bis dahin den Betrieb. Beide wurden durch den unglücklichen Ausgang des Krieges vernichtet, wir verloren fast alle Kriegsschiffe und sämtliche Kolonialgebiete. Das große kolonialkartographische Zeichenbüro mit seinen 30 Kräften mußte aufgelöst werden und für die lithographische Anstalt fehlten vorläufig die Aufträge. Das Befinden meines Chefs litt unter den Verhältnissen, er konnte sich mit der Revolutionszeit nicht abfinden, er fürchtete auch, daß der Weiterbestand seiner Firma fraglich war. Die Krankheit nahm zu und er machte sich Sorge um die Nachfolgeschaft, nachdem der Erbe gefallen war. Da gewann im Jahre 1919 mehr und mehr der Plan Gestalt, das Geschäft in die Hände seiner vier Prokuristen Gotthart, Wilke, Steiner und mich überzuleiten. Von seinen zahlreichen Neffen schien ihm wohl keiner für die Übernahme geeignet. 
Ende Mai 1919 reiste Herr Vohsen zur Kur nach Nauheim, am Tage seiner Abreise habe ich diesen edlen Menschen zum letzten Male gesehen. Am20. Juni erreichte uns die Nachricht seines Todes, ein Herzschlag hatte ihm eine schnelles Ende bereitet. Die Last der Weiterführung der Firma fiel nun auf seine Prokuristen, das heißt im wesentlichen auf Steiner und mich. Am 1. Juli 1919 wurde das Geschäft in Form einer Aktiengesellschaft zu für uns günstigen Bedingungen auf uns übertragen. Die ersten Jahre haben uns manche Schwierigkeiten gebracht, besonders die Inflationszeit. Nach 1924 fingen wir langsam an uns zu festigen, durch die Übernahme guter Verlagswerke kamen wir nach und nach zu einem sicheren Rückhalt. 
Am 21. Januar 1924 wurde uns unsere zweite Tochter Ursula geboren. Mittags erschien sie und Onkel Hermann (Wagner), der gerade zu Besuch war, tat den denkwürdigen Ausspruch: ‘wieder ‘ne Marjell‘. 
Die Jahre nach 1924 haben einen ständigen geschäftlichen Aufschwung gebracht, zwar keinen schnellen, aber es ging doch vorwärts. Mit dem Jahre 1933 und der Übernahme der Macht durch den National Sozialismus wuchs der Umfang des Geschäfts und im Jahre 1935 wandelten wir die Aktiengesellschaft in eine Offene Handelsgesellschaft um, nachdem unsere Teilhaber Wilke und Gotthart in den Jahren 1930 und 1934 ausgeschieden waren. 
Unsere Wohnung in der Berliner Straße in Südende, in die wir im Frühjahr 1911 gezogen waren, genügte uns nicht mehr und es wurde der Plan des Baues eines eigenen Hauses gefaßt. In der Karlstraße 7 in Südende fanden wir ein schönes Grundstück und haben dort unser erstes Haus nach den Entwürfen von Onkel Fritz erbaut. Am 18. März 1937 sind wir bei warmem Frühlingssonnenschein in das neue Haus eingezogen. Aber schon Ende 1937 erreichte uns die Hiobsbotschaft, daß unser eben bezogenes Haus von der Reichsbahn enteignet werden würde, die das Gelände zur Vergrößerung der Bahnanlagen am geplanten neuen Südbahnhof verlangte. Nun ging das Suchen nach einem neuen Grundstück los, wir haben alle Vororte durchstöbert, schließlich machte uns unsere Nachbarin Frau Klepper auf den Marienplatz in Lichterfelde aufmerksam und hier haben wir dann unser neues Haus nach den Entwürfen von Prof. Fritz Schopohl errichten lassen. Es wurde gerade noch vor Kriegsbeginn fertig. Am 28. Juni 1939 sind wir eingezogen, hoffentlich bleibt uns ein neuer Umzug erspart. 
Anfang Juli (1939) fuhren wir auf 4 Wochen ins Sauerland und nahmen in Marburg, wo wir Hilde besuchten, zwei Tage Aufenthalt – dann ging’s zu schönen Ferien ins Jagdhaus. Wir ahnten nicht, daß es vorläufig die letzten Friedensferien sein würden. Anfang September brach der neue Krieg aus.  
Eintragungen aus Gästebuch II 
Weingarten in Württemberg, 28.7. – 20. 8. 42 (aus Gästebuch II) 
Am Ende des dritten Kriegsjahres, als die Ernährung schon recht schwierig wurde, wählten wir das ‘Württemberger Ländle‘ zur Erholung. Augsburg bildete den Ausgangspunkt, Ravensburg folgte, wie waren damit in den Hauptplätzen des mittelelterlichen Handels auf den Spuren der Fugger und Welser und des ‘jungen Herrn Alexius‘ von der Ravensburger Handelskompagnie. Unser Standquartier war Weingarten im Schussental. Von hier wurde der Bodensee besucht: über Friedrichshafen und Lindau nach Bregenz, nach Meersburg und nach Konstanz. In Meersburg erneuerten wir unsere Bekanntschaft mit Annette von Droste auf der Burg und im Fürstenhäusle. Außer dieser großen mittelelterlichen Burg sahen wir die kleine noch vollständig möblierte Waldburg, von deren Turm man einen schönen Rundblick auf Merschwaben, die Alpen und den Bodensee hat. 
Nachdem Hildes Freundin Marianne Bock zu uns gestoßen war, wohnten wir in der großen Kirche des Benediktiner Klosters Weingarten einer bis dahin aufgeschobenen Vorführung der Gableischen Orgel (4 Manuale, 7200 Pfeifen) bei. Dabei hatten wir die Möglichkeit, nicht nur die Orgel in ihrer ganzen Pracht zu besehen, sondern auch ein kleines Orgelkonzert zu hören, gespielt von Frau Feifel, der Frau des Chordirigenten. Ihm schloß sich eine eingehende Führung durch die Klosterkirche an, bei der Pater Paul uns auf die Schönheiten dieser Barockkirche hinwies und ihre auch heute noch nicht völlig geklärte Baugeschichte erzählte. Hierdurch wurden wir angeregt, weitere oberschwäbische Barockkirchen kennen zu lernen, vor allem Weißenau bei Ravensburg und Steinhausen bei Schussenried, die in ihrer einheitlichen und geschlossenen Bauweise den größten Eindruck auf uns machten. In Schussenried haben wir auch den schönen aus der gleichen Zeit wie die Kirche stammenden Bibliothekssaal besichtigt. Auf der Rückreise waren wir im Ulmer Münster und in der Klosterkirche Wengen, sowie in der schönen turmlosen Barockkirche des Klosters Wieblingen und in seinem Bibliothekssaal. In Stuttgart besuchten wir das Rokokoschlößchen Solitude, wo Schiller drei Jahre auf der Karlsschule war. 
Aus der materiellen Reise ins Schussental wurde so eine Kunstreise, auf der uns die Schönheit der oberschwäbischen Barockkirchen erst richtig aufgegangen ist.
Erich 
16. Juli 1942 (aus Gästebuch II)
Tante Heta Plotrock, gestorben 9. 7. 1942 
Am 9. Juli verschied in Neu-Brandenburg fast 90jährig Frau Hedwig Poltrock, geb. von Owen, unsere ‘Tante Heta‘. Am 16. wurde sie in Wilmersdorf eingeäschert, um später an der Seite ihres Mannes auf dem Westender Friedhof beigesetzt zu werden. 
Im Jahre 1906 verließen Steiner und ich die Pension der Frau König in der Steglitzer Straße und machten uns ‘selbständig‘. Wir mieteten im Gartenhaus Motzstr. 68 IV eine Dreizimmerwohnung und möblierten sie. Steiner und ich nahmen je ein Zimmer, das Dritte blieb für Gäste, eine Zeitlang wohnte auch Gertrud darin. Das Mädchenzimmer überließen wir Frau Ballabene, unserer Wirtschafterin, die gegen freie Wohnung die Zimmer in Ordnung hielt und morgens den Kaffee kochte. Mittags aßen wir bei Frl. Töppel in der Anhaltstraße und abends in der Pension des Fräulein Eisenbeiss. Hier gefiel es uns nicht recht und Steiner unternahm es, für unseren Abendtisch eine andere Pension in unserer Nähe ausfindig zu machen. Er fand sie im Hause Motzstraße 72 in der Pension der Frau Poltrock Hedwig Emma Pauline Charlotte Poltrock (geb. v. Owen, 14.9.1852, Nikolskowo, Kreis Kolmar - 9.7.1942, Neu-Brandenburg, verh. 27.10.1888 in Duderstadt mit Arthur Poltrock, 28.8.1847, Reddestow – 16.1.1898, Nauen).
Es wa eine vorwiegend von Musikstudierenden weiblichen Geschlechts besuchte Pension, deren Inhaberin uns zwei Mannsleute, obgleich sie sonst nur Vollpensionäre aufnahm, die Teilnahme an den Abendmahlzeiten gestattete. Es gefiel uns gut. Nach dem Essen blieb man meist noch einige Zeit zusammen und unterhielt sich. Die Gäste waren Deutsche und Ausländer und es gab immer abwechselungsreiche Gespräche. 
Nach und nach lernte ich auch die weit verzweigte Familie der Frau Poltrock kennen, nicht nur ihre sechs Kinder, sondern auch die weiteren Verwandten, Neffen, Nichten, Geschwister, Schwäger und Schwägerinnen. So erschien auch im Sommer 1907 kometenhaft eine neue Nichte, Fräulein Amelie Wagner, auf der Durchreise von Zeven nach der Heimatstadt Marienwerder. Im Herbst 1908 erschien besagtes Fräulein zum zweiten Mal bei ihrer Tante und blieb den Winter über, um das Abitur nachzumachen und anschließend Philologie zu studieren. Der Winter 1908/09 gehört zu meinen schönsten Erinnerungen und in ihm habe ich auch die feinfühlende, vornehm denkende Tante Heta, wie ich sie nach meiner Verlobung nennen durfte, schätzen gelernt. Sie hat zu unserem Sichkennenlernen und Sichfinden ihr gutes Teil beigetragen.
Sie ist uns auch in unseren ersten Ehejahren und später bis zu ihrem Fortzug aus Berlin eine selbstlose Helferin und Ratgeberin geblieben. Sie wird in meinem Gedächtnis fortleben als eine gütige und doch tatkräftige Frau, die sich nie in den Vordergrund stellte und immer bereit war, anderen zu helfen. 
Es war uns eine Freude am Tage der Einäscherung alle ihre Kinder zu einem kleinen Familientag bei uns zu sehen. Es kam der ganze Poltrock Kreis: Walther Poltrock aus München, Viktor Poltrock und Grete mit Sohn Hartmuth aus Stettin, Ernst Elmering mit Heta und Sohn Heinz aus Neu-Brandenburg, Frau Anna Turek, geb. von Owen aus Göttingen, eine jüngere Schwester von Tante Heta, Eduard Turek mit Frau, Tante Jula aus Cuxhaven, Tante Lotte aus Altona, Tante Lotte Niemann aus Köln mit ihrer Schwester Annemarie Baethke, Wolfgang Niemann als Flak-Gefreiter von seinem Offizierskursus aus Bernau. 
Marianne Ursula Andrews (aus Gästebuch II)
Heute ist ein neuer Stern an unserem Familienhimmel aufgegangen, vormittags gegen 11 Uhr bei schönstem Septembersonnenschein hat uns Wolfgangs Hilde unser zweites Enkelkind, unsere erste Enkeltochter, geschenkt, eine sechspfündige. Da hat die gute Hilde zu Beginn des vierten Kriegsjahres eine schöne Friedenstat vollbracht.
11. September 1942 
Vom 11. – 19. September waren Wolfgang und Peter bei uns im Quartier!
Erich 
17. 10. 1942. Heute an Peters Geburtstag wurde unsere erste Enkeltochter von Pastor Hertel in der Epiphanienkirche in Charlottenburg auf den Namen Marianne Ursula getauft. Paten sind Frau Ortloff, Ursel, Herr Thorey und Friedrich Poltrock.
Erich 
Mein Herz hat einen Schlag getan –
nur wie ein Fisch die Flosse regt,
ein Gras im Winde sich bewegt,
ein Vogel seine Schwinge hebt –
und alles Leben war gelebt,
und alle Ewigkeit brach an. 
Jochen Klepper, 11. 12. 1942
Der Verfasser des ‘Vater‘ war unser Nachbar in der Karlstraße (Nr. 6) in Südende. Im Sommer 1936 als wir uns kennen lernten war das Buch gerade erschienen. Wir erlebten gemeinsam den ungewöhnlichen Erfolg bis zum 85. Tausend; auch die Entstehung der kleinen Arbeiten ‘In tormentis pinxit‘, ‘Der Soldatenkönig und die Stillen im Lande‘ und die geistlichen Lieder ‘Kyrie‘ und ‚Du bist als Stern uns aufgegangen‘ erschienen in der Südender Zeit. Den frühen Roman ‘Der Kahn der fröhlichen Leute‘ haben wir auch kennen gelernt und die ersten Anfänge der großen neuen Arbeit über Katharina von Bora miterlebt. 
Wir schätzten Kleppers Art zu schreiben, ebenso wie sein nobles und bescheidenes Auftreten als Mensch. Den großen Erfolg merkte man ihm nicht an, er blieb, der er war, ein liebenswerter gütiger Mensch ohne Pose und falschen Schein. 
Klepper lebte zusammen mit seiner Frau und deren zwei Töchtern aus erster Ehe. Schon in der Frühzeit unserer Nachbarschaft war es geplant, die Töchter ihrer Abstammung wegen ins Ausland zu bringen; die jüngste war schon 1938 für einen Kindertransport nach England eingeteilt, als sie krank wurde und zu Hause bleiben mußte. Hätte sie doch damals reisen können. Die älteste Tochter kam kurz vor Ausbruch des Krieges nach England. 
Nach der Enteignung unsres Grundstücks zogen Kleppers in ihr neues Haus nach Nikolassee, wir blieben in Verbindung und hörten von Zeit zu Zeit voneinander. 1941 (am 5.12.1941) wurde Klepper eingezogen, er machte den Krieg auf dem Balkan mit, später war er in Rußland, bis er im Frühjahr 1942 (am 8.10.1941) wegen der Abstammung seiner Frau vom Militär entlassen wurde. Seine jüngste Stieftochter wurde dienstverpflichtet und hatte Pech mit ihren Stellungen. Klepper klagte oft über die Schwierigkeiten, die er schon seit 1933 zu bekämpfen hätte wegen der Behandlung seiner Frau und weil er zu den ‘christlichen‘ Schriftstellern gerechnet würde. 
Er hat sich dann einmal an den Minister Frick gewandt, ihm seine Lage dargestellt und erreicht, daß seine Familie unbelästigt bleibt, er hat sich aber auch weiter bemüht, seine jüngste Stieftochter ins Ausland zu bringen. 
Im Sommer 1942 wurde Klepper nahegelegt, sich eine Stellung in einem Rüstungsbetrieb zu suchen, da er sonst dienstverpflichtet werden würde. Er wandte sich an uns und wir beschäftigten ihn seit Juni 1942 (seit 20.7.1942 als ‚Lohnbuchhalter, Arbeitszeit 3 x 4 Stunden in der Woche, Lohn 250 RM) im Verlag. Es war auch geplant, daß Klepper die Geschichte unserer Firma schreiben soll. 
Am 7. Dezember rief Frau Klepper bei uns an und teilte mit, daß ihre älteste inzwischen in England verheiratete Tochter ein Mädchen bekommen habe, das im Hinblick auf die neue väterliche Arbeit Katharina heißen solle. Am 8. Dezember erzählte Herr Klepper, das er die Einreise Erlaubnis für seine jüngste Stieftochter nach Schweden bekommen habe und daß er nun zum Minister Frick wolle, um die Ausreise Erlaubnis zu erwirken. Die Verhandlung war am 9.12. und endete abschlägig, der Minister nahm den Standpunkt ein, nichts mehr tun zu können. Dadurch wurde die Deportation der Tochter unvermeidlich. Klepper wurde noch an eine andere Stelle verwiesen, die er am Donnerstag (10.12.) aufsuchte und die sich gleichfalls ablehnend verhielt. 
Herr Klepper hatte uns schon früher gesagt, daß er eine Deportation seiner Stieftochter nicht würde ertragen können, den Gedanken einer Scheidung von seiner Frau hat er immer abgelehnt, er wollte ihr die Treue halten und war gewillt, die Folgerungen zu ziehen.
In der Nacht vom 10. zum 11. Dezember geschah die Katastrophe, Mann, Frau und Kind gingen gemeinsam in den Tod. Am 16. Dezember haben wir sie in einem gemeinsamen Grab auf dem Friedhof in Nikolassee nach einer ergreifenden Trauerfeier bestattet. 
Wir haben einen großen Dichter verloren, der uns unter anderen Verhältnissen noch Unvergängliches würde geschenkt haben. 
Gott ist Hilfe, Rat, Trost und Schild.
Er bleibt, der er war. Du sollst hoffen.
Ward dir der härteste Kampf auferlegt,
traf dich auch Leid, wie noch keiner es trägt,
und Jammer, den noch niemand gestillt.
Gott hält die Arme dir offen.
Gott heilt, die er schlägt.
(Jochen Klepper) 
Der Jasmin unterm Blumenfenster blüht.
Erich, 31. 1. 1943 
März 1943 (aus Gästebuch II)
Am Tage der Luftwaffe haben wir den bisher heftigsten feindlichen Bombenangriff auf Lichterfelde erlebt, er war noch schlimmer als der Angriff vom 16. Januar d.J., um ¾ 7 Uhr kam der Alarm und sofort begann ein heftiger Flakbeschuß. Wir versammelten uns im Keller. Amelie; Fritz und ich, Hilde, Ursel, Herr Bieder und Gertrud. Das Schießen war stark; der Bombenwurf heftig; das Haus zitterte, nach einiger Zeit hörten wir Fensterscheiben klirren, es wurde weiter stark geschossen, so daß ein Verlassen des Kellers ausgeschlossen erschien. Nach einer Weile, als wir die Gasschleuse verließen, rochen wir, das im Hause Feuer sein müßte. Oben angekommen sah ich die Decke brennen und lief ins Obergeschoß, um festzustellen, wo die Bombe lag. Die Schlafzimmer waren ziemlich rauchig, aber in keinem von ihnen noch auf dem Boden war eine Bombe zu finden. Inzwischen hatte Herr Bieder mit einigen gut gezielten Eimern Wasser das Feuer an der Decke gelöscht, ich lief ums Haus herum, um von da den Einschlag der Bombe zu suchen. Vergeblich! Nun wurden die Abseiten vorgenommen und schließlich fanden wir den Eindringling in der Abseite neben dem Fenster im oberen Flur, wo er sich in den Lehm gewühlt hatte. Die Bombe ist seitlich eingeflogen und hat keine große Durchschlagskraft mehr gehabt. Hilde kroch ans Ende der Abseite, ich reichte ihr eine Sandtüte nach der anderen und das Feuer wurde so erstickt. Hilde holte bald die Metallhülse und schließlich die glühende Elektrolytbombe heraus und förderte beides in den Garten Zum Glück war es eine der kleinen Stabbomben. Noch etwas Wasser wurde nachgegossen. Schaden: zerstörte Decke auf der Diele, 3 zerbrochenen Fensterscheiben, kleines Loch im Dach. Wir sind dieses Mal noch gut davongekommen. Vor den sechs Häusern meiner Luftschutzgemeinschaft erhielten alle Brandbomben, sie wurden alle von den Bewohnern gelöscht, bevor sie größeren Schaden anrichten konnten. Lichterfelde ist schwer mitgenommen, 10 große Brände zwischen Bahnhof und Kanal, mehrere Sprengbomben großem Kalibers, die erheblichen Schaden angerichtet haben.
Erich 
Das mir von Herrn Klepper vermachte große Chorblatt ‘Wer mein Wort hört und an den glaubt, der mich gesandt hat, wird das ewige Leben haben‘ ist angekommen.
5.3.1943 
30. März 1943
Immer schaut Gott Vater
aus dem All herab:
ob der Geist nicht reife,
dem Gestalt er gab
(Hermann Claudius) 
Der Geburtstag begann mit dem Alarm von 1 ½ bis 3 ½ Uhr Nachts, es ging bei uns gut ab!
Als wir kamen gab es Kuchen, Kuchen und nochmals Kuchen, auch uns ging es gut:
Peter und Marianne, Wolfgang und Hilde 
24. August 1943 (aus Gästebuch II)
Die Angriffe der Bomber verstärken sich, nach dem vom 16. Januar kam der schwerste vom 24. August, den wir mit Amelie, Ursel, Wolfgang und Onkel Franz aus Nienburg im Keller über uns ergehen lassen mußten. Der Angriff begann bald nach 12 Uhr und dauerte gut 2 Stunden. Die Bomben fielen sehr zahlreich, um 1.15 setzte das elektrische Licht aus, kurz vorher merkten wir am Brandgeruch, daß Feuer im Hause war. Eine Stabbrandbombe lag vor dem Buffet im Eßzimmer und hatte den Fußboden in Brand gesetzt. Mit Sand und etwas Wasser löschte ich den Brand und beförderte den Bombenkern auf die Terrasse. Der Einschlag war auf den Dachaufbau über der ersten Terrassentür erfolgt, die Bombe ist hart am Bett im obersten Stock vorbeigesaust, hat die Dielung durchschlagen und ist mit kleinen seitlichen Wendungen auf dem unteren Fußboden gelandet. Der Teppich, der am Tisch zusammengeschlagen war, blieb unbeschädigt, das Feuer hatte noch 20 cm bis zu ihm, als wir es löschten. Durch eine große Sprengbombe oder Mine, die vor dem Botho-Schwerin Krankenhaus einschlug und dieses völlig zum Einsturz brachte, wurde das Blumenfenster zertrümmert und acht weitere Scheiben im Wohnzimmer, auch wurde der Türrahmen im Eßzimmer zerrissen. Einschläge von 15 weiteren Brandbomben fanden wir im Garten, an einer Stelle ist der Zaun angebrannt und eine Bombe hatte die Platte eines Gartentisches durchschlagen und den Fuß zertrümmert. 
Verglichen mit den Schäden in unserer Nachbarschaft sind wir unbeschadet davon gekommen und danken Gott für diese neue glückliche Fügung. Die Brände in unserer Nachbarschaft waren sehr viel zahlreicher als am 1. März. Der Marienplatz war von niedergegangen Brandbomben taghell erleuchtet, von den 9 Häusern brannten in dies der Nacht 5 völlig nieder. Morgens um 9 Uhr explodierte ein Zeitzünder mit großem Getöse und warf uns den Sand bis vor die Gartenpforte. In der Bahnhofstraße vom Jungfernstieg bis zur Marienstraße sind nur noch 4 Häuser bewohnbar, im ganzen steht von unserem Vorort nur noch der vierte Teil. In Lankwitz und Südende ist es noch schlimmer, dort sind 90 vH. der Häuser unbewohnbar, auch Steglitz ist in einzelnen Teilen schwer mitgenommen. Der Eisenbahnverkehr in die Stadt ist vorläufig eingestellt, wir fahren mit Omnibussen bis Steglitz und von dort mit der Wannseebahn. Vor allem fehlt uns der elektrische Strom, wir haben also kein Licht und können nicht kochen. Amelie versucht sich mit viel Mühe auf einem Spirituskocher, außerdem haben wir in der Waschküche den Kessel zu einem primitivem Herd umgebaut, es ist aber sehr zeitraubend und mühsam.
Erich 
9. 10. 1944
Hartmut Erich Andrews (aus Gästebuch II)
Zu Beginn des fünften Kriegsjahres beschenkte uns Helmuts Inge mit ihrem ersten Sohn, unserem dritten Enkelkind. Das ist eine frohe Botschaft! Möge der Junge in eine Welt hineinwachsen, in der mit Gottes Willen bald nicht mehr ‘Mars die Stunde regiert‘. 
25. 1. 1944 (aus Gästebuch II)
Bei dem schweren Angriff Ende November wurde auch Gertruds Wohnung in Spandau so zugerichtet, daß sie nicht mehr benutzbar war. Gertrud zog mit Erika zu uns. Heute ist sie nach Wyk übergesiedelt, wo sie im alten Hause wohnen wird und hoffentlich von Bombenangriffen verschont, die Ruhe findet, die sie hier vergeblich suchte (Hilde: Gertrud war im Keller immer leicht hysterisch, Zittern). 
16. 2. 1944 (aus Gästebuch II)
Margot kam am 9. Februar von der Kinder Landverschickung (Margot: KLV = kannste langsam verrückt werden) in Zwickau-Brand und reiste heute über Kiel – Flensburg nach Wyk weiter. Leider erlebte sie in der letzten Nacht einen der schwersten Angriffe, bei dem auch bei uns etwas Glas dahinging und durch den der Verkehr in Unordnung geriet.

Erich 
24. März 1944 (aus Gästebuch II)
Schon der 24. August brachte einen sehr schweren Bombenangriff, er wurde heut noch übertroffen. Am 24. März hagelte es Brand- und leider auch viele Phosphorbomben, wir hatten drei im Garten als Blindgänger und eine in der Garage, die gelöscht werden konnte. Das schlimmste aber war eine schwere Mine, die auf dem Marienplatz niederging etwa 40 m vom Haus in südöstlicher Richtung. Das Dach wurde an der Süd- und Ostseite abgedeckt, Haus und Garagentüren zertrümmert, Die Wand zwischen Keller und Küche umgeworfen, sie riß den Küchengeschirrschrank mit sich, die Küchentür wurde herausgerissen und brach in der Mitte auseinander (danach mußte zunächst aus Blechschüsseln und Kochtöpfen gegessen werden, T. Hilde). Alle Decken und Wände bekamen Risse, alle Scheiben zerbrachen, Vorhänge wurden zerrissen, kurzum die Schönheit des Hauses, die uns mehr als 4 ½ Kriegsjahre erhalten war, ging dahin. 
Ich war am Abend in Berlin im Betrieb auf Wache. Da nach dem Angriff alle Verkehrsmittel nicht mehr fuhren, ging ich in 2 Stunden durch das schaurig brennende Berlin. In Lichterfelde war es am schlimmsten, hier wurde in dieser Nacht auch der Rest zerstört, so daß nur noch einige Häuser bewohnbar sind. 
Um 3 1/2 Uhr bemerkte ich zufällig beim Ausziehen einen hellen Schein an der Schlafzimmerdecke. Er entwickelte sich mit großer Geschwindigkeit zu einem Deckenbrand, der nur mit Mühe gelöscht werden konnte. Der Brand war durch Funkenflug vom Nachbarhaus entstanden, der durch das abgedeckte Dach das Stroh der östlichen Abseite entzündet hatte. 
Leider wurde in dieser Nacht unser liebes Nachbarhaus ein Raub der Flammen. Vier Stabbomben, die während des Angriffs nacheinander in das Haus fielen, konnten gelöscht werden, dann aber kam eine Phosphorbombe ins Schlafzimmer, die das Feuer mit solcher Schnelligkeit entfachte, daß keine Rettung möglich war, zumal auch kein Wasser aus der Leitung entnommen werden konnte. 
Aber alle Bewohner von Marienplatz 8 und 10 sind gesund geblieben und dafür sei Gott gedankt. Helmut schreibt uns aus Finnland in seinem ersten Brief nach dem Urlaub: 
Wie fremde Nacht schreitet
Das neue Jahr sich schwer
Und unser Schifflein gleitet
Hinaus ins schwanke Meer.
Die Sterne sind verschwommen
Die gestern uns gelacht
Ein Sturm ist aufgekommen
Der jäh uns frieren macht.
Doch unsere Segel füllen
Sich froh mit diesem Wort:
Es geht nach Deinem Willen,
Du bist bei uns an Bord. 
25. 3. 1944 (aus Gästebuch II)
-Statt Eilkarte - Liebe Hilde
Der gestrige Angriff war recht übel für ‘Trichterfelde‘, aber wir sind mit leidlich blauem Auge davongekommen. Es gab viel Spreng- und Brandbomben. Steiners Haus ist bis auf den Grund ausgebrannt, aber ein großer Teil der Möbel gerettet. Steiner selbst ist gerade in Süddeutschland. Bei uns ein größerer Brand in der Decke des Elternschlafzimmers. Aber wir konnten löschen und alles retten. Das Zimmer ist völlig unbewohnbar, die Eltern schlafen im Wohnzimmer. Die Wand zwischen Küche und Kellertreppe ist eingestürzt, der volle Geschirrschrank umgefallen, das ganze Dach abgedeckt und 95 % der Scheiben kaputt, Ebenso Garagentür, Haustür, Küchentür. In der Garage noch eine kleine Brandbombe, die auch gelöscht wurde. Tante Margot, Ursel, Erhard, Mutter, Mutti v.V. und ich waren anwesend, Vater wachte in der Wilhelmstraße und kam um ½ 3 zu Fuß an. Seitdem räumen wir auf, nachdem wir den ersten Teil der Nacht Steiners Möbel gerettet haben. Der Marienplatz sieht nun weit fürchterlicher aus als bisher, außer unserem steht nur noch 1 Haus und Beyers. Zahllose Bomben fielen, aber wir sind alle gesund + erholen uns langsam, natürlich ohne Strom. 
Ausführlicher später; die schon geschriebene Eilkarte liegt noch irgendwo, deshalb schnell dieser Brief. Von allen Grüße!
Wolfgang  
7. Mai 1944 (aus Gästebuch II)
Heute am Sonntag Cantate war morgens von 11.10 bis 12.30 ein schwerer Angriff nordamerikanischer Bomber auf Berlin. Das Wetter war regnerisch mit düsterer Wolkendecke. 
Unser schöner Betrieb in der Wilhelmstraße erhielt mehrere Sprengbomben ins 1. Quergebäude und unmittelbar dahinter auf den 2. Hof. Sachverständige behaupten, nach der Wirkung müßten es 10 Zentner Bomben gewesen sein. Anschließend an die Sprengbomben entwickelten sich Brände, sowohl im 1. wie im 2. Quergebäude. Bei uns wurden die Galvanoplastik, die Steindruckerei und die Buchbinderei mit allen Maschinen, Geräten, Möbeln und lagerndem Material vernichtet. Alles liegt als wüster Trümmerhaufen auf dem Boden der Buchbinderei, der trotz der hohen Belastung gehalten hat. Die schwere Zweifahnen Offsetmaschine ist zum Glück nach innen gefallen und nicht auf den Hof gestürzt. Eine Welle aus der 60er Maschine von 1 1/2 m Länge und 2 Zentnern Gewicht wurde über den 2. Hof hinüber ins Kartenlager geschleudert, das Gitter der großen Offsetmaschine über dem ersten Hof an die Rückwand des Vorderhauses, wo es das Mauerwerk stellenweise zerschlug. 
Durch die Bombe auf dem 2. Hof wurde die Decke des Plattenkellers zum Einsturz gebracht, das herabfallende Mauerwerk vernichtete viel Material. Zum Glück war am Sonntag nur die Luftschutzwache im Betrieb, davon 3 Mann im eingestürzten Keller, von denen einer leicht verletzt wurde. An einem Wochentag würden wir Menschenverluste gehabt haben. 
Die technischen Betriebsabteilungen, die durch diesen Angriff vernichtet wurden, sind im Laufe der letzten 50 Jahre aufgebaut, ihre Maschinen zum Teil erst während des Krieges angeschafft. So wird in wenigen Stunden zerstört, was zwei Generationen als ihr Lebenswerk geschaffen haben. Wir wollen es aber mit dem Grafen Zinzendorf halten: 
Soll‘s uns hart ergehen
Laß uns feste stehen
Und auch in den schwersten Tagen
Niemals über Lasten klagen
Denn durch Trübsal hier
Geht der Weg zu Dir 
Liebenstein in Thüringen (aus Gästebuch II) 
Vom 25. September bis 21. Oktober (1944) waren wir in Liebenstein zur Behebung einer Blutkreislaufstörung, die sich Ende August bei mir gezeigt hat und die der Arzt auf Überanstrengung zurückführte. Amelie begleitete mich. 
Nachdem wir mehr als zwei Jahre auf Urlaub verzichtet hatten, weil wir das Haus wegen der Bombenangriffe nicht allein lassen wollen kam uns die Ruhe und das Nichtstun zuerst ganz ungewohnt vor. Aber das war nur am Anfang, sehr bald lebten wir uns ein. Die Kur bestand in Kohlensäurebädern und in Saugmassagen, bei Amelie in den gleichen Bädern und Moorpackungen. Die Bäder steigerten sich in der Dauer und Stärke und verminderten sich in der Wärme, nachher mußten wir zwei Stunden liegen. Da wir auch nach dem Essen Schlafen sollten, sind wir oft täglich auf über 12 Stunden Schlaf gekommen; und zwar ungestört; denn um Alarme, die fast täglich kommen, kümmerten wir uns nicht und Abwürfe fanden nicht statt. 
Die Pension Gonnermann, in der wir wohnten, war ein etwas altmodisch und nicht sehr bequem eingerichtetes Haus, die Betten aber waren gut und das einfache Essen in der Menge jedenfalls ausreichend, so daß wir immer satt wurden. 
Abends hatten wir die Möglichkeit Annemarie Döring, geb. Schachschneider (25.11.1906 – 17.12002, Hamburg), in ihrem schönen zentralbeheizten Hause zu besuchen und uns mit ihr an ihren vier Jungen zu erfreuen. Das waren sehr angenehme Stunden, die wir doppelt genossen, weil in der Pension unser Zimmer nicht geheizt wurde. 
Die Umgebung von Liebenstein an den Südwesthängen des Thüringer Waldes bot zu Spaziergängen reichlich Gelegenheit, schöne Buchen und Tannenwaldungen mit bequemen Wegen waren in nächster Nähe des Bades. Das Schloß Altenstein mit großen Parkanlagen war ein Punkt besonderer Anziehung. Wir erlebten die Verfärbung des Laubes von dunklem Grün zu hellem bis kupfernem Braun. Im benachbarten Schweina, wo Froebel lange gewirkt hat, besahen wir den Kindergarten. 
Während die Heimreise ziemlich planmäßig vor sich ging, hatten wir auf der Rückreise erhebliche Verspätungen und starke Überfüllung des Zuges mit Flüchtlingen aus Saarbrücken. In Luckenwalde blieb der Zug wegen der Bombengefahr liegen und wir mußten in einen Personenzug umsteigen, der uns nachts kurz vor 12 Uhr nach Lichterfelde brachte, wo wir unser von Wolfgang und Hilde behütetes Haus heil vorfanden.
Erich 
(aus Gästebuch II))
Am 31.12.1943 kam ich hier in das gastliche Haus, nachdem mir der Tommy meine Wohnung zerstört hatte, und habe hier eine wahre Heimat gefunden. Von Herzen nur kann ich Dank sagen für all die Liebe, die mir entgegen gebracht wurde, so daß mir der Abschied jetzt sehr schwer fällt; aber ich ‘darf‘ wieder kommen und das tröstet mich wenigstens. Möchte das Haus und seine lieben Bewohner verschont bleiben vor weiterem Schaden, es ist eine Zuflucht und wir haben heute so etwas so nötig. Habt vielen, vielen Dank Ihr Lieben.
16. 11. 1944, Irene v. Varchmin 
(aus Gästebuch II)
Schöne, ungetrübte Tage, nur durch zwei kleine Alarme gestört, durften wir vom 20. November bis 1. Dezember (1944) in diesem gastlichen Hause verleben. Nie werde ich die erste Begrüßung nach fast halbjähriger Trennung von Peter, Marianne und Antje vergessen Wie schön war das Entspannen mal und endlich wieder in der Heimat! Doch wie hatte sich Berlin in den 1 ¼ Jahren verändert! 
Mögt Ihr und Euer schönes Haus von allem Unglück verschont bleiben. Auf ein gesundes Wiedersehen! Habt Dank
Marga und Antje Thorey 
(aus Gästebuch II)
Weinachten 1944 mit Hilde – Ursel – Herrn und Frau Stamm – Wolfgang – Hilde – Peter – Marianne 
Sylvester 1944 mit Ursel – Friedrich Poltrock u. Frau Anni – Wolfgang – Hilde – Peter – Marianne 
Am 20. Januar wird Posen vor den Russen von Frauen und Kindern geräumt, Helge kommt am 23. früh, Hilde am 23. abends hier an. 
Der Räumungsbefehl für Pritisch erfolgte am 29. Januar, Ursel trifft am 2. Februar abends gegen 10 Uhr nach abenteuerlicher Flucht vor den Russen hier ein. Meseritz räumt am 28. Januar. Hans uns Ischa Klose kommen am 1. Februar hier an auf der Durchreise nach Finsterwalde und Blankenburg/Harz. Die Marienwerder sind am 21. Januar 24 Personen stark im großen Lieferwagen geflüchtet, zuerst bis Jastrow in Pommern, von da nach Stargardt und Grete mit Meinhild nach Neu-Brandenburg, Liesel trifft am 29. hier ein.
Erich  
Helge beschreibt ihre Flucht aus Posen (aus Gästebuch II) 
Die Russen hatten Kutno genommen, Panzerspitzen in Richtung Posen. Um die Mittagsstunde begann ein heimliches Regen. Man murmelte vom Nahen des Feindes; von Packen und von Flucht. Aber keiner wagte laut davon zu sprechen. So war es wohl überall! Ja, es galt für feige, vom frühzeitigen Abmarsch zu reden. Welche Panik im Ernstfall entstehen würde hatte sich keiner klar gemacht. 
Um 14 Uhr wurden alle deutschen Angestellten des Lehmbaubetriebes – darunter auch wir Keramiker – zusammengerufen und der Ernst der Lage bekannt gemacht. ‘Packt das Nötigste, morgen stellen wir einen Treck von allen deutschen Bauern der Umgebung zusammen und fahren in Richtung Westen – Lissa (?) – ab. 
Vor ein paar Stunden hatte man noch eifrig an seiner Töpferscheibe gearbeitet und nun sollte man alles von heut auf morgen im Stich lassen? Zum langen Wundern, noch Überlegen blieb uns wenig Zeit. Bald kam der Befehl, heute abend müssen alle Frauen, Mütter wie Berufstätige, die Stadt verlassen. 
In Eile wurde das Nötigste eingepackt, man eilte zur Bahn – aber ein Mitkommen unmöglich. Die Straßen wurden von Stunde zu Stunde schwärzer von dem Menschengemenge. Wir mußten alle mit dem Treck. Als wir – d.h. der Lehmbau – 16 Personen, darunter 2 Kleinkinder und die Posen-Lenzinger Bauern um 19 Uhr abmarschierten, gingen auch die Männer mit, die eigentlich zur Verteidigung des Gebäudes dableiben sollten. Das Militär hatte bereits alles beschlagnahmt. 
Langsam setzte sich der Lenzinger Treck (30 – 40 Wagen) in Bewegung. Der Schnee kinsterte, dazu dröhnten die schweren Wagen über die eisglatte Straße. Welch seltsame, eintönige Musik, die durch das hü und hott Rufen der Kutscher unterbrochen wurde. Die Augen wanderten nach oben. Dort waren Ruhe und Frieden – vor uns stand in seiner leuchtenden Kraft der Orion. Die goldene Mondsichel spendete genügend Licht, um seinen dunklen Nachbarn erkennen zu lassen. 
Pausenlos ging es vorwärts, vorbei an Gehöften – an Dörfern – durch dunkle Kiefernwälder. Wehrmachts- und Parteiautos überholten uns, ebenfalls Radfahrer und schnelles Fußvolk. Unheimlich waren die Sträflinge. Wie kamen sie auf diesen Weg?
Nach 14 km gab es einen Stillstand, fast Umkehr, Partisanenkämpfe? Nein, das RAD (Reichsarbeitsdienst) Lager hatte seine Munition gesprengt. Nun hörte man die Explosionen durch den Wald schallen. Eine hohe rote Feuersäule stieg drohend aus dem Dunkel zum Nachthimmel empor. Nach einer unruhigen Stunde voller Angst und Bangen ward das Rätsel zum Guten gelöst. 
Inzwischen hatte ein polnischer Kutscher die Gelegenheit zum Ausreißen benutzt. In der Kalesche saßen eine schwangere Frau, eine Wöchnerin mit 8 Stunden altem Säugling, die Großmutter mit 4jährigem Enkel. Mit einem Keramiker zusammen, d.h. abwechselnd kutschierend , habe ich die Kutsche bis Grätz, 50 km westlich von Posen gefahren. In dieser Nacht habe ich wahrlich das Kutschieren gelernt. Glatteis – unebene Abhänge, enge Gassen, durch verbaute, verstopfte Straßen – mit Pferden die unbeschlagen und ausgehungert waren. Wir waren mit unserem Wagen 5 Stunden hinter dem Treck zurück geblieben – ohne Futter für Mensch und Tier. Jedes Hälmlein Heu und Körnlein Hafer wurden gesammelt und nach 12stündiger Fahrt aus dem Hut verfüttert. 
Im geräumten Grätzer Krankenhaus fand sich noch eine Schwester, die unsere kranken Flüchtlinge für 24 Stunden aufnahm. Nach 3stündiger Rast schlossen wir uns dem Posener Treck an. Der Treck war inzwischen gewachsen. Aus allen Richtungen waren deutsche wie polnische Wagen dazu gekommen. Manche Kutschen elegant und klapprig. Kasten- und Heuwagen, mit Holz- und Plandach – alte verhutzelte Gesichter, weinende Kinder, aufgeregte Frauen unterstrichen die unheimliche Stimmung, die über dem ganzen lag. – Zur Nacht trennten wir Lehmbauleute uns von den Posenern und ruhten uns in einem polnischen Dorf, das bereits von Deutschen geräumt worden war, aus. Gottes Schutz war mit uns – denn heil kamen wir wieder heraus. Unterwegs hörten wir von anderen Flüchtlingen, die ihre Angehörigen durch Ermordung beim Übernachten in polnischen Häusern verloren hatten. 
Der 22. Januar war eisig. Weiß bereift, zu Eis gefroren kamen wir am frühen Morgen in Neu-Tomischel an. Hier vertröstete uns der Ortsgruppenleiter auf einen Zug – mit dem wir um 15 Uhr tatsächlich abfahren konnten. In der Bahn war es warm – man taute buchstäblich auf. Ach wie viel Not, wieviel Elend! Alt und Jung, Reichsdeutsche und Umsiedler saßen beisammen, das Schicksal hatte sie alle zusammen geführt. Uns war es noch gut gegangen, aber was hatten die Bauern für Märsche hinter sich. Die Schwarzmeerdeutschen waren 1944 von Januar – März durch Rußland gewandert, die Galizier und Bessarabier 1940 – waren 8 Wochen bei Eis und Schnee unterwegs gewesen. Aber auch auf diesem kleinen, kurzen Treck hatte es Unfälle und Todesfälle genug gegeben. Das Grauen und der Wahnsinn des heutigen Krieges wurde einem so erst bewußt. 
20 Stunden fuhren wir zusammen Richtung Berlin. Wohin mit den Menschen, was wird aus Ihnen, wer sorgt für sie? Keine KSV hatte für die Armen gesorgt. Wir Jugend konnten es noch ertragen. Aber all die Kinder, die seit Tagen nur von Brot lebten und nichts warmes mehr bekommen hatten. Ein jeder half so gut er konnte – damit das Schreien und Jammern der Kleinen verstummte und die aufgeregten Gemüter endlich zur Ruhe kamen. 
Der Zug fuhr durch Berlin. Beim Halten auf freier Strecke stiegen wir Keramiker aus. Ja, wir hatten fürs erste hier ein Ziel. Unsere Mitflüchtlinge sollten nach Großkreutz ins Lager. 
Das liebe Haus am Marienplatz war uns in diesen Tagen eine ruhige Erholungsstätte - Schlaf, Wärme, Essen, Liebe. Noch ist die Fahrt nicht beendet, morgen gehts heimwärts ins Elternhaus. 
Tag und Nacht rollen die Flüchtlingszüge vom Osten nach dem Norden und ins Innere des Reiches. Die russische Walze geht unbarmherzig westwärts. 
Unsere Aufgabe ‘Kultur‘ in den Warthegau zu bringen, hat ein schnelles, sehr grausiges Ende genommen. Mit dem Töpfern ist Schluß – jetzt warte ich auf den Frieden, ehe ich wieder neue Töpfe mache, die nicht von den Russen oder Amerikanern zerstört werden.
Helge, 28. 1. 1945 
3. Februar 1945 (aus Gästebuch II) 
Dieser Tag brachte den bisher stärksten Angriff der Nordamerikaner auf Berlin, ich erlebte ihn mit Wolfgang im Keller der Wilhelmstraße 29. Die Innenstadt wurde schwer heimgesucht. Auch unser Betrieb erhielt mehrere Spreng- und Brandbomben, das 2. Quergebäude stürzte zum Teil ein und brannte vollkommen aus, mit ihm unser gesamtes Seekartenlager, die Steinschleiferei mit allen neuen Druckplatten, die Lagerräume mit wertvollen Vorräten an Verlagswerken und unbedrucktes Papier. 
Unser Vorderhaus mit seinen Seitenflügeln und der Rest des 1. Quergebäudes blieben unbeschädigt, abgesehen vom Verlust der Fernster, Türen usw. Die Nachbarhäuser zur rechten und zur linken stürzten gleichfalls ein oder brannten aus. Unser Vorderhaus ist das einzig bewohnbare auf der Ostseite der Wilhelmstraße von der Leipziger bis zur Puttkammerstaße – Auch das uns gehörende Eckhaus Wilhelmstraße-Puttkammerstraße ging verloren mit erheblichen Vorräten. Unsere Buchbinderei Ausweichstelle in der Stallschreiberstraße brannte am gleichen Tage aus. Den Buchbindebetrieb werden wir nun aufgeben, wer weiß wann eine eigene Buchbinderei wieder eingerichtet werden kann? Mit dem Neuaufbau des Seekartenlagers in verkleinertem Rahmen wird begonnen. 
Der Jasmin im Garten blüht.
Erich, 11.2.1945 
Ursels Begleiter beschreibt die Flucht nach Berlin (aus Gästebuch II) 
Es war Abend geworden! Der Frost hatte schon nachgelassen! Ich stand auf dem Abmarsch zur rückwärtigen Front betreffs einen Auftrag auszuführen. Da begegnete ich einem Mädchen (Ursel)! Das hilflos und und schutzlos verlassen dastand. Ich fragte sie: ob sie auch zurück wolle! Worauf sie mir zur Antwort gab 'wenn es mir gelingt'. Da ich selbst zurück mußte, bot ich ihr meinen Schutz an. Wir wanderten los. Es war auch nicht möglich gewesen ein Fahrzeug zu kriegen. Sie alle müssen an sich selbst gedacht haben. Unterwegs gesellte sich ein Kamerad zu uns, der auch ins rückwärtige Gebiet wollte. Zu dritt legten wir den Marsch zurück, einsam und verlassen. Der Menschenstrom hatte aufgehört. Beiderseitig der Landstraße und vor uns schweres Feuer, so daß wir nicht wußten, wie wir uns retten sollten. In dem Ort Limmtritz hielt uns ein Auffangkommando an, Begründung zu erwartender Angriff der nach 15 Minuten stattfand. Wir wurden regulär gezwungen, unsere letzte Habe im Stich zu lassen, um aus dem Feuer... heil herauszukommen. Es war eine schwerer Verlust aber es gibt nur ein Leben auf der Welt. Es gelang uns auch aus dem Dorfe zu fliehen und uns weiter rückwärts zu bewegen! Vor uns war ständiger .... Fliegerbeschuß auf zurückziehende Truppen und Flüchtlingstrecks. Wir hatten Mühe und Not, aus dem Beschuß ständig fern zu bleiben und sind so manches Mal in Deckung gegangen. Als wir die Oder durchwatet hatten faßten wir neuen Mut, denn Berlin war nahe. Es gelang uns den Rest des Weges unter Aufbietung allerletzter Kräfte zurückzulegen. Ich habe meine beiden Genossen zu Hause unversehrt abgeliefert. Lieber ein Leben geschont als Reichtum nachgegangen. Ich danke für die Gastfreundschaft und verbleibe in steter Erinnerung.
Gefreiter Labur, 5.2.1945  
Ursel beschreibt ihre Flucht nach Westen (aus Gästebuch II) 
Am 2. Mai 1944 trat ich meine zweite Kindergärtnerinnen Stelle an, diesmal als Leiterin von 60 Kindern und 4 Helferinnen in Pritisch, Kreis Schwerin a.W. (an der Warthe), an. Ich hatte es dienstlich sehr gut, meine für ländliche Verhältnisse geradezu komfortabel eingerichtete 2-Zimmerdienstwohnung blickte nach Süden, direkt auf den 2 km langen See. Hier verlebte ich eine wunderschöne Zeit, die nichts zu wünschen übrig ließ und die mich mit Sonne, Ruhe, Speck und Eiern den Krieg fast ganz vergessen ließ. An einem heißen Julitag feierte ich mit dem halben Dorf das Sommerfest und am 20. Dezember ein sehr gemütliches Weihnachtsfest. Die paar Tage Urlaub in Berlin anschließend waren erfrischend, um so eifriger machte ich mich zu Beginn des neuen Jahres mit meinen Helferinnen ans Basteln. Gerade hatten wir eine wunderschöne Holzschnitzerei für meinen Schreibtisch beendet als plötzlich der Krieg für uns begann. 
Tag und Nacht rollten ohne Unterbrechung die Wagen der Flüchtlinge aus Posen an meinen Fenstern in der Hauptstraße vorbei in Richtung Westen. Aber auch in Richtung Osten fuhren ununterbrochen Wagen, es war die militärische Verstärkung. Pritisch selbst bekam Einquartierung, im Kindergarten versorgte ich 50 Mann und in meiner Wohnung 4. So schien das Leben für uns Pritischer doch noch einen nutzvollen Sinn zu haben. Die Soldaten gingen vor dem Dorf in Stellung und kamen halb erfroren zurück, da war es für uns die größte Freude, wenn wir es ihnen in jeder Beziehung gemütlich machen konnten. 
Doch die Lage wurde ernster von Tag zu Tag. Die feindlichen Panzer kamen immer näher, eine Nacht konnten wir nicht Schlafen, weil Wierzebaum mit schwerer Artillerie beschossen wurde, die nächste Nacht stießen die feindlichen Panzer bis Pritisch vor, doch die folgende Nacht – unsere letzte in Pritisch – verging ruhig. 
Morgens um 9 Uhr wachte ich am 29.1. frisch und ausgeschlafen auf, ich war fast glücklich, und glaubte nach dieser Ruhe erst recht, daß wir bleiben dürften. Um 10.05 wurde ausgeklingelt, daß Pritisch bis 12 Uhr mittags geräumt sein müßte. Obwohl ich mich nun schon langsam an den Gedanken gewöhnt habe, bekam ich doch ein heftiges Zittern in den Beinen. Ich zwang mich zur inneren Ruhe, freute mich, daß ich wenigstens noch eine so ruhige Nacht genießen durfte, verschnürte die längst gepackten Koffer auf dem Rad, schlug die letzten Eier in die Pfanne und zog mich fluchtmäßig an. Um 10.40 kamen sich meine sehr lieben Nachbarn weinend verabschieden, da dachte ich noch, ‘gut, daß du hier nicht zu Hause bist, da brauchst du wenigstens nicht zu weinen‘, aber als ich eine halbe Stunde später das Dorf verließ und dabei etlichen meiner Mütter und Kinder begegnete, kamen auch mir die Tränen. Noch im Dorf überholte mich ein Polizeiwagen, der mich nebst Gepäck 3 km mitnahm. Weitere 3 km marschierte ich zu Fuß, immer mein tapferes Stahlroß mit 2 Koffern, 1 Decke, 8 Einkaufstaschen und 1 Rucksack neben mir durch den 20 cm hohen Schnee schiebend bei 15° Kälte. Dort stand ein leerer Pferdewagen, der direkt auf mich gewartet zu haben schien, die Männer halfen mir beim Aufladen, so konnte ich verhältnismäßig bequem bis nach Schwerin fahren, wo ich mittags um 2 Uhr eintraf. Da ich schrecklichen Durst hatte, gedachte ich im dortigen Kindergarten bei ‘Tante‘ Waltraut eine kurze Pause einzulegen und dann weiterzumarschieren nach Landsberg und Loppow (?) zu Else. Im Kindergarten war es so herrlich warm, ruhig, friedlich und gemütlich, daß ich beschloß, dort über Nacht zu bleiben. Gegen 11 Uhr abends legten wir uns ins Bett, doch um 12 Uhr kam schon der Räumungsbefehl für Schwerin (?).  
So mußte ich mitten in der Nacht bei Schnee und Kälte mit meinem schweren Gepäck weiter. Etwa 3 km hinter Schwerin half mir ein freundlicher Soldat, das ganze Gepäck auf das vor mir fahrende, halb leere Fahrzeug zu laden. Da es noch dunkel war, merkte der Besitzer, Bauer Brunner aus Schwerin, nichts, war aber, als er mich im Dämmern erkannte, recht freundlich. So fuhr ich wieder recht gut. Gegen morgen in dem Wald wurde an der Straße ziemlich heftig gefeuert, die Soldaten meinten, der Wald wäre vom Iwan besetzt. Es machte mir nicht viel aus, da das Geschieße ja nicht direkt gegen uns gerichtet war. Gegen 11 Uhr mittags waren wir an der Stelle, wo rechts die Straße nach Landsberg abzweigte, aber sie war gesperrt, weil der Russe bereits in Landsberg eingedrungen war. Also weiter ging es genau in Richtung Westen nach Kriescht immer durch den Wald, in dem es heftig schoß. Gegen 12 Uhr erschienen auch noch Tiefflieger, die den Treck angriffen. Etwa um 2 Uhr mittags hörte das Geschieße im Wald auf, Herr Brunner ließ daher den Pferden und sich Zeit, wir stiegen ab, um es den völlig überlasteten Pferden leichter zu machen. Abends um 9 Uhr trafen wir endlich in Kriescht ein und fanden sofort ein recht nettes Quartier. Inzwischen hatten Herr Brunner und ich folgenden Vertrag geschlossen. Er sollte mich nach Berlin fahren und dafür sollte er bei uns wohnen bis man zurück könne. Mittwoch früh sollte es also weiter gehen. Doch leider war Herr Brunner so erschöpft, daß er vorschlug, einen Ruhetag einzuhalten.  
Doch nachmittags stieß der Iwan nördlich von uns bis Völlensradung (?) und südlich bis bis Wandan (?) vor, so daß die Gefahr der Einkesselung bestand. In dieser Erkenntnis war ich recht verzweifelt, da lernte ich den Gefreiten Heinrich Labur kennen, mit dem ich mich auf Donnerstag früh verabredete. Er hatte das gleiche Ziel wie ich, er wollte mit Rad und Gepäck auf jeden Fall durch bis Berlin.  
So ging es vormittags mit vereinten Kräften weiter. Schon nach 2 Dörfern hörten wir im Wald vor uns schießen, der Russe hatte also den Kessel schließen können. Trotzdem marschierten wir tapfer weiter und – wir hatten Glück – als wir durch besagten Wald hindurch mußten, hörte die Schießerei auf. Gegen 11 Uhr mittags trafen wir in dem Dorf Limmtritz ein, wo wir – da der Russe schweigt – eine kurze Frühstückspause einlegen wollten. Doch da stand mitten im Dorf ein Schupo und verbot uns, weiterzumarschieren, da der Russe den Ring geschlossen hätte. Mit einiger Schwindelei kamen wir auch hier vorbei und kehrten in einem der letzten Häuser des Dorfes ein zu unserer Frühstückspause. Gerade haben wir den ersten Bissen im Munde, da beginnt eine unheimliche Schießerei, der Russe beschoß Limmtritz mit schwerer Artillerie. Wir lassen alles stehen und liegen und rennen aus Leibeskräften aus dem Dorf hinaus immer in den Wald hinein. Als ich mich nach einigen Minuten nochmals umsah, war das Dorf bereits in Flammen aufgegangen. Nun schoß es auch aus dem Wald mit MG, und wir rannten, obwohl ich ja eigentlich nicht mehr konnte. Da kam ein ratterndes Militärauto, das uns ins nächste Dorf – Sonnenburg – fuhr. Sonnenburg hatte gerade einen russischen Fliegerangriff hinter sich, alles lief aufgeregt durcheinander, trotzdem verbot uns der Dorfschulze weiter zu marschieren, da der Iwan auch im Westen stehe. In der allgemeinen Aufregung sind wir wieder entwischt und das war gut, denn schon wurde auch Sonnenburg mit schwerer Artillerie beschossen und ging kurz darauf in Flammen auf. Also weiter gen Westen. Nach etwa 3 km sind die Landstraßen mit schwerer Artillerie beschossen, so daß wir quer über die bei dem Sauwetter aufgeweichten Felder laufen mußten. Wieder nach einigen km tauchen Tiefflieger auf, doch da floß ein Bach mit einigen Weiden daran, dort fanden wir Schutz. Bald ging es weiter, doch gegen Mittag liefen wir wieder gerade in eine heftige Schießerei hinein, aber Heinrich führte mich unerschrocken sicheren Schritts quer durch den Wald. Hier trafen wir einen zweiten Soldaten, 22 Jahre alt, zu Fuß bereits von Warschau, Ziel Berlin, er schloß sich uns an und das war gut, denn er konnte uns in jeder Lage zum Lachen bringen. Etwa um 3 Uhr mittags erreichte die Schießerei um uns herum ihren Höhepunkt, da kam uns ein kleiner Pferdewagen mit einem kräftigen Pferd davor entgegen. Ich meinte nur ‘der wäre solch ein Wagen für uns‘ als auch meine beiden Begleiter sich schon mit einigen Zigaretten und einigen russischen Worten auf den russischen Fahrer stürzten und ihn tatsächlich zum Umdrehen überredeten. In rasender Fahrt ging es nun gen Westen. Wir hofften, wenn wir über die Oder wären, wären wir sicher. Göritz an der Oder zwischen Küstrin und Frankfurt sollte noch vom Feinde frei sein. Dorthin wurden also die Schritte des kräftigen Gauls gelenkt.  
Verhältnismäßig rasch und nur unter Tieffliegerbeschuß erreichten wir die Oder, aber wie kommen wir hinüber? Alle Brücken waren gesprengt, die Fähren noch nicht in Betrieb, da die Oder noch Eis hatte, allerdings war das schon verschiedentlich gebrochen, also wateten wir hinüber. Bis an die Knie naß hofften wir uns im nächsten Dorf nun endlich sicher, aber warum war dort alles so aufgeregt? Da sagte es uns ein Soldat, russische Spitzen waren bei Küstrin und Frankfurt ebenfalls über die Oder gegangen, also waren wir dem Kessel immer noch nicht entkommen. Meine beiden Soldaten schauten mich mitleidig an, denn es war bereits stockfinstere Nacht, und ich hatte meinen Füßen an diesem Tage etwas Ungewohntes zugemutet. Aber ich sagte’ von mir aus können wir jetzt die ganze Nacht hindurch weitermaschieren, dann sind wir morgen früh in Berlin'. Also weiter ... im Norden, Osten, Süden brannten ringsum verschiedene Dörfer, aber vor uns im Westen bliebs ruhig. 2 Dörfer haben wir noch hinter uns gebracht, dann begann es ziemlich zu gießen, so daß auch der der letzte Rest unserer Kleidung noch naß wurde. So suchten wir Quartier. Meine beiden Begleiter meinten so wie so, das Laufen im Dunkeln wäre zu gefährlich. 
Freitag früh um 5 Uhr ging es weiter, teils mit, teils ohne Beschuß. Gegen 8 Uhr kamen wir in ein Dorf, wo man uns sehr freundlich empfing, man schenkte uns sogar Vollmilch frisch aus dem Stall mit herrlichen Schmalzstullen. Dieses Dorf war in der Nacht auch beschossen worden, das sahen wir am Straßengraben. Dort standen volle Wagen, Schlitten, einzelne Gepäckstücke, die wohl auch irgendwelchen Flüchtlingen hinderlich waren. Dort bereicherten wir uns ruhig mit 2 Decken, 2 Zahnbürsten, 1 Rasierapparat, 1 Glas Kirschen und 1 Glas Hühnerfleisch, und weiter ... Gegen 10 Uhr überholte uns der Treck aus Gnesen, er war bereits 14 Tage unterwegs. Auf einen enormen Wagen kletterten wir hinauf und freuten uns nun unserer Rettung, sofern keine Tiefflieger in Sicht waren. Die Sonne erschien, es hätte eine herrliche Fahrt im Vorfrühling sein können, wäre es nicht eine Flucht gewesen. Auch die unmittelbare Nähe Berlins, die endlich einsetzende Stille vor dem Feind und die Aussicht auf das mittägliche. Hühnerfleisch hoben unsere Stimmung. So gelangten wir verhältnismäßig glücklich am 2.2.abends (einem Freitag) nach Berlin-Lichterfelde-Ost wo wir gleich den Sonntag begrüßten.
Ursula Andrews 
(Kriegsende und Nachkriegsjahre, 1945 – 1948) 
3. Juni 1948 (aus Gästebuch II) 
Nach mehr als dreijähriger Verlagerung ist das liebe Buch (Gästebuch II) nun zurückgekommen. Viel hat sich in der Zwischenzeit ereignet, viel ist verloren gegangen und jetzt, wo das Leben langsam wieder in ruhigeren Bahnen verläuft, wundert man sich, daß alle diese Zwischenfälle ohne ernstlichen Schaden überstanden worden sind. 
Unser Betrieb ist bei den Kämpfen in Berlin vernichtet worden; das Vorderhaus, das bis zum 21.4.45 noch stand, ist nur noch eine Ruine und bis auf den Keller ausgebrannt. Wir erfuhren diese Tatsache am 6. Mai 1945, 50 Jahre hat der Verlag das Haus bewohnt und in ihm seinen Aufschwung erlebt. 
Da die Möglichkeit neu zu verlegen von dem Erhalt einer Genehmigung durch die Besatzungsmächte abhängt, haben wir uns vorgenommen, vorläufig das Sortimentsgeschäft wieder in Gang zu bringen. Nacheinander wurden drei Läden aufgemacht in Lichterfelde West, Drakestraße 31a und als Gemeinschaften in Lichterfelde-Ost, Lankwitzerstr. 20, mit dem Zigarrenhändler Schwarz und in Schöneberg, Hauptstraße 17, mit dem Einpreisgeschäft Schmidt. Die Leitung haben Wolfgang, Herr Gaebler und Herr Barthel, der nach seiner Verfolgung durch die Russen von Herrn Adler abgelöst wurde. 
Um die Verlagslizenz haben wir uns im Sommer 1945 nach Einzug der Amerikaner bemüht, aber bis heute keinen Erfolg gehabt. Im Januar 1946 wurde die Firma von der Militärregierung auf Grund der Verordnung 52 beschlagnahmt, weil Herr Steiner Parteigenosse war. Ich wurde von dem Treuhänder Henry Kemper als vorläufiger Geschäftsführer eingesetzt, aber Ende April 1946 abberufen ohne Angabe von Gründen. Durch das Volksbildungsamt Steglitz wurde uns eröffnet, daß auf Befehl der Amerikaner weder Herr Steiner noch ich in der Firma arbeiten dürften. Der Treuhänder setzte als neuen Geschäfsführer Herrn Dr. Weiglin ein, den langjährigen Herausgeber des Velhagen und Klasings Monatsheftes. So übel die Beschlagnahme für uns war, so wurde sie doch erheblich gemildert durch die vornehme Art, in der Dr. Weiglin sein Amt handhabte und nach und nach wurden auch Erleichterungen gewährt. So wurde uns bald die Möglichkeit, in der Firma zu arbeiten, zurückgegeben. 
Immerhin dauerte die Beschlagnahme bis zum Mai 1948, also fast2 ½ Jahre, sie wurde aufgegeben, nachdem die Entnazifizierung von Herrn Steiner von den Amerikanern bestätigt worden war. 
Was sich im übrigen in der Zwischenzeit bei uns ereignete erzählen die folgenden Blätter: 
6.-8.4.1945
Erhard Stamm auf der Durchreise von Kurland nach Potsdam drei Tage bei uns. 
9.4.45
Hilde tritt eine neue Stellung an im Krankenhaus Herzberge in Berlin-Lichtenberg in der Inneren Abteilung. 
6.4.45 Ursel nimmt Bosko mit nach Zossen, da er hier bei uns nicht mehr satt wird. In Rahnsdorf werden Lebensmittelgeschäfte geplündert. 
21.4.45 Ursel flieht aus Zossen vor den Russen, Abfahrt am 20. um 14 Uhr, Ankunft bei uns um 6 ½ Uhr. – Auf der Stadtbahn Verkehrsstufe III, daher im Betrieb fast niemand anwesend. Mittags fallen die ersten russischen Granaten ins Stadtgebiet, der Kampf um Berlin hat begonnen, starke Artillerietätigkeit im Süden und im Osten. Hilde kam mit dem Fahrrad aus Herzberge in letzter Minute zurück. 
22.4.45 Die Russen sind in Zossen, Jüterbog, Dahlewitz und Teltow, sie stehen vor Lichterfelde-Süd. Wir werden von den ersten russischen Tieffliegern besucht. Unsere Flak feuert auf feindliche Panzeransammlungen. Den ganzen Tag über lebhaftes Geschieße. Herr Stamm, der von Potsdam-Nedlitz mit einer Ersatz-Abteilung nach Nikolassee versetzt ist, besucht uns. 
23.4.45 Die Nacht, die wir im Keller verbrachten, war sehr unruhig, in unserer Nähe stehende Flakgeschütze feuerten ohne Unterbrechung. Um 4 Uhr hörte ich im Westen Panzerwagen rollen, es handelte sich um eine Verstärkung für unsere Front. Die Russen scheinen heute gegen Lichterfelde-Ost nicht weiter vorangekommen zu sein. Den ganzen Tag über sehr starkes Flakschießen von unserer Seite. 
24.4.45 Die Nacht zum 24. war verhältnismäßig ruhig, nur gelegentlich war das laute Bellen der großen Flak zu hören. Am Morgen begann eine sehr lebhafte Artillerie- und Fliegertätigkeit, eine Granate von mittlerem Kaliber ging links von unserem Hause auf der Straße nieder, 3 Scheiben bei uns zerbrochen. Am Nachmittag lebhafte feindliche Fliegertätigkeit. Man erwartet das Erscheinen russischer Panzer, in den Läden werden die letzten Vorrät markenlos verkauft. Die Wasserversorgung fällt am Nachmittag aus. 
25.4.45 Die Nacht zum vierten Belagerungstag verlief verhältnismäßig ruhig, nur um 3 Uhr wurden wir durch starkes Schießen im Keller geweckt. Am Vormittag war noch ziemlich lebhafte Artillerietätigkeit, sie flaute gegen nachmittag ab. Um 17 Uhr sah Ursel die ersten Russen am Bahndamm. Es geht das Gerücht, Lichterfelde sei aufgegeben, der Blockwalter flüchtet, die Brücken über den Kanal sollen bereits in russischer Hand sein. Kein Wasser, kein Strom. Am Nachmittag dauernd russische Flieger in niedriger Höhe auf dem Wege zur Stadt, bei uns wurde nichts abgeworfen. 
26.4.45 Vormittags wurden die Geschäfte geplündert von Russen und von Deutschen. Mittags erscheinen zwei russische Soldaten mit Karabinern. Gutmütige Leute, durchsuchen das Haus nach Waffen und ziehen wieder ab. Einen Schnaps, den ich ihnen anbot, lehnten sie ab. Hilde und Ursel hatten sich auf dem Boden versteckt.
Als wir beim Mittagessen saßen, fielen nachmittags neben Steiners Wohnung in der Ritterstraße zwei deutsche Bomben, unser ganzes Haus erzitterte und wir hatten Glasschaden. Nachmittags erschienen wieder zwei russische Soldaten mit Maschinen Pistole und Revolver, durchsuchten die unteren Zimmer und verschwanden. 
28.4.46 Nachmittags ging ich mit Hilde und Ursel Wasser holen. In der Bahnhofstraße wurde ich von einem russischen Soldaten angehalten, der – als ich nicht sofort reagierte – mit dem Kolben auf mich eindrang. Ich wurde von ihm in ein Gebäude geführt und von einem anderen Rotgardisten untersucht. Alsdann mußte ich zusammen mit etwa 8 anderen Deutschen eine im Erdgeschoß liegende Küche ausräumen, hiernach wurden wir nochmals durchsucht, den meisten wurden die Kragen, Schlipse und Hosenträger abgenommen. Wir waren inzwischen 12 Mann geworden, die wahllos von der Straße geholt wurden. Man betonte, daß wir uns auf den Boden zu setzen und auf den Kommandanten zuwarten hätten. Am Türeingang stand ein Soldat mit Karabiner, die meisten glaubten, wir seien als Geiseln festgenommen. Gegen 6 Uhr abends kam der Kommandeur und die Verhöre begannen. Inzwischen kam die Dunkelheit, ein Teppich wurde ausgerollt und je drei von uns bekamen einen Velourvorhang zum Zudecken. An Schlafen war für mich nicht zu denken, abends wurde uns ein Stück hartes Brot verabreicht. Am Morgen, bald nach 5 Uhr ging die Verhandlung weiter, als zweiter Mann kam ich an die Reihe. Man fragte mich nach Namen, Familie, Wohnung, Volkssturmzugehörigkeit usw. Ich wurde bald nach Hause entlassen und war um 6 Uhr früh wieder zu Hause. 
Erlebnisse mit Herrn und Frau Klempien
Eine kleine Kriminalgeschichte (aus Gästebuch II) 
Am 20. Oktober 1947 abends gegen 6 1/2 Uhr fiel mir beim Herablassen des Fensterladens in unserem zur ebenen Erde gelegenen Schlafzimmer auf, daß eine der Pappscheiben, die das leider noch immer fehlende Fensterglas nur notdürftig ersetzen, eine kleine runde Öffnung zeigt, so als wenn man einen Stein ins Fenster geworfen hätte. Ich legte der Sache keine Bedeutung bei und fragte erst später beiläufig meine Frau, ob auch sie dieses Loch bemerkt hätte, was sie verneine. Wir haben dann gegessen, etwas Musik gehört und an nichts Schlimmes gedacht, als gegen 9 Uhr meine Frau mich zu einem Besuch des Schlafzimmers einlud und mir zeigte, daß mein Kleiderschrank vollständig und von ihrem der größte Teil gestohlen sei. Der Einbrecher hatte die Pappe durchstoßen, von innen den Fensterflügel geöffnet, war eingestiegen und hatte meine sämtlichen Anzüge, 2 Mäntel und sonstige Kleidungsstücke sowie von meiner Frau und Hilde ein gutes Dutzend Kleider, 1 Seal-Muff mit von Ursel gestrickten wollenen Fausthandschuhen, dazu noch einen Korb bis oben gefüllt mit Flickwäsche, Strümpfen usw. gestohlen. 
Großes Entsetzen! Wir gingen gegen zehn Uhr abends noch zur Kriminalpolizei und meldeten den Einbruch. Am nächsten Morgen erscheint ein Beamter, machte ein bedauerndes Gesicht und meinte, es würde sehr schwer etwas festzustellen sein, Fingerabdrücke seien nicht vorhanden, da kein Glas durchbrochen sei. Man verlangte eine Liste der gestohlenen Sachen und würde in allen Hehlernestern nachforschen und man versprach uns eine Bescheinigung für die Kartenstelle zum Erhalt von Bezugscheinen. Das war alles. 
Die Kartenstelle zeigte die kalte Schulter. Da ich noch einen Anzug besäße, käme ein zweiter bei der jetzigen Versorgungslage nicht in Betracht. Hiernach blieb mir nichts weiter übrig, als S.O.S. - Rufe auszustoßen und Hilfe zu erbitten. Wolfgang lieh mir für die erste Zeit einen seiner Anzüge, Hilde kam mit einem Kleid für Amelie, die Schwestern aus Wyk schickten, was sie nur auftreiben konnten, ebenso Anita und Henry aus England, sehr wertvolle Sachen aus guten Stoffen, selbst Gerhard, der doch alles verloren hat, erschien auf dem Plan. Allen Helfern sei auch hier nochmals herzlich gedankt. Wir waren beschämt über so viel Teilnahme. 
Die Einbruchsache ging inzwischen ihres Umfanges wegen von der Lichterfelder Polizei zum Sonderkommando nach Steglitz und nach einiger Zeit erschienen zwei Männer im Auto und erklärten uns, daß die Nachforschungen bisher ergebnislos verlaufen wären, ob wir irgend einen Verdacht hätten, was wir verneinen mußten. 
Kurz vor Weihnachten nun fuhr Ursel mit der Straßenbahn nach Hause und wurde aufmerksam auf eine Frau, die wollene gestrickte Handschuhe trug ganz ähnlich denen, die sie einmal ihrer Mutter gearbeitet hatte. Sie schob sich näher an die Betroffene heran und stellte an einem Strickfehler der linken Hand fest, daß es sich tatsächlich um die gestohlenen mütterlichen Handschuhe handelte. Darauf fing sie mit der Frau ein Gespräch an, bewunderte das interessante Muster, sagte das sie selbst Handschuhe stricke und für derartige Dinge eine besondere Vorliebe habe, ob sie ihr nicht erlauben wolle, das Muster einmal abzuzeichnen. Sie würde gerne zu ihr kommen! Die Frau reagierte sauer. Sie sei so selten zu Hause, auch nach Weihnachten nicht, da müsse sie nach dem Westen verreisen, sie habe die Handschuhe vor einem Jahr geschenkt bekommen – und sie verließ die Straßenbahn. Ursel machte sich darauf an eine andere Frau heran, die sich vorher mit der Handschuhtragenden unterhalten hatte und versuchte, von ihr die begehrte Anschrift zu bekommen. leider ohne Erfolg.
Ich meldete die Beobachtung der Kriminalpolizei, die die Hände zusammenschlug, sagte daß unter 10000 Diebstählen so etwas einmal vorkäme, daß man die Frau unbedingt von einem Schupo hätte feststellen lassen müssen und daß er mit meinen und Ursels Angaben nichts anfangen könne. Sie seien nicht ausreichend. 
Nun, ich legte der ganzen Sache wenig praktische Bedeutung bei, denn ich sagte mir, daß nach 2 Monaten von den gestohlenen Sachen sowieso nichts mehr beim Einbrecher vorhanden sein würde. Ich weinte also keine blutigen Tränen. 
Am 24.1. 1948 erhielt ich eine Vorladung zur Polizei, wo mir mitgeteilt wurde, daß sich nichts habe feststellen lassen in unserer Angelegenheit und daß man die Sache an die Staatsanwaltschaft weiterleiten würde. Mit anderen Worten, die Polizei war am Ende ihrer Kunst. 
Am Nachmittag des gleichen Tages aber, als unsere aufmerksame Tochter Ursel die Wilhelmstraße ganz in unserer Nähe entlang ging, begegnete ihr leibhaftig die gleiche Frau aus der Elektrischen und nicht nur das, sie hatte auch wieder die gestohlenen Handschuhe an. Dieser Wink des Himmels brachte alle Energien unserer Tochter in Hochspannung. Es gelang ihr, eines Schupos habhaft zu werden, dabei gleichzeitig zu verfolgen, wohin die Frau ging und sie hatte Erfolg: Die Handschuh-Frau ging ins Kino, wo der Schutzmann sie feststellte als Frau Kempien. 
Darauf hängte ich mich an den Draht und verständigte die Kriminalpolizei in unserem Vorort. Es war aber Sonnabend nachmittag nach 4 Uhr und da ist kein Beamter mehr arbeitsfreudig. Es geschah also nichts, denn als ich am Montag früh beim Sonderkommando die nochmalige Begegnung meldete, wußte man da noch von nichts. Als ich aber den Namen der Frau nannte, kam Leben in die Bude und der Beamte sagte mir, daß der Mann dieser Frau, ein Krüppel mit einem Arm, den Einbruch bei uns verübt hätte. Er würde sogleich das weitere veranlassen und ich würde von ihm hören. Auch jetzt legte ich der Sache keine Bedeutung bei in dem Bewußtsein, daß wenn wirklich noch etwas von unseren Sachen in der Diebswohnung gewesen sein sollten, die durch die polizeiliche Feststellung zum zweiten Male gewarnte Frau auch das letzte ‘sichergestellt‘ haben würde. 
Nachmittags empfing mich meine Frau mit der Ankündigung, daß die Kriminalpolizei gleich kommen würde, um mit uns zusammen Haussuchung bei der Frau Krempien vorzunehmen. Es kam aber niemand.. Dafür erfolgte ein neuer Anruf, wir möchten nach Steglitz kommen, ein Teil unserer Sachen sei beschlagnahmt. 
Amelie und ich setzten uns auf die Bahn und fanden bei der Steglitzer Polizei tatsächlich den allergrößten Teil der gestohlenen Sachen. Nun waren sie zwar nur noch zum kleinen Teil in der Klempienschen Wohnungn vorhanden gewesen, das meiste, besonders 3 meiner Anzüge hatte ein Villenbewohner in einer Straße in unserer Nachbarschaft für RM 3.000,-- gekauft. Meinen blauen Cheviot-Anzug hatte er gerade an und mußte ihn vor dem Kriminalmann ausziehen und alles wurde mitgenommen. 
Inzwischen war die Krempien zur Vernehmung erschienen und ich wurde aufgefordert, sie in Augenschein zu nehmen. Eine ziemlich harmlos aussehende Frau Mitte der Dreißig, die alles gestand, so daß anschließend eine neue Autofahrt unternommen wurde. Ich als Ehrengast auf dem vornehmsten Platz hinten, neben mir die holde Diebesfrau, vorn Fahrer und Kriminaler. Los ging’s zur Wohnung, wo bereitwillig alles gezeigt und wo noch Verschiedenes gefunden wurde. Es fehlte noch der Seal-Muff, ein Anzug von mir, und 2 Kleider. Wo ist der Muff? Die hat die Betty in der Lorenzstraße. Es öffnete eine alte bebrillte Schlummermutter halb verängstigt! Der Kriminaler ging resolut ans Werk. Wir überraschten Betty im Negligé auf ihrem Sündenkanapee beim Mittagsschlaf. Betty, wo ist der Muff? Betty sprang von ihrer Schlafgelegenheit auf, ging an den Schrank und überreichte uns den Muff völlig unversehrt. Nur hatte Betty das bisher daran befindliche grüne Fädchen der Hoffnung in ein solches von blauer Farbe umgewechselt. Aber trotzdem hielt der Muff ihr nicht die Treue, sondern wurde mitgenommen, sie selbst auf den nächsten Tag zur Vernehmung bestellt. Beim Einsteigen fragte der Kriminaler: Wie heißt denn die Betty? Unbekannt. Frau Kempien wurde nochmals hineingeschickt: N... und schon ging es weiter zum Villenbewohner in unserer Nähe. Leider war hier niemand zu Hause. 
Aber abends erschien der unglückliche Käufer bei mir, um vor seiner Vernehmung die Lage zu peilen. Er machte mir den Vorschlag, ich möchte ihm doch die Anzüge verkaufen. 
Am 29.1. 1948 erschien die Kriminalpolizei erneut bei uns, brachte noch einen Hose von mir und Hildes Tanzkleid. Jetzt fehlt nicht mehr viel, doch es wird weiter gefahndet. 
Dem Kempien’schen Ehemann hat man in letzter Zeit 16 Einbrüche nachgewiesen. Obgleich es sich um einen Einarmigen handelt, ist die Polizei überzeugt, daß er den Einbruch allein verübt hat. Das trifft auch zusammen mit der Beobachtung des nachbarlichen Heizers, der am fraglichen Abend einen Mann einen Korb oder so etwas ähnliches hinter sich über den Marienplatz hat ziehen sehen. Wären 2 Männer am Werk gewesen, so hätte fraglos jeder von ihnen einen Griff des Korbes gepackt. Die Beute war so groß, daß der Mann sie allein nicht fortschaffen konnte. Sie wurde im Gebüsch des Marienplatzes versteckt und die Frau wurde geholt, um gemeinsam den Segen nach Hause zu bringen. 
So sind die hübschen Fäuster dem Dieb zum Verhängnis geworden zusammen mit einer unerklärlichen Sicherheit der Frau. Denn wie man nach dem Vorgang in der Straßenbahn sich am Tatort nochmals mit den Handschuhen auf der Straße zeigen kann, ist mir nicht verständlich. 
Jetzt wandert alles in die ‘Chemische Wäsche‘, hoffentlich gibt es da nicht ein neues Malheur. Die tüchtige Ursel, die Heldin des Tages, muß den Verdienstorden der wollenen Faust bekommen.
Erich 
Am 30. Juni 1948 fand die Verhandlung gegen Klempien statt, zu der ich als Zeuge geladen war. K., ein kleiner untersetzter, einsamer Mann, versuchte den Eindruck eines reuigen Angeklagten zu machen. Sein Verteidiger bat seiner Kriegsverletzung wegen um mildernde Umstände und weil er von sich aus ‘um einmal reinen Tisch zu machen‘ diesen Einbruch eingestanden habe, wodurch der Polizei die Wiederherbeischaffung der gestohlenen Sachen ermöglicht worden sei. 
Von Ursels Findigkeit hatte weder der Staatsanwalt noch der Richter Kenntnis. Anscheinend hat die Polizei davon nichts in die Akten gebracht und das Gericht hat sich bei der Zeugenvernehmung nicht die Zeit genommen, die Sache so zu ergründen, wie man es erwarten müßte. – Alles ist heute überlastet, mein Eindruck von dem Gerichtsverfahren war kein günstiger. 
Das Urteil lautete auf 1 Jahr Gefängnis für Klempien und für seine Frau auf 1 Monat.
Erich   
(Großvaters letzte Jahre, 1948 - 1957) 
17. Oktober 1948
Heute früh war die Taufe von Gabriele, an Peters achtem Geburtstage, am selben Tage, an dem vor sechs Jahren Marianne getauft wurde. Mittags waren wir bei Wolfgangs. 
Alle meine Jugendzeiten
bin ich Lüsten nachgegangen;
um danach voll Düsterheit
Leid und Schmerzen nachzuhangen: 
Schmerz und Lüste sind mir nun
ganz verschwistert und durchdrungen,
Ob sie wohl, ob wehe tun,
beides ist in uns verschlungen. 
Ob mich Gott durch Höllenschrei
ob durch Sonnenhimmel führe,
beides gilt mir einerlei,
wenn ich seine Hand nur spüre.
(Hermann Hesse) 
Am 3.3.49 wurde mir die Lizenz für den Palmenverlag ausgehändigt, am 10. haben wir mit Wolfgang und seiner Hilde etwas gefeiert. 
Zweierlei Gnaden
Im Atemholen sind zweierlei Gnaden!
Die Luft einziehn sich ihrer entladen;
jenes bedrängt, dieses erfrischt;
so wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott wenn er Dich preßt
und danke ihm, wenn er Dich wieder entläßt. 
Am 8. September 1949, unserem 40. Hochzeitstag, haben uns unsere vier Kinder mit einem schönen Fest überrascht. Wolfgangs hatten ihre Wohnung zur Verfügung gestellt und Hilde sorgte in bester Weise für unser leibliches Wohl. In seiner Ansprache rezitierte Wolfgang den vorstehenden Goethe Vers von den beiden Gnaden. Uns alten stiegen die Ereignisse der vergangenen 40 Jahre von neuem vor Augen und wir haben Grund Gott zu danken, daß er uns die Zeit hindurch beschützt hat. Zwei Weltkriege haben wir leidlich überstanden und unsere vier geliebten Kinder, Schwiegerkinder und Enkel sind uns erhalten geblieben. Ich mußte immer denken an das, was der alte Pastor Brachmann einst geschrieben hat:

Klänge aus alten Zeiten
Klingen mir heute durchs Herz
Klänge von alten Freuden
Klänge von altem Leid
Und durch der Zeiten Töne
Klang leis die Ewigkeit
Die Ewigkeit, die schöne,
Da schwindet alles Leid. 
Als letzte Überraschung kam eine nächtliche Autofahrt von Charlottenburg nach Lichterfelde, ein für diese Zeit seltenes Vergnügen. 
30. März 1949
Gabrieles erster Besuch in Lichterfelde
Hildegard Andrews, Wolfgang Andrews, Hilde, Peter, Marianne Ursula, Irene v. Varchmin, Großmutter Amelie, Ursula Andrews, Erich  
1.-4.1950 
Reise nach Nesselwang im Allgäu zu Paul Eipper (Autor des Dietrich Reimer Verlages). Ich hatte acht Kontrollen zu bestehen, 4 auf russischer Seite bei Probstzella, 4 bei den Bayern. Sowohl auf der Hin- wie auf der Rückfahrt. Die Stempel und Notizen auf dem Interzonenpaß sind Beweis, wie ein Deutscher fünf Jahre nach Kriegsende in Deutschland reist. 
Das großelterliche Haus bot vielen Verwandten, die nach dem Krieg und der Trennung von Ost- und Westdeutschland aus dem Osten in den Westen flüchteten, eine Heimat, bis sie in den Westen ausgeflogen werden konnten.
Hermine Pfisterer, April 1949,
Maria Kabis September – November 1950
Meinhild Poltrock, Juli 1952,
Friedrich Wagner-Poltrock, 4. 10. 1952
Anneliese Wagner-Poltrock mit Tochter Gudula und Enkel, 1.11.1952 – 10.1.1953 
In früheren Jahren, vor dem Krieg, wohnten Helge und Brigitte während ihrer Ausbildung längere Zeit bei den Großeltern. Dorothea Schachschneider war zu Ursels Geburt (1924) Haustochter, Ulla Poltrock (verh. Werner, Marienwerder) war im Jahre 1935 für ein halbes Jahr Haustochter.


 

 

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