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Stichwortverzeichnis 
nur interessant für Angehörige meiner Familie
und weitere Verwandtschaft

 

Rittergut Reddestow im Kreis Lauenburg / Pommern

Aufzeichnungen zur Geschichte der pommerschen Familie

Poltrock

von Friedrich Wagner, Chemnitz, Schloßteichstraße

 

Die Eintragungen des Kirchenbuchs von Charbrow wiesen um 1680 auf verschiedene Namensträger Poltrock hin und auf ihre Abstammung aus Schönehr, wo sie ein "Freigut" besessen haben sollen. Übrigens hat der Name dort einige Wandlungen durchgemacht oder haben die Pfarrer, welche die Eintragungen machten, da schriftliche Unterlagen über die Namensschreibung nicht vorlagen, die Namen nach dem Klang und der jeweiligen Aussprache niedergeschrieben. Sie heißen dort: Polturak, und Poltorok. Die Geburtseintragung von Friedrich August von 1818 zeigt die Schreibweise Poltorock.

Der älteste erforschte Ahn - um 1700 in Schönehr, Kreis Lauenburg geboren, ist Michael Poltrock, der in Schönehr bei Leba außer der Landwirtschaft das Schneiderhandwerk betrieb. Seine Frau ist nicht bekannt. Um 1735 wurde ihnen in Schönehr der Sohn Friedrich Poltrock geboren, der in Landechow, Kreis Lauenburg,

ein Mühlengut erwarb und dort die in Landechow am 29.01.1717 getaufte Dorothea Greenke heiratete. Sie war die Tochter von dem Bauern Peter Greenke aus Landechow und seiner Frau Eva, geb. Koster. Die Hochzeit zwischen Friedrich Poltrock und Dorothea Greenke fand in Landechow am 08. 11. 1764 statt. 

Beider Sohn Ludwig Poltrock wurde 4 Jahre später in Landecho, Kirchspiel Groß Jannewitz, am 11. 08. 1768 geboren. Er war ein vorzüglicher Landwirt und wurde bald in Charbrow auf den Gütern der Familie von Somnitz ansässig, die ihm die nahe dem Lebasee gelegenen Güter Carlshof, Speck und Babidoll in "Erbpacht" übergab*

Er heiratete am 02.12.1804 in Leba die 18 Jahre jüngere Constanzia Foß, die als Tochter des Freigutsbesitzers und Arrendator der Pfarrgutes zu Bresin Joh. Foß und Catharina Adrian am 12.10. 1787 in Bresin geboren wurde und am 09.01.1876 im 90. Lebensjahr in Reddestow starb.

*) so führte als "Güterdirektor" den Titel Arrendator.

 

Die ersten 3 Jahre ihrer Ehe waren dadurch getrübt, daß alle Kinder jung starben. Sie hatten fast die Hoffnung aufgegeben, als ihnen im Jahr 1818 am 24. 05. ein Sohn Friedrich August geboren wurde, der ebenso wie die beiden anderen folgenden Kinder, Johann Poltrock, und Dorothea Poltrock, später vermählt mit dem Rittergutsbesitzer Ziemann auf Zinzelitz, leben blieben und erwachsen wurden. 

Von seiner tüchtigen Frau, der "Staanzke", wird er eine Mitgift erhalten haben. Durch Tüchtigkeit und Sparsamkeit erwarb er sich soviel Mittel, daß er am 25.01. 1838, in seinem 70. Lebensjahre, das früher von Thaddensche Rittergut Reddestow im Kreise Lauenburg, 2500 Morgen groß, kaufen konnte, das er noch bis zum 24.10. 1844 selbst bewirtschaftete, dann seinem Sohn Friedrich August käuflich überließ. 

Johann Poltrocks Sohn Fritz wurde Privatsekretär von Frau von Siemans in Biesdorf bei Berlin. Als solcher verkehrte er ab und zu bei Vinzentine Poltrock in der Kurzen Straße und schien besonders mit Berthold Poltrock zu sympathisieren. Ich lernte ihn dort auch an Kaisers Geburtstag 1903 oder 4 kennen. Er war unverheiratet. 

Das Rittergut Reddestow im Kreise Lauenburg, Pommern hatte um 1650 Nikolaus von Goddentow auf Goddentow und Reddestow und seiner Ehefrau Dorothea von Canton gehört. Beider Tochter Katharina Elisabeth v. Goddentow, Erbin von Reddestow, * 1665, † Reddestow 03.01.1744, heiratete

Stefan Ludwig von Thadden, Herr auf Reddestow mit Vorwerk Grünhof und Mitteltowitz * KI. Bristpol 1651, † Lauenburg 25.05.1706

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Franz Ludwig v. Thadden  1693- 1779,
                                       heiratete in 1. Ehe Elisabeth v. Lübtow,  † nach 3 Monaten
                                       in 2. Ehe 1724 Elisabeth v. Zitzewitz aus dem Hause Dumroese * Goddentow 1702, † Reddestow 26.5.1750                        
                                       (in 3. Ehe Ernestine v. Kleist) † Reddestow 1783

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Ernst Diedrich v. Thadden, * Reddestow 1746, † Berlin 1799, auf Reddestow
                                           mit seinen Brüder Johann Leopold und Christian Ludwig
                                           oo Caroline Gräfin v. Wartensleben aus dem Hause Sch...gast,  1772 -1849        

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Adolf v. Thadden erwirbt durch Heirat mit Henriette v. Oertzen :      Trieglaff

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Urgroßvater des Kirchentagspräsidenten Dr. Reinhold v. Thadden-Trieglaff, der sich mir gegenüber noch sehr anhänglich an Reddestow äußerte.

Nach den Thaddens geht Reddestow über an die Familie v. Weyher - die es heruntergewirtschaftet - 1839 an Ludwig Poltrock verkaufen.

 

Die Familie Raasch  

stammt aus der Gegend von Neustettin und zwar aus dem Dorf Groß=Küdde, wo wahrscheinlich auch George Christof Rasch im Jahre 1754 geboren ist. Er kaufte später das Mühlengut Krampkewitz im Kreise Lauenburg, das zwei Geschlechterfolgen im Besitz der Familie blieb. In dem Nachbarort seines Heimatortes, in Hasenfier, Kreis Neustettin, lernte er die Tochter des Pastors Ägidius Rhensius , Marie Eleonore Rhensius kennen, die er 1756,  22 jährig heiratete und mit ihr nach der einsam in Wäldern gelegenen Mühle Krampkewitz zog. Anscheinend hat er in seinem 53. Lebensjahre einen Unfall in seiner Mühle erlitten, der seinen Tod am 8.11.1807 zur Folge hatte. 

Sein Sohn Johann Christlieb Raasch übernahm 30.jährig das Mühlengut Krampkewitz, auf dem er am 20.12.1777 geboren worden. Er ließ erst die Napoleonischen Kriege vorübergehen und heiratete dann 9 Jahre später die Tochter des Landwirts und Krügers Ewald Höftmann und der Charlotte Luise Cramer aus Dumroese bei Stolp, Florentine Höftmann, die zu Dumroese am17. 11.1722 geboren war. Es heißt, daß sie nach der Geburt ihrer einzigen Tochter Caroline kränkelte. Sie starb 12 Jahre vor ihrem Mann am 23.01.1848 in Reddestow. Inzwischen hatte ihr Mann die ihm gehörige "Erbpacht-Mahl-und Walkmühle" Krampkewitz am 06.09.1841 an seinen Vetter (?) Wilhelm Lemcke verkauft. Johann Christlieb starb ebenfalls in Reddestow bei seiner Tochter 83 Jahre alt am 16.10.1860. Es wird erzählt, daß er sich auf dem Rittergut Reddestow gern mit Basteleien und Ausbesserungen aller Art nützlich machte. Er war in allem Handwerklichen bewandert und praktisch veranlagt. 

Aus der frühen Kindheit der Caroline Raasch wird erzählt, daß sie im Obergeschoß der Wassermühle in einer Kammer neben ihrer Großmutter, der Pastorstocher Marie Eleonore Rhensius -Raasch, schlief und von dieser in tiefer Frömmigkeit erogen wurde. Eines Nachts wachte sie davon auf, daß das Rumpeln und Stoßen des Mahlganges aufhörte und nur das Plätschern des Mühlgrabens zu hören war. Sie richtete sich in ihrem Bett auf und blickte in die Stube der Großmutter hinüber, die von hellem Mondlicht erleuchte war. Da sah sie, daß die Großmutter in iher Nachthaube aufrecht im Bett saß, und die Hände gefaltet laut vor sich hinsprach. Caroline konnte deutlich die Zwiesprache der lieben Alten mit ihrem Gott hören:

" Wenn ich viel gefehlt habe in meinem Leben, rechne es mir nicht an, lieber Gott. Vergib mir meine Sünden um Deines lieben Sohnes willen und nimm mich, wenn mein Stündlein kommt, in Deinen Himmel auf."  

Dieses nächtliche Gebet in der Giebelstube der Krampkewitzer Mühle hat auf Caroline einen tiefen Eindruck gemacht und wohl den Grund gelegt zu ihrem Innenleben, das in starkem Gottvertrauen verankert ihr Halt blieb in allen schweren und trüben Stunden. ~ Die Großmutter Marie Eleonore starb 1822, am 12. 07., als Caroline fünf Jahre alt war .

 

Die Familie Rhensius

soll ursprünglich aus dem Hannöverschen stammen (oder aus dem Rheinland aus dem Ort Rhense?). Der Name dürfte auf eine Latinisierung in der Reformationszeit zurückzuführen sein. Der älteste Ahn ist um 1630 geboren und um 1670 Pfarrer in Neuwedell in der Neumark gewesen. Sein Sohn Johann Friedrich Rhensius, der 1672 in Neuwedell geboren wird, erhielt die Pfarre in Hasenfier bei Neustettin, die bis 1695 sein Schwiegervater Pastor Gottfried Hasse innegehabt hatte. am 07.01.1696 in sein Pfarramt eingeführt, nahm er Marie Christiane Hasse zur Frau, die 1675 in Hasenfier geboren wurde und dort am 12.7.1745 starb. 

Er scheint ein beliebter und geistig sehr begabter Mann gewesen zu sein. Von ihm stammt aus dem Jahre 1693 ein Trost- und Trauergedicht zum Tode des Berliner Leibmedikus Dr. Weizel[?], der in L üben 1605 geboren, in Berlin 1693 starb. (Das Gedicht ist in der Fürstlich Stollbergischen Leichenpredigtsammlung enthalten.) Während seiner ganzen Amtstätigkeit als Pfarrer von Hasenfier übergaben die um wohnenden Edelleute, die Podewils und Osten, ihm ihre Söhne zur Erziehung. Sein Pfarrhaus mag wohl in alter Holz-und Fachwerkbauweise aufgeführt sein, jedenfalls hatte er das Unglück, daß ihm dreimal Haus und Hof und alle seine Habe durch Feuer zerstört wurde. 1732 freute er sich, einen seiner Söhne, Ägidius Christof, zum Substituten annehmen zu können, worauf er sich zur Ruhe begab und am 14.04.1744 im 72. Lebensjahre heimging. Er hatte noch die Freude zu erleben, daß sein Sohn Bogislaw Matthias Rhensius Bürgermeister von Greifenberg wurde. 1752 ernannte man diesen dann zum Landrat von Greifenberg, als welcher er 1791 starb. 

Ägidius Christoph Rhensius, der das Gymnasium zu Neustettin besucht hatte, (* ...Aug. 1706 in Hasenfier, †' daselbst 26.09.1773) wurde Invocavit 1736 von Sup. Bollhagen und Praepositus Hofmann als Pfarrer von Hasenfier eingeführt. (Sein Sohn Johann Christoph Rhensius 1747- 1823, wurde wie sein Vater, Großvater, Urgroß- und Ururgroßvater Pastor von Hasenfier und heiratete die Pastorstochter Anna Tugendreich Kraudtwakel aus Hütten.) Ägidius Christoph Rhensius scheint übrigens auch für die Landwirtschaft Interesse gehabt zu haben. Er kaufte 1739 die Hälfte des Ritterguts Barkenbrügge, das noch 1756 im Besitz der Familie war. Die andere Hälfte besaß Johann Georg von Bandemer.

Ägidius war zweimal verheiratet: am 20.1.1739 heiratete er Anna Dorothea Lemcke, * in Jastrow 1720, † 1762, die Tochter des berühmten Arztes und polnischen Hofrats Dr. med. Lemcke. Es ist anzunehmen, daß diese wirtschaftlich glückliche Eheschließung ihm ermöglichte, das halbe Gut Barkenbrügge zu kaufen. In zweiter Ehe heiratete er 1764 die Witwe des Pastors Johann Trenckner aus Strelowhagen, Rebekka Elisabeth Hege. Die Tochter aus erster Ehe Marie Eleonore Rhensius, die nach dem Todes des Vaters und der Übernahme der Pfarre durch ihren Bruder entwurzelt war, heiratete dann 1776 den Mühlengutsbesitzer George Christoph Raasch auf Krampkewitz. 

Ich habe 1926, als ich für den Grafen Rüdiger v. d. Osten im Walde von Krampkewitz ein Jagdschlößchen baute, die Mühle von Krampkewitz aufgesucht. Sie lag von dem Dorf eine gute halbe Stunde Sandwegs entfernt,  idyllisch und verschlafen am Mühlteich, der zur Hälfte von ansteigendem Wald umgeben war. Im Mühlgraben plätscherte wie 200 Jahre vorher das Wasser über das Mühlrad. Ich erinnerte mich, daß dies der Teich war in dem die Ureltern 1807, als die Franzosen das Land plündernd durchzogen, ihr Silberzeug in einen Kasten taten und diesen mitten im Teich versenkten. Erst als die Napoleonkriege vorüber waren, ließen sie den Teich ab und holten das Silber wieder heraus. Die französischen Soldaten aber, wütend daß sie nichts wertvolles erbeuten konnten, zerrten die sämtlichen Betten aus der Mühle, schlitzten sie mit ihren Säbeln auf und ließen die Federn fliegen. So wird es überliefert, So hat es Caroline ihren Kindern erzählt. -

 

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