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Stichwortverzeichnis 
nur interessant für Angehörige meiner Familie
und weitere Verwandtschaft

Geschichte
der pommerschen Familie
Poltrock

Die Familie Poltrock stammt aus dem Teile Pommerns, in dem der uralisch – baltische Höhenzug mit viel Sand, Föhren und  nicht sehr fruchtbarem Ackerland der Ostsee zustrebt.  Es ist ein Küstengebiet, das gegen das Meer zu eine schöne, bewegte Umrißlinie mit viel waldbestandenen Erhebungen stellt, im Inneren zwischen weiten, geschwungenen, mageren Weideflächen geduckte, weißgetünchte Hütten zeigt, mit Stroh oder roten Pfannen gedeckt, von kleinen Blumen- und Obstgärten geschmückt. Hie und da rinnt ein Bach, oder kleiner Fluß dem Meer zu und weite Binnenseen, von Fischen wimmelnd, von allerlei Wassergeflügel bevölkert, schneiden mit Blauem Spiegel in die Kiefernwälder. Da das Land hoch liegt, streicht der Seewind frisch und herbe über die Hügel, die Winterkälte ist groß und der leicht ausdörrende Sandboden läßt die Sommer oft heiß und trocken erscheinen.  

Die Küste, arm an größeren Ausbuchtungen, hat keine wesentlichen Häfen. Größere Flüsse oder Ströme sind nicht vorhanden, auch der Haupteisenbahn – Verkehr vom Reichsmittelpunkt nach dem Osten ließ bisher diesen Landstrich links liegen. So hat das Land keine geographischen Vorteile, ist wenig bevölkert und nicht sehr ertragreich – im Ganzen ein rechtes Stiefkind des Deutschen Reiches. 

Und doch ist dieses Land von einer besonderen, stillen Schönheit, die jedem ans Herz gehen wird, der sie mit offenen Sinnen durchwandert, oder hier seine Heimat hat. Die Städte, nicht ausgedehnt, aber schlicht und ernsthaft mit würdig behäbigen Backsteinkirchen und Gebäuden, in mittelalterliche Vorzeit weisend, sammeln in großen Entfernungen die Landleute zum Markt und zu Einkäufen und vereinigen die Behörden, welche das Land behüten, verwalten und besteuern sollen. Die Güter sprechen auch dieselbe schlichte Sprache. Die Herrenhäuser, einstöckig und langgestreckt, haben in ihren weißgetünchten Mauern große Räume, klare, gleichmäßig geweißte Fenster, eine mächtige Haube von Pfannendach darüber und stehen schlicht und würdig da, von einigen alten Bäumen gerahmt und überschattet. 

Die oft hölzernen Dorfkirchlein sind von bescheidensten Formen und schlichtester Raumwirkung. So sprechen die Natur und die Dinge, welche die Menschen in sie hineinstellten, eine einheitliche Sprache der Gradheit und Einfachheit. Das aus solch kargem Land, mit dem die Bewohner dauernd ringen und rechten mußten, daß er ihnen bescheidenen Lebensunterhalt abwarf, Menschen von aufrechtem und ehrlichem Sinn, praktisch und willensstark, hervorgehen mußten, erscheint erklärlich. 

Die Bevölkerung von Hinterpommern ist in der Hauptsache wohl serbisch – wendischen Stammes. Da sie nahe an die Kaschubei grenzt, ist eine Vermischung mit deutsch-polnischen Elementen naheliegend. Die Sprache ist dort platt – deutsch; doch gibt es einige polonisierte Bezirke, in denen die polnische Sprache vorherrscht. Die Städte sind reindeutsch und protestantisch, mit nur geringer katholischer Bevölkerung. 

Der Name Poltrock deutet auf wendische Abstammung. Jedenfalls ist seine Bildung nicht deutsch. Er soll  ’anderthalb’  bedeuteten.  Sollte das ursprünglich sagen, daß ein Mann dieses Geschlechtes für ’ anderthalb’ zu gelten hätte oder für ’anderthalb’ zu schaffen verstünde ? Die Statur von Friedrich August Poltrock und sein segensreiches Wirken ließe solche Deutung zu. 

Ich hörte, daß es in Ostpreußen sogenannte ’ Poltrock-Mühlen’  gibt. Ob diese Mühlenkonstruktion von einem Poltrock erfunden ist, oder ob diese Mühlen für ’ anderthalb ’ mahlen, ist mir nicht bekannt. Im achtzehnten Jahrhundert saßen die Poltrocks als Gutspächter auf den Gütern Speck und Babidoll, welche der Familie von Somnitz auf Charbrow gehörten. Vermutlich ist dort der bisher älteste Ahn der Familie Poltrock : Ludwig Poltrock, um 1780 geboren. Wer seine Ahnen waren, ist nicht überliefert und bisher nicht erforscht worden. Anzunehmen ist, daß sie in dortiger Gegend ansässige Bauern waren. Zwischen 1800 und 1840 muß Ludwig Poltrock die Somnitzschen Güter Speck und Babidoll gepachtet haben.  

Zu Anfang der 40iger Jahre kaufte er das Rittergut Reddestow im Kreise Lauenburg. Während er selbst auf Speck zunächst wohnen blieb, schickte er seine Söhne nach Reddestow, um dort zu wirtschaften. Ludwig Poltrock wird als ein sehr lieber und gutherziger Mann geschildert. Als er im Jahre 1846 hochbetagt starb, hatte er noch keinen einzigen Zahn verloren und ein tadelloses Gebiß. Über seinen Charakter und sein Leben ist sonst nichts bekannt.  

Verheiratet war Ludwig Poltrock mit Constantia Foß, die am 12.10.1786 in Bresin / Pommern geboren worden ist. Constantia entstammte einer tüchtigen Bauernfamilie aus Belgard ( Krs. Lauenburg ) Ihr Vater hatte einen Bauernhof und viele Kinder, sodaß das Erbe in viele Teile ging. Über ihre Eltern ist sonst nichts überliefert. Als Ludwig Poltrock auf die Freie ging, wollte er eigentlich die Schwester von Constantia haben; diese war aber bereits einem anderen versprochen und schüttelte den Kopf. Da sah sich Vater Foß im Kreise seiner Kinder um und rief: “ Na, Stanzke dann kannst Du em ja nehme!“ . Stanzke besann sich lange. Sie hat zuerst nichts von ihm wissen wollen. Als sie ihn endlich nahm, wurde die Ehe doch noch eine glückliche. Nur scheint es, als ob Constantia, von herbem, holzgeschnitztem Charakter, die Herrschaft im Hause führte. Von ihrer Jugendzeit erzählt sie, daß diese in die schlimmste Kriegszeit fiel und ihnen in der Franzosenzeit alles genommen wurde. Sie war sehr tüchtig und wirtschaftlich und glaubte deshalb, daß ihrer Tüchtigkeit alles allein zu verdanken gewesen sei, daß sie alles selbst gemacht und allen  Wohlstand selbst erspart hätte.  

Ihrer Schwiegertochter machte sie das Leben später nicht leicht. Als sie in Reddestow ihr Altenteil bezog, verlangte sie für sich allein zwei Stuben, während die jüngere Familie von Friedrich August nur  e i n e  Stube und die Küchenstube hatte. Ihr Altenteil war fest begrenzt: 6 Gänse, 4 Schafe, ½ Schwein und ein ¼ Rind mußten ihr nebst Brot, Butter und Milch jährlich geliefert werden. Sie kochte für sich selbst, solange sie es irgend konnte, wie sie überhaupt, mit Küche und Hausflur nach hinten raus, ihren ganz abgeschlossenen Haushalt hatte. Erst in späteren Jahren, als sie das in Vorrat gekochte Fleisch nicht mehr allein essen konnte und häufig verderben ließ, gab sie alles ab und sich selbst in Kost bei ihren Kindern. In manchen Punkten war sie mißgünstig und kleinlich, z.B. bei der Brotzuteilung, wobei sie der Schwiegertochter zurief: Kiek ma, Carline, dat Brot is aber beter al mins!“ 

Die Erziehung ihrer Enkelkinder war häufig nicht nach ihrem Sinn. Sie hielt es unbedingt für nötig, daß Landkinder zuerst Mistgabeln und Korn fahren lernten, für die Wissenschaften hatte sie nichts übrig. Aber wohl war ihr einiger religiöser Sinn eigen. Als sie in späteren Lebensjahren milder und nachgiebiger wurde, saß sie in ihrer großen Stube allein mit ihrer großgedruckten Familienbibel und las diese mehrere Male von Anfang bis zu Ende Wort für Wort durch. Als sie 1876 die Augen schloß, war sie fast 90 Jahre alt geworden. Es  scheint, daß ihr Alter ihr peinlich war, denn sie pflegte sich zuletzt um 2 Jahre jünger zu machen. – 

Von den Kindern des Ludwig Poltrock und der Constantia Foß sind 3 groß geworden und haben wieder Familien gegründet:

1) Friedrich August Poltrock geb. 1818, vermählt mit Caroline Raasch, Besitzer von Reddestow,
2) Johann Poltrock, Gasthofbesitzer, vermählt mit Witwe Grund, in zweiter Ehe mit der “ schwarzen Tante “,
3) Dorothea Poltrock, vermählt mit Rittergutsbesitzer Ziemann auf Zinzelitz. 

Friedrich August wurde zu Carlshof bei Charbrow am 24. Mai 1818 als ältester Sohn seiner Eltern geboren. Die Erziehung war schlicht und einfach, er hat wohl die dortige Dorfschule besucht. Damit er sich in städtischem Umgang und in Schreiben, Verwaltungsdienst und Ausdrucksweise etwas aneignen sollte, wurde er von seinen Eltern auf ein Jahr an das Amtsgericht in Lauenburg geschickt. Da er von Hause aus ein kluger Kopf war und wohl viel von der wirtschaftlichen Tüchtigkeit und Kernigkeit seiner Mutter mitbekommen hatte, mag ihm dieses Jahr einiges genützt haben. 

Wichtiger für seine geistige und menschliche Entwicklung war, daß er, um seinen Vaterlandspflichten zu genügen, mit 20 Jahren (?) nach Berlin ging und dort, hochgewachsen und stämmig wie er war, in das II. Garderegiment eintrat. Er wurde dort wegen seiner Leibeslänge und soldatischer Tüchtigkeit bald Flügelmann.  Prinz Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm I. ließ ihm einst in sein Palais nach Potsdam kommen, um Handgriffe und Kommandos mit einem neuen Gewehr auszuproben. Der Prinz stellte seinen Flügelmann mitten in einen großen Saal und rief selbst die Kommandos. Alles klappte vorzüglich. Plötzlich erschallte das Kommando: “Gewehr über !“  -  Friedrich August machte mit strammen Schwung die Handgriffe, und sausend flog das Gewehr in den über ihm hängenden Kristallkronleuchter, daß die Prismen nur so flogen. Dreißig Jahre später, als Friedrich August pommerscher Landtagsabgeordneter war und als solcher dem damaligen König Wilhelm vorgestellt wurde, erinnerte er den König an diese Übung. Der König lachte, sah sich erstaunt seinen früheren Gardeflügelmann an, der erheblich in die Breite gegangen war, und erwiderte:  “Ei, ei!  Wo ist aber die Taille geblieben ?“ . 

Als Friedrich August in Berlin seine Soldatenzeit verbrachte, lernte er dort die eben erst sich bildende lutherische Kirche kennen. Da er von der Wahrheit der Lehre Luthers überzeugt war und einsah, daß die von Friedrich Wilhelm III. künstlich eingeführte Union keine Bereicherung, sondern eine Verwässerung des evangelischen Christentums bedeute, hielt er sich mit ganzem Herzen zu den damals verspotteten und verfolgten Lutheranern.  Für sein ganzes Leben ist diese Wendung von Einfluß und Bedeutung und für ihn und sein Haus von allergrößtem Segen gewesen. Das Luthertum gab, wie überall in den kleinen Kreisen, die es mit ihrer gewissenhaften Absonderung und kirchlichen Sauberhaltung ernst nahmen, der ganzen Familie nicht nur Halt und Richtung, Lebensziel und Vertiefung, sondern trug auch namentlich zur Kultivierung und geistigen Bildung des Hauses Reddestow bei. Zu seinen nächsten Freunden in Berlin gehörte übrigens auch ein junger Künstler, der Maler Loeillot de Mars, der einer Hugenottenfamilie  entstammte und sich zur lutherische Kirche hielt. (Ein Neffe von Loeillot de Mars ist mit Ernst Elmering, Heta Poltrocks Mann, freundschaftlich bekannt gewesen ) 

Die lutherische Kirche zu Berlin hatte auf Friedrich August einen starken Eindruck gemacht, daß er, als er nach der militärischen Dienstzeit nach Hause zurückkehrte, beschloß, in seiner Heimat eine lutherische Gemeinde zu sammeln. Sein Vater hatte inzwischen das Rittergut Reddestow gekauft, welches er seinen Söhnen zur Bewirtschaftung überlies.  

Als Friedrich August 25 Jahre alt war, sah er sich nach einer Lebensgefährtin um. Die gleichaltrige Caroline Raasch, die einzige, viel umworbene Tochter des Mühlengutsbesitzers Johann Christoph Raasch und der Florentine Dorothea Höftmann zu Krampkewitz, Kreis Lauenburg, gefiel ihm ganz besonders.  Der stattliche und schöne junge Poltrock, der gerade vom Militär kam, machte auf Caroline Eindruck, nur der Name Poltrock stieß sie ab. Namensantipathien pflegen aber selten Ehehinderungen zu sein. So geschah es auch, daß Caroline die Braut von Friedrich August wurde und daß er am 13. Nov. 1844 zu Reddestow die Ehe eingesegnet wurde von dem lutherischen Pastor Hasert. 

Friedrich August überschreibt die Eintragung seiner Ehe in der Hauschronik mit dem Psalm 128 und fügt hinzu: Am 13. Nov. 1844 haben wir unter Gottes Segen unser Hauswesen in Reddestow miteinander angefangen. Übrigens traten Friedrich Augusts Eltern ebenso wie die Eltern Raasch und  Caroline zur lutherischen Kirche über und wurden gläubige, ernste Christenmenschen. So gelang es Friedrich August allmählich, eine richtige, kleine Gemeinde zu sammeln, die regelmäßig von einem lutherischen Pastor mit Predigt und Abendmahl in der ’Kirchenstube’ zu Reddestow bedient wurden. Einzig sein Bruder Johann stand abseits und bekannte sich nicht zu den Lutherischen.  

War das Festhalten am alten Bekenntnis Luthers von größter seelischer und menschlicher  Bedeutung für das Haus Reddestow, so löste die Heirat Friedrich Augusts mit Caroline Raasch auch die wirtschaftlichen Sorgen, welche zunächst auf dem Besitz von Reddestow lasteten. Denn wiewohl Reddestow ein umfangreiches Rittergut von 2000 Morgen darstellte, war es doch von seinem Vorbesitzer her schwer heruntergewirtschaftet. Außerdem mußte Friedrich August, um es zu übernehmen, seine Geschwister auszahlen, und hierzu kam ihm der Wohlstand seiner Frau, die einzige Tochter der begüterten Familie Raasch war, zustatten. 

Caroline scheint eine sorgfältiger Erziehung genossen zu haben. Sie war ein fester und treuer Charakter, wirtschaftlich und tüchtig in Haus und Hof, aber im Vergleich zur voraufgehenden Generation großzügiger und entschieden weniger bäuerlich. Sie liebte es, auf sich und ihr Kinder zu halten, schätzte eine höhere Bildung und hatte ihre ein wenig stolze Würde.  

Sie war sparsam und freigebig, beides zur rechten Zeit. Auch ihre Kinder hat sie zu vernünftiger Sparsamkeit angehalten. Auf Erziehung der Kinder zu Frömmigkeit und Gediegenheit legte sie großen Wert, wie sie überhaupt in der Erziehung die leitende und ausschlaggebende war. Friedrich August hielt sich bei den Erziehungsfragen mehr in einem gütig-wohlwollenden Hintergrund.  Caroline war klug und klar, ja sogar so klug, ihrem Manne in allen Dingen die Ausführung zu überlassen und sich zur rechten Zeit unterzuordnen. So hatte sie wohl stillschweigend die Herrschaft im Hause inne.  

Die Ehe von Friedrich August und Caroline war entschieden gesegnet und glücklich. Friedrich August setzt der Eintragung der Geburtsdaten seiner Kinder in die Hauschronik die Psalmstelle voran: “ Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn und Leibesfrucht ist ein Geschenk “  11  Kinder wurden ihnen gegeben, von denen 9 groß geworden sind und 5 Familien gründeten. 

Mit dem ältesten Knaben Theophil ereignete sich ein schweres Unglück, als das Kind kaum etwas über 2 Jahre alt war. Es tappte durch die offene Tür in den Hof, als ob es dem Dienstmädchen nachlaufen wollte. Caroline, die eben erst von der Geburt des kleinen Arthur aufgestanden war, glaubte ihr Kind in der Obhut der Dienstboten, warf aber einen Blick aus dem Fenster, um zu sehen, wo es geblieben wäre.  Da sah sie in der Entfernung an dem kleinen Tümpel plötzlich die Großmutter Constantia entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Sie wußte sofort, daß ein schweres Unglück passiert sei und  erstarrte in eisigem Schreck. Bald darauf brachte man das tote Kind in das Haus. Es war in den Tümpel gefallen und ertrunken. Der Tod des Kindleins legte einen schweren Schatten auf die Seele von Caroline. Sie war so im tiefstem Herzen getroffen, daß sie am liebsten den eben geborenen Arthur nicht mehr nähren wollte. Aber der Arzt befahl es. Es wird angenommen, daß infolge dieser Gemütslage der Mutter der kleine Arthur nicht genügend Lebenskraft erhalten habe. Er blieb ein schwächliches Kind und war auch im späteren Leben nicht von der robusten Stämmigkeit und Gesundheit, deren sich die meisten anderen Kinder dieser Ehe zu erfreuen hatten. Vincentine, Lydia, Martha und Sidonie folgten in Abständen von 2 und 3 Jahren. Den Kindern wurde, als sie schulpflichtig geworden, eine Erzieherin gegeben. Man wählte eine Lutheranerin, aber diese war ziemlich unbegabt und benutzte die Zeit in Reddestow hauptsächlich, um sich auf ihre eigenen Examen vorzubereiten. Deshalb lernten die Kinder wenig bei ihr. Arthur und Vince wurden deshalb nach Treptow an der Rega gegeben, weil sie bei der Erzieherin mehr dummes Zeug machten als lernten. Vincentine kam zu dem lutherischen Superintendenten Morawek

( übrigens ein Jugendfreund von dem späteren Militzscher Superintendenten Ludwig Wagner ) einem lieben und gütigen Manne, in dessen Haus sie viel Freundlichkeit erfuhr. Morawek segnete später auch die Kinder ein. Arthur wohnte bei einer Frau Beutel, wo auch der spätere lutherische Kirchenrat Hinz in Pension gegeben war. Von Caroline Poltrocks weiterem Leben wird noch berichtet, daß sie einmal eine sehr schwere Erkrankung an gastrischem Fieber bekam, so daß 2 Ärzte aus Lauenburg hinzugezogen worden, der lutherische Arzt Dr. Voltolini, der später an der Universität nach Breslau ging und ein Dr. de Camp. Als die Ärzte die Kranke untersucht und ein kräftiges Mittel verschrieben hatten, verabschiedeten sie sich, indem Dr. Voltolini gütig und liebevoll sagte: “ Der liebe Gott behüte Sie“– “Und der Deibel möge Ihnen nichts tun“ fiel Dr. de Camp prompt ein. ( Eine Tochter von Voltolini war an den späteren Sanitätsrat Dr. Bensch in Berlin verheiratet. Ein Sohn von ihnen wurde lutherischer Pastor. Eine weitere Tochter von Voltolini : Marie, heiratete den Prof. Friedrich Brachmann in Bergedorf ) Übrigens soll das Heilmittel, das die Ärzte verschrieben hatten, sehr scharf gewesen sein, daß Caroline danach zeitlebens vollständig zermürbte Zähne hatte. 

Ein hervorstechender Charakterzug von Caroline Poltrock war noch, daß sie in späteren Jahren sehr gütig und voraussorgend aller ihrer Lieben, vor allem ihrer Kinder gedachte. Sie begleitete alle andauernd mit ihren Gedanken und suchte bald diesem, bald jenem eine Freude zu machen oder etwas Notwendiges zuzuwenden. Sie war gesellig und gastfrei und liebte eine heitere, anregende Unterhaltung, in der das Schicksal und Ergehen der Nachbargutshöfe zuweilen ein naheliegenden und beliebten Anlaß lieferte. In Reddestow lebten übrigens eine Zeit lang drei Familien, Friedrich August mit Frau und Kindern, seine Eltern und die Eltern seiner Frau. 

Vater Raasch

Vater Raasch scheint als er Krampkewitz verkauft hatte, sehr bescheiden und genügsam gewesen zu sein. Im Gegensatz zu Constantia, die ihr Altenteil genau festlegte und ängstlich darauf achtete, daß sie auch vom Besten  und in Allem genügend bekam, gab Vater Raasch sein ganzes Vermögen seinem Schwiegersohn in tiefem Vertrauen. Als man ihn darauf Aufmerksam machte, daß er doch einige Mittel zu seiner eigenen Verfügung übrig behalten solle, erwiderte er seinem Schwiegersohn – den er nach damaliger Sitte mit  ’Sie’  anredete - : “ Das ist nicht nötig. Solange ich lebe, werden Sie mich ja versorgen“. – Er hat es wohl auch nie bereut, seinen Kindern solch ein Vertrauen geschenkt zu haben. Bis zu seinem 1860 erfolgten Heimgang wurde treu für ihn gesorgt. ( Seine Frau Florentine starb schon 1848 ) Er lebte in Reddestow im Backhaus, hatte vorn am Fenster einen Hobeltisch und bastelte da von früh bis spät. Er war handwerklich sehr geschickt und hatte große Freude an allerlei Holzbearbeitung, machte alles notwendige Ackergerät, Spaten, Harken und dergl., half damit für Hof und Wirtschaft, wo er konnte – und schnitzte nebenbei – zum großen Vergnügen seiner Enkelkinder – für diese massive Holzschuhe, wie er überhaupt seinen Enkelkindern sehr gütig zugetan war.  

Wochentags saß er so handwerklich tätig in seinem Backhaus, das er nie verließ, weil er schwach auf den Beinen war. Nur Sonntags kam er schon früh morgens ins Gutshaus gewackelt, nahm dort am Gottesdienst teil und beschäftigte sich gern geistig. Dann saß er mit Vorliebe in seiner Sofaecke, nahm die Schulbücher seiner Enkelkinder zur Hand und studierte diese eifrig durch. Besonders Jägers Weltgeschichte fesselte ihn riesig, Er konnte den ganzen Sonntag nachmittag sich da hinein vertiefen und das Buch von Anfang bis zu Ende durchlesen.

Johann Christian Raasch wurde 83 Jahre alt. Wo er geboren ist, ist nicht bekannt. Als sein Geburtsdatum wird der 26. Dez. 1777 angegeben. Er starb am 16. Oktober 1860. Die Raaschens sollen aus dem Hannöverschen stammen. Sein Ehefrau Florentine stammt aus Dumröse in Pommern. Der Vater war dort Krüger.   

Die Kirche 

Eine große Rolle in Reddestower Leben spielten die jeweiligen lutherischen Pastoren, welche von Zeit zu Zeit dorthin kamen und im Gutshaus in der Kirchenstube die kleine Gemeinde zu einem Gottesdienst versammelten. Der gütige Pastor Morawek , der die meisten Kinder getauft hat, hatte zum Nachfolger den geistvollen und tief angelegten Pastor Heinrich Brachmann, der mit der ganzen Familie aufs Innigste befreundet wurde. Er segnete Sidonie ein und traute sie und wurde Duzfreund von den Schwiegersöhnen Martin und Ludwig Wagner. Sein tiefgründiges Wesen hatte besonders auf Sidonie einen nachhaltigen und für ihre Lebensauffassung richtunggebenden Eindruck gemacht. Daß sie eine tiefgläubige Christin geworden ist, hatte sie wohl in erster Linie nächst ihren Eltern dem Pastor Brachmann zu danken, dem sie zeitlebens große Verehrung zollte. Mit seiner ersten Frau Amalie Carstens war sie innig befreundet.  

Wenn Sonnabends der Pastor angesagt war, kam Leben in das Haus Reddestow. Es wurde überall geputzt, gefegt und gesäubert und für den Gaumen vorgesorgt. Brachmann selber, jung und vielseitig begabt, sang zur Klavierbearbeitung mit den Töchtern und Schwiegersöhnen ernste und frohe Lieder. 

Das Leben muß in dieser Zeit in Reddestow sehr lebhaft und herzlich gewesen sein und das kernig-lutherische Christentum des Hauses war frei von aller Pietisterei. Heinrich Brachmann starb als Superintendent in Berlin im Jahre 1915. 

Friedrich Augusts Charakter

Von Friedrich Augusts Charakter ist noch zu sagen, daß er ein herzlich und kräftig fühlender, gütiger Mensch war. Er war großangelegt, liebevoll und gastlich und freute sich über alle Dinge, die seinen Besitz ausmachten, vor allem über seine Pferde. Zu festlichen Gelegenheiten, um die Verlobten seiner Töchter einzuholen oder um die jungen Paare zum Standesamt Nawitz zu fahren, ließ er gern eine alte, behäbige Staatskutsche mit 4 Pferden bespannen, nicht nur, damit das Urväterfuhrwerk in den sandigen Landwegen von der Stelle kam, sondern sicher auch aus Freude an seinen stattlichen Gäulen. Ein herzhaftern Humor würzte ihm manche Tage, wenn Mißernten, Seuchen und Hagelschäden zuweilen wie trübe Wolken über dem Himmel des Hauses hingen. Der damalige Tiefstand in der Landwirtschaft machte ihm oft große Sorgen. 

Aber kamen seine großen Kinder und später die Schwiegerkinder und der für Humor empfängliche Pastor ins Haus, dann kam es oft vor, daß Vater Poltrock in ein lautes, herzliches Lachen ausbrach, das seelenbefreiend durch das Haus dröhnte. In seiner Jugend war Friedrich August seinem Bruder Johann zum Verwechseln ähnlich. Das nutze er gern zu kleinen Scherzen aus. So setzte sich Friedrich bei der Abfahrt nach dem Begräbnis Ziemanns zur ’schwarzen Tante’. Der von allen gehaßten Frau Johann Poltrocks, in den Wagen und wurde von dieser für ihren Mann gehalten. Sie fuhren so ein ganzes Stück zusammen, bis sie ihn um Geld bat. Da wurde ihm der Spaß wohl zu ernst, sodaß er mit lautem Lachen beteuerte, keines bei sich zu haben – und dabei erst erkannt wurde. 

Ein andermal traf Friedrich mit seinem Bruder Johann auf dem Bahnhof zusammen, wo dieser seine Frau erwartete. Auf Verabredung blieb Friedrich allein auf dem Bahnsteig und ließ sich ruhig von der “schwarzen Tante“ abküssen und setzte sich dann in den Wagen und fuhr allein davon. Die ’Hinterbliebene’ merkte den Betrug erst, als ihr wirklicher Mann alsbald aus seinem Versteck trat und sie lachend begrüßte.  

In der Umgegend war Friedrich Poltrock weit und breit als tüchtiger und erfahrener Landwirt geschätzt, sodaß es häufig vorkam, daß Leute von weither reisten, um seinen Rat zu erbitten. Wenn er dann gern und hilfsbereit mit seinen Gästen ratschlagte, sagte Caroline zuweilen, die ihren Mann in manchen zweifelhaften Wirtschaftslagen schwer ringen sah, zu ihrem Mann: “Für andere hast Du immer einen Rat, für Dich nicht“. Aber sie war doch stolz, daß ihr Mann solch eine hohe Achtung überall genoß. 

Seine Klugheit und Erfahrung brachten ihm auch immer den Sitz im Kreistag und später im pommerschen Landtag. Mit den Nachbarn stand er auf gutem Fuße. Unter diesen mögen ihm die lutherischen Familien Puttkamer und Below nahegestanden haben. In Stolp und Lauenburg hatte er ebenfalls viele Freunde. Die Familie Magdalinski wurde viel genannt, als zum Lauenburger Freundeskreis gehörig. 

Eine dieser Freundschaftsbeziehungen wurde für die späteren Wege der Familie schicksalsvoll. In den Häusern der benachbarten Familien von Puttkamer lebte und porträtierte damals jahrelang der aus Berlin stammende lutherische Bildnismaler Moritz Berendt, der in einer dieser Familien die junge Charlotte Elmering, die Tochter des Steuerrats und Offiziers Elmering, kennenlernte und – wiewohl er 50 Jahre alt, das junge Mädchen erst 24 alt war – bald darauf als Gattin heimführte. D.h. er durfte dies erst, als er eine Stelle als Zeichenlehrer angenommen hatte, was dem bis dahin freien Künstler schwer genug geworden sein mag. Eher erlaubte es der der strenge Vater Elmering nicht. Moritz Berendt bekam im Jahre 1855 ein Stelle als Zeichenlehrer am Gymnasium in Marienwerder an der Liebe. Seltsam, daß diese Übersiedlung eines Freundes nach Marienwerder eine Schicksalsführung auch für das Haus Poltrock werden sollte, und zwar für 2 Generationen.  

Als in Reddestow die Kinder herangewachsen waren und man daran dachte, den Töchtern einen Beruf zu geben, Vinzentine hatte mit Geist und Schwung den Lehrerinnenberuf ergriffen, war nach England und Frankreich gegangen und brachte zum ersten Male internationalen Geist in die Familie – da entschloß man sich, Martha nach Marienwerder zu schicken zu den nahe befreundeten Berendts. Sie sollte sich dort kaufmännisch ausbilden, aber sie bildete sich zur Braut aus. 

 

 

 

 

 

 

 

Martin Wagner, damals kaum 18-jährig, wurde ihr Verlobter. Damit war die erste Annäherung an das Haus Wagner gegeben. Ludwig Wagner folgte seinem jüngeren Bruder und verlobte sich mit der jüngeren Sidonie. Damit knüpften sich die ersten herzlichen Bande zwischen Reddestow und Margret Wagner folgen sollten.  

Friedrich August und Caroline hatten die Freude, vier ihrer Kinder einen eigenen Hausstand gründen zu sehen. Die Verbindung mit dem Hause Wagner in Marienwerder wurde durch die doppelten Bande eine besonders nahe und herzliche. Martin Wagner war Theologe, entschloß sich aber später aus mancherlei inneren und äußeren Gründen zum höheren Lehrfach, wurde Oberlehrer in Danzig und später in Sondershausen in Thüringen, bis er zum Leiter der höheren Mädchenschule und des Lehrerinnenseminars nach Altona berufen wurde.( Bestand das Examen Studienrat und Dr. der Theologie ) 

Ludwig Wagner übernahm die Färberei seines Vaters in Marienwerder und gründete dort mit Sidonie Poltrock eine Familie. Er starb 1927 in Marienwerder. 

Als dritter Schwiegersohn ist der Theologe Paul Seifert zu nennen, der Hauslehrer bei der benachbarten Familie von Boehn war und die schönste der Töchter des Hauses Reddestow – Lydia – heimführte. Er wandte sich auch dem Lehrfach zu und wurde Oberlehrer in Stettin, später Professor in Köslin am dortigen Gymnasium. 

Der älteste Sohn von Friedrich August und Caroline Poltrock – Arthur – studierte, als er das Gymnasium in Treptow a. d. Rega besucht hatte, am Polytechnikum in Charlottenburg Hochbau. In ihm kamen zum ersten Male bewußt künstlerische Gaben, welche in der Familie Poltrock schlummerten, zur Ausbildung. Die wertvollste Schicksalswendung für ihn war das Kennenlernen der Familie des Landrats von Oven in Duderstadt am Harz.  Arthur Poltrock war hierher als junger Regierungsbauführer verschlagen, lernte in dem vornehmen und hochkultivierten Hause von Oven die Tochter Hedwig kennen und lieben und durfte sie im Jahre 1880 heimführen.  Er siedelte nach Berlin über und wurde später kgl. Bauinspektor in Charlottenburg.  

Aus den Ehen dieser 4 Kinder sahen Friedrich August und Caroline eine fröhliche Enkelschar erblühen. Waren die Reddestower Verhältnisse, vor allem durch die Ungunst des Bodens, durch schlechte Konjunkturen in der Landwirtschaft, Seuchen und Mißernten nicht immer günstige und glückliche, gab es manche wirtschaftliche Sorgen zu überwinden, so hatten Friedrich August und Caroline doch in dem Fortblühen ihres Geschlechts, in den immer zahlreicher werdenden Enkeln eine nachhaltige Freude, welche ihnen den Lebensabend vielfach bereicherte und verschönte.  

Von dem, was Reddestow an landwirtschaftlichen Dingen erzeugte, bekamen alle Kinder in der Ferne etwas ab. Das Federvieh lieferte warme Betten und manchen fetten Braten – ich entsinne mich, daß einmal 12 pralle Mastgänse auf einmal in Marienwerder anlangten – Butter und Schinken, Würste und Wild wurden den Stadtfamilien zugesandt. Ja selbst Obst – die herrlichen, goldgelben Bernsteinkirschen und die roten Rieseneierpflaumen aus Reddestow waren die Freude der Enkelkinder – wurden mannigfach abgegeben, und die pommerschen, selbstgesponnenen und handgewebten Stoffe wurden zu Anzügen für die Enkelkinder verschneidert. Wir haben in Marienwerder noch 2 Bäume, welche echte Reddestower süßsaftige Eierpflaumen tragen. Ich kann mich auch noch dunkel erinnern, daß wir Kinder alle nach Reddestow gebracht wurden und dort herumtobten, und daß der langbeinige Großvater gern mit uns spielte.  

Als er einmal nach Marienwerder kam, um seine Tochter Sidonie und deren Haushalt zu besuchen, machte es ihm besonderen Spaß, mit uns allerlei Greifspiele zu spielen. Aber er kannte unseren heimtückische Garten schlecht. Als er, eben hinter uns herjagend, den von Gras halb verwachsenen Graben noch eben zur rechten Zeit übersprungen hatte und den Liebenweg überquerend, uns auf die nächste Wiese folgen wollte, sah er nicht den Sperrdraht zwischen den Pflaumenbäumen und Christlorbeersträuchern, unter dem wir flugs hindurchgeschlüpft waren. Der Großvater stürzte der Länge lang unglücklich drüber hinweg, und nur das weiche Gras mag schwere Verletzungen verhütet haben. 

Ein gütiges Geschick nahm Friedrich August hinweg, ehe die Wolken über Reddestow sich zu schwerem wirtschaftlichem Zusammenbruch verdichteten. Ob er es schon geahnt haben mag, daß diese pommersche Scholle seinem Haus nicht mehr erhalten werden konnte ? Wenn auch keine Reichtümer in Reddestow erworben werden konnten, so war die Lage des Gutes bei Friedrich Augusts Tode noch nicht so, daß das Schlimmste zu befürchten gewesen wäre. 

Friedrich August starb, 70 Jahre alt, plötzlich am Herzschlag. Am 12. Januar 1889 schloß er die Augen. Seine Ehefrau Caroline, geb. Raasch, starb noch im selben Jahre, wie sie auch im selben Kalenderjahre wie ihr Gatte geboren ist. Der 20. Nov. 1889 war ihr Todestag. In Zinzelitz, dem nächsten Kirchdorf, sind beide beigesetzt. 

Auf der Todesanzeige seiner Mutter druckte Berthold Poltrock unter seinem Namen die Bezeichnung “Rittergutsbesitzer“.  Er hatte auf dem Sterbebett der Mutter sich selber notariell das Rittergut verschreiben lassen. Diese Erbüberrumpelung, welche naturgemäß die übrigen Kinder etwas verwundern mußte, wurde Berthold nicht zum Segen. Er war zwar als tüchtiger Landwirt bekannt und geschätzt, konnte aber Reddestow nicht über Wasser halten. Er hatte wohl äußerlich die auffallende, breitschultrige und kräftige Gestalt seines Vaters, war gewandt und einnehmend in seinem Auftreten, gemütlich und herzlich als Verwandter und ein überall gern gesehener Gesellschafter – aber wohl in vielen Punkten nicht von dem tiefen Verantwortungsbewußtsein, das seinen Vater auszeichnete. Daß sein Vater ihm die Neigung zu der jungen Brombergerin Susanna zerschlug mit einer unwirschen Bemerkung, daß sie so ganz vermögenslos wäre, scheint überdies für ihn verhängnisvoll geworden zu sein. Er konnte sich später, auf leichtere Wege geraten, nicht mehr zu einer Heirat entschließen. Unter seiner unglücklichen Verwaltung verfiel Reddestow mehr und mehr, bis es im Jahre 1894 (?) unter den Hammer kam und an einen Juden verkauft wurde. Fritz Poltrock wurde bei diesem Juden Inspektor. Berthold ging nach Berlin und wurde Inspektor bei einer Hagelversicherungsgesellschaft. Er starb 1902 (?) in Charlottenburg an Gehirnerweichung. 

Fritz Poltrock hatte noch weniger Glück. Er verheiratete sich mit einer Base Ziemann. Der Ehe entstammen wohl 2 Töchter, aber er selbst wurde Alkoholiker und ging dann, nachdem er noch in Zoppot versucht hatte, eine Badepension zu gründen, im Jahre 1909 (?) in Carthaus in Westpreußen zugrunde. 

Der Name Poltrock erbte sich nur in der Familie des ältesten Sohnes fort. Arthur Poltrock und Hedwig von Oven hatten 5 Söhne und 1 Tochter. Die Ehe war sehr glücklich, wenn auch nicht mit äußeren Glücksgütern gesegnet. Als aber im Jahr 1898 Arthur Poltrock plötzlich abberufen wurde, blieb seine Witwe mit dieser Kinderschar in Bedrängnis zurück, und es gelang ihr nur in schwerer Selbstaufforderung durch Gründung einer Berliner Fremdenpension, so viel für ihre Kinder zu erwerben, daß sie ihnen eine wertvolle und gediegene Erziehung angedeihen lassen konnte. Walther wurde Ingenieur, später Kaufmann in China und in Hamburg, Victor ging nach Absolvierung des Gymnasiums in den Kaufmannsberuf über. Die 3 jüngsten Söhne wurden Offiziere. Konrad starb kurz vor dem Kriege, Fritz fiel im Kampfe gegen Rußland.  

In den Familien von Viktor Poltrock in Marienwerder und Ulrich Poltrock, der als Hauptmann den Weltkrieg mitmachte, danach Kaufmann in Bremen wurde, setze sich das Geschlecht der Poltrocks in männlicher Linie fort. – Heta Poltrock heiratete Ernst Elmering aus dem Hause Adolf Elmering-Berendt. Sie starben freiwillig im Mai 1945 beim Einmarsch der Russen. 

Ergänzende Bemerkungen: 

Ulrich wurde Oberst, geriet 1945 mit seiner Wohnung in Schwerin in die Ostzone. Er hatte seine 3 Söhne im Feld verloren. Einer war verheirat gewesen und sein Sohn ist der einzige lebende Sproß dieses Familienzweiges. Ulrich geriet 1952 in die Hände der Häscher der SED, wurde gefangen gesetzt und ist im Gefängnis völlig grundlos zugrundegerichtet worden. Seine Frau, nun gänzlich ihr Familie beraubt, ging freiwillig in den Tod. Walther heiratete nach Scheidung von seiner ersten Frau Irmgard  eine Jüdin Gertrud ( Trude ) Oliven und  geriet dadurch in die Verfolgungsdrangsale der Nazis. . Nach 1945 siedelten sie nach USA über. Er starb dort kinderlos an einer Krebserkrankung.

 

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