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Stichwortverzeichnis 
nur interessant für Angehörige meiner Familie
und weitere Verwandtschaft

zu Carl Ernst Brutzer in Riga  

Zusammenhänge : Brutzer - von Holst - Lamprecht - Brederlo

Das verehrte Haupt der Familie unserer Mutter war ein äußerst gewissenhafter, unermüdlich tätiger Arzt. Erfahrungen in seiner Praxis stellten ihm die Unzulänglichkeit der damaligen medizinischen Wissenschaft so lebhaft vor Augen, dass er drauf und dran war, den Beruf aufzugeben. Da hörte er von Hahnemanns Homöopathie und mit seiner ganzen Energie ergriff er diese Sache, doch so, daß er zuvor durch eindringende philosophische Erwägungen über die Berechtigung der neuen Lehre auf Grund einer vitalistischen Anschauung sich klar zu werden suchte. Vgl. über ihn Dr. C . Bojanns, Gesch. der Homöopathie in Russland, Stuttgart 1880, S.43 und 144; ferner S. Brennsohn, die Aerzte Livlands, Mitau 1905, S. 121; Deutsches Geschlechterbuch XIX, Görlitz, Starke, 1911, S. 189 Anm.5.

In spätern Jahren baute er sich ein eigenes Haus, um einen Raum für seine Glocke anbringen zu können, in der die Behandlung Lungenkranker mit komprimierter Luft vor sich ging. Früher wohnte er im zweiten Stock des Hauses seines Stiefschwiegervaters Brederlo. Die Mutter seiner zweiten Frau, Juliane Lamprecht,
geb. Behrens ( Tochter des russischen Divisionsarztes Berens ), hatte nämlich in zweiter Ehe den Ratsherren Brederlo geheiratet, dieser, der kunstliebende und kunstkundige reiche Kaufmann Brederlo ist der Begründer der bekannten Brederloschen Gemäldegalerie.

Nach dem frühen Tode von Dr. Brutzers zweiter Frau (1844) nahm sich " die liebe, sorgliche und oft betrübte " Großmutter Brederlo der hinterbliebenen Kinderschar an, soweit deren älteste Schwester aus erster Ehe Marie ( unsere Mutter) der Anleitung und des Rates bedurfte. Gegenüber vom Brederloschen Haus auf der Großen Sünderstrasse lag das Brachmannsche ( Chr. Ewald Brachmann, AI 3 ) Haus, in dessen zweiten Stock das junge Brachmannsche Paar (Wilh. und Marie Brachmann) seine erste Wohnstätte fand.

Die ungewöhnliche geistige Regsamkeit des Großvater Brutzer mag ein kleiner Zug beweisen. Als hoher Siebzieger unternahm er mit dem damals noch nicht blinden Onkel Ernst die Seefahrt von Riga nach Stettin und besuchte uns im Seebad Ahlbeck. Für diese kurze Erholungszeit hatte er sich aber zwei literarische Arbeiten mitgenommen: 1. Gesundheitliche Ratschläge für den lettischen Landmann ( nicht ohne eine volkstümliche Belehrung über die wissenschaftliche Grundlage der Homöopathie ) und 2. eine dramatische Dichtung " Nathan der Tor " als Fortsetzung zu Natan dem Weisen" und Widerlegung der Lessingschen Weisheit gedacht. -

Der Verkehr mit seinen Freunden in den knapp gemessenen Mußestunden und das angeregte Gespräch " der herrlichen Männer " ist unserer Mutter in unauslöschlicher Erinnerung geblieben und sicher war ihr eigener Wissensdurst und Schönheitssinn, ihr selbstloses Pflichtgefühl, ihr starkes Vertrauen, ihr Abscheu gegen bequemes Sichgehenlassen ( z.B. in der Sprech- und Schreibweise) , gegen leere Rechthaberei und leichtfertige Übertreibung, ein väterliches Erbteil. Es war ein hochgemutes Baltengeschlecht, dessen Art uns nachgeborene wohl als Hochziel vor Augen stehen mag.

zu Helene Brutzer geb. Lamprecht
( Carl Brutzers zweite Frau )

Das Geschlecht Lamprecht stammte aus Aschersleben. Der erste Mann der Juliane Lamprecht geb. Berens, also der Vater der Helene Brutzer und der Großvater mütterlicherseits von Gregor, Ernst, und Heinrich Brutzer und ihren Schwestern war geboren in Nusse bei Mölln, später in Riga Kaufmann der ersten Gilde und Weinhändler.

 

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