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Stichwortverzeichnis 
nur interessant für Angehörige meiner Familie
und weitere Verwandtschaft

es schrieb :  Pastor Ernst Brutzer, Braunschweig
im Jahre 1933  eine Familiengeschichte
Brutzer

Liebe Geschwister !

Am 19.07.1933 neuen Stils in diesem Jahre sind es 50 Jahre, seit unser Vater ( Gregor Brutzer 1834-1883, Sohn von Dr. med. Karl-Ernst Brutzer ) starb. Wir werden gewiß an diesem Tage in Dankbarkeit seiner gedenken und in diesem Gedenken uns im Geist zusammenfinden, da es ja äußerlich nicht möglich sein wird. Ich will zu diesem Gedenken insofern einen Beitrag liefern, als ich das, was über Ursprung und Abstammung der Familie "Brutscher" erforscht ist, zusammenstelle und Euch zur Bildung eines Familienarchivs zur Verfügung stelle. Unser Vater stellt ein bedeutendes Glied in dieser Geschichte dar.

Der Name "Brutscher" kommt sehr häufig im Allgäu vor. Ein Urlaubsaufenthalt in Vasach bei Oberstdorf im Jahre 1929 gab mir und meiner Frau Sonny geb. Waack Gelegenheit zur Forschung nach den Ursprüngen dieser Familie und zur Prüfung, ob etwa zwischen diesen "Brutschers" und den "Brutzers" in den baltischen Provinzen ein Zusammenhang nachweisbar ist. Von einem Gastwirt und Maler, Albrecht Brutscher in Langewang wurden wir auf Oberdorf bei Hindelang hingewiesen. Es sollten dort mehrere Familien dieses Namens wohnen. Sie seien aber aus Tirol eingewandert. In der katholischen Pfarre zu Hindelang wurden uns die Kirchenbücher von 1621 aufs bereitwilligste zur Verfügung gestellt und unser Nachforschen in jeder Weise von dem freundlichen Pfarrer unterstützt.

Als erste Eintragung unseres Namens finden wir einen Michael "Brutzer", sein Nachname ist also so geschrieben, wie wir ihn jetzt schreiben. Über seine Geburt und Tod finden sich keine Eintragungen. Er erscheint als Vater eines Tobias "Brutscher". Michaels Frau hieß Maria. - Tobias, der 1618 geboren sein muß, da er 58-jährig am 20.3.1676 gestorben ist, heiratete 1647 Ursula Albrecht. Aus der Ehe entsprossen neun Kinder, fünf Knaben und vier Mädchen, die z.T. früh starben. Der älteste J o h a n n M a r t i n (1645-1702) war Schmied. Mit seinem einzigen Sohn T o b i a s (1685-1705) neben zwei Töchtern stirbt diese Linie aus. Wir merken uns aber das Vorkommen des Vornamens "Tobias". Der vierte Sohn des Tobias I T h o m a s Brutscher (1656-1721) war Pfarrer in Hindelang. Bei der Eintragung des Todes einer Ursula B. 1599 bemerkte er "soror mea" ( meine Schwester ) und ebenso bei Tobias 1705 - "nepos meus ex fratre" ( mein Neffe vom Bruder her ). Da bei der Eintragung der Hochzeit seines Bruders Michael (geb. 1651) im Jahre 1694 keinerlei Bemerkung sich findet, ist anzunehmen, daß er damals noch nicht Pfarrer in Hindelang war. Wir merken uns, daß jener Thomas katholischer Geistlicher war und als solcher in der Familie Brutscher in Oberdorf eine einflußreiche Stellung eingenommen haben wird. -
Als zweite Eintragung unseres Namens erscheint ein "Georg Bruzher", der am 17.12.1635 stirbt am selben Tage wie eine Elisabetha Bruzher, die am 17.12.1622 geboren war. Vermutlich ist sie eine Tochter Michaels gewesen und vielleicht eine Großtochter Georgs. Für uns ist Georgs dritter Sohn Kaspar, geschrieben Brutscher, besonders bedeutungsvoll. Sein Geburtsdatum ist nicht festzustellen. Es muß 1605 anzusetzen sein. Kaspar heiratet 13.01.1636 eine Anna Haas und stirbt 09.06.1690. Unter seinen 11 Kindern (vier Söhne und sieben Tochter) ist für uns wichtig Martin ( 20.11.1646 - 13.01.1728 ). Er war Schmied in Oberdorf. Verheiratet war er mit Maria Bähler. Unter den 5 Kindern aus dieser Ehe bleibt der älteste Sohn Kaspar, ein Pfannenschmied (1637-1742) ledig, der Jüngste Antonius (1682-1753) hat 11 Kinder, dessen beide ältesten Söhne wieder Tobias heißen. Das erste sogenannte Kind starb bald und das dann geborene erhielt denselben Vornamen! Von größtem Interesse für uns muß der zwischen Kaspar und Antonius am 25.12.1678 geborene Sohn Martin A n d r e a s sein. Von ihm finden wir in den Kirchenbüchern Hindelangs außer dem Taufeintrag keinen weiteren. Er muß demnach ausgewandert sein, und zwar als lediger Mann.

Hier können wir es nicht als zufällig annehmen, daß der erste unseres Namens, der im Goldingenschen Kirchenbuch und in der dortigen Kürschnerlade als J o h a n n A n d r e a s erscheint und daß dieser aus Oberdorf ausgewanderte Andreas heißt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß es sich um ein und dieselbe Person handelt.
Ehe wir auf diesen unseren ersten Vorfahren in Kurland näher eingehen, noch etwas über den Familiennamen selbst. Wir wissen, daß der erste dieses Namens in Oberdorf eingewandert ist und aller Wahrscheinlichkeit nach aus P r u t z am Oberinn. Damit ist unser Familienname, wie es so oft der Fall ist, aus einem Ortsnamen entstanden. Der aus Prutz stammende ist der Prutzer. Da die Allgäuer weder P noch Z aussprechen, ist aus Prutzer Brutscher geworden. Die Pfarrer, die die betreffenden Eintragungen in die Kirchenbücher vornahmen, schrieben die Namen nach dem Gehör auf und daraus erklären sich die verschiedenen Schreibungen: Brutzer, Bruzher, Brutscher und Bruzzer. –

Wir kehren zu jenem Andreas Brutscher in Oberdorf zurück. Vermutlich hat er das Kürschnerhandwerk erlernt und ist dann als Geselle auf Wanderschaft gegangen. Diese hat ihn wohl nach Ostpreußen geführt, wo an der russischen Grenze für Kürschner lohnende Arbeit zu finden war. Die Russen schafften nämlich die Felle der erlegten Tiere über die Grenze, wo sie zu Pelzen verarbeitet wurden. Als 18 jähriger wird er sich Anfang 1700 auf die Wanderschaft begeben haben. Wie lange er sich etwa in Ostpreußen aufgehalten hat, kann natürlich nicht gesagt werden. Jedenfalls hat er dort von Kurland gehört und in Erfahrung gebracht, daß daselbst für sein Handwerk und damit für sein Fortkommen gute Aussichten vorhanden seien. Über Windau wird er wohl nach Kurland ausgewandert sein. Wir hören nämlich aus dem Goldingenschen Stadtbuch vom 27.07.1746, daß A s k a n i s Brutz e r ,der nach der Kürschnerlade der älteste Sohn des Johann Andreas ist, in Ledicken geboren ist und damals das Bürgerrecht erhielt. Ledicken ist aber ein Beigut von Schloß Rdwahlen im Kreise Windau. Da das Bürgerrecht erst im 30. Lebensjahr erworben werden konnte, wurde Askanius 1716 geboren. Johann Andreas hat also um jene Zeit dort gewohnt und ist verheiratet gewesen. Der Name seiner Frau ist unbekannt. Nach einigen Jahren ist er mit Frau und Kindern - inzwischen ist ein zweiter Sohn H a r t w i c h Immanuel geboren - nach Goldingen gezogen. Nach dem Bürgerbrief vom 18.02.1750 wird Hartwich Immanuel als Kürschner aus Goldingen bezeichnet. Er ist demnach Februar 1720 geboren, wohl auch noch in Ledicken. Es findet sich nun im Taufregister der evangelischen deutschen Gemeinde in Goldingen unter Nr.34 von 1722, November 2 folgende Eintragung: des neuen Kürschners aus Peterfeldt Söhnchen Ferdinand."

Von Ledicken war die Familie des Johann Andreas nach Peterfeldt, einem Vorort von Goldingen übergesiedelt. Der Pastor hatte bei Anmeldung des Kindes den ihm unbekannten Namen des Vaters nicht verstanden und schrieb in das Taufbuch das, was wir jetzt lesen. Daraus läßt sich schließen, daß der Kürschner Brutzer noch Neuling in der Stadt war, also nicht lange vor 1722 sich dort niedergelassen hatte. Aus dem Ladenbuch der Kürschner ist zu ersehen, daß Johann Andreas am 04 08.1722 sein Meisterstück vorweist und vom Goldingenschen Kürschneramt als Meister angenommen wird. In der Stammrolle 1722 wird er als nichtgrundbesitzender Bürger genannt. Am 28.01.1724 lesen wir im Taufregister: ''Brutzers Söhnchen Christian". Nun ist der Familienname des neuen Kürschners mit "Brutzer" festgelegt und hat seitdem in den baltischen Provinzen diese Fassung behalten mit einer Ausnahme, wo er "Bruzer" geschrieben wurde. Die Geburt dieses Söhnchens kostete der Mutter das Leben. Am 09.02.24 bezahlt Johann Andreas "wegen seiner seeligen Frau, so beerdiget worden, für Glocken 2 FI. und für Leichendecke 4 FI.." Aber schon am 20.Juli 1724 zahlt er vor die kleine Krone zu seiner Hochzeit 2 Fl." und " wegen des Klingelbeutels 3 Fl.". Auch der Name dieser zweiten Frau läßt sich nicht ermitteln. Im Jahre 1726 wird er Ältermann der Kürschner und bleibt es bis zu seinem Tode. Daneben war er von 1740 bis 1743 Stadtältermann. Und diese bedeutsamen Posten bekleidet er, obgleich er erst am 09.12.1750 seinen Geburtsbrief produziert und das Bürgerrecht erhält. Ein Ferdinand Hoffmann hatte gutgesagt. Was der Grund dazu war, daß er seinen Geburtsbrief so spät erst beschaffen konnte, ist schwer zu sagen. Ob er als Katholik, der eine evangelische Frau geheiratet hatte, sich nicht an seinen Vetter, den Pfarrer in Hindelang wenden sollte? Das einfachste ist, anzunehmen, daß er bei der weiten Entfernung seines Geburtslandes keine Möglichkeit gehabt hatte, sich mit den Seinen in Verbindung zu setzen. Man hatte die Forderung nach dem Geburtsbrief an ihn bis dahin nicht gestellt, weil man jedenfalls von seiner deutschen Herkunft auch ohne Geburtsurkunde überzeugt war. Am 03.09.1759 wird sein Sohn, A s k a n i u s , Amtsältermann der Kürschner als sein Nachfolger. Johann Andreas ist damals wohl gestorben. Er hat seinen älteren Bruder Kaspar um 17 Jahre überlebt. Daß die Eintragung seines Begräbnisses im evangelischen Sterberegister fehlt, ist daraus erklärlich, daß er wohl für seine Person dem katholischen Glauben bis zuletzt treu geblieben ist. Es war üblich, Bestattungen auf dem evangelischen Friedhof von Mitgliedern anderer Konfessionen nicht in das Register der evangelischen Gemeinde einzutragen, sondern in ein besonderes Buch.

Er hat vier Söhne gehabt:<

Erstens: A s k a n i u s , geb. Ledicken ca.1716, gest.1796 in Goldingen. Er besaß ein Haus in der Bergstraße, das 1892 in den Besitz seines Schwiegersohnes Wölkau kam, 1796 in den seines Neffen Johann Wilhelm Brutzer, der 1751 geboren, das Kürschnergewerbe als Meister betrieb und 1802 Goldingen verläßt.

Zweitens: H a r t w i c h I m m a n u e l , geb.1720 in Ledicken. Er tritt 1734 bei seinem Vater in die Lehre als Lehrling, wird 13.10.1739 Gesell und 10.4.1748 Meister. Das Bürgerrecht erwirbt er 18.02.1750. Er stirbt Frühjahr 1762. Seit 1748/49 war er verheiratet mit Maria Gertrude Timm, geb.1731, gestorben 18.6.1811. Nach dem Tod ihres Mannes heiratet sie den Kürschner und Kaufmann Martin Gottfried Hoffmann.

Drittens: F e r d i n a n d , geboren 1722,

Viertens: C h r i s t i a n , geboren 1724.

Von ihnen ist nichts weiteres bekannt. Ihre Namen stehen sowohl im Taufregister als auch im Ladenbuch der Kürschner.

H a r t w i c h I m m a n u e l hatte folgende Kinder:

1. Gertrud Elisabeth, geb. 01.10.1749
2. Johann Wilhelm, geb. 12.09.1751 ( s.o ).
3. Sophie Gertrud, geb. 14.11.1753.
4. C h r i s t i a n E b e r h a r d , geb.12.03.1756.
5. Tobias Friedrich, geb. 10.07.1758 Er ging nach Tuckum
und war dort Kaufmann und Gerichtsvogt.
6. Hartwich Immanuel, geb. 04.11.1760.
7. Appolonie Gottliebe, geb. 01.09.1763 nach dem Tode des Vaters.

Für uns kommt der vierte Sohn C h r i s t i a n E b e r h a r d in Betracht. Sein Geburtsdatum fehlt im Taufregister der Goldingenschen Gemeinde, weil Eintragungen in dasselbe vom 20.11.1755 bis 09.02.1756 nicht vorgenommen sind. Die Blätter sind freigelassen. Man hat später die Nachtragung der Taufe vergessen. Wenn wir nicht eine andere kirchliche Eintragung hätten, wäre die Vergeßlichkeit des damaligen Pastors Schotter für uns sehr betrüblich gewesen. Im Register der Konfirmierten steht die Eintragung: "1769 den 16.August Christian Eberhard Brutzer im. 14.Jahr." Mithin ist er 1756 ( und nicht, wie im Geburtsbrief von 1734 : 1765) geboren. Als Geburtstag und Monat ergibt sich aus dem eben erwähnten Rigaer Geburtsbrief der 12.März. Er wird in demselben als "Sohn des seeligen Tobias (!) Brutzer, Bürger und Meister im Kürschneramt in Goldingen und dessen Ehefrau, der noch lebenden Gerthrude geb. Timm, im Stande heiliger Ehe recht und echt, frei und niemandes eigen, teutscher Zunge und Sprache erzeugt und geboren" bezeichnet. Auf den Namen Tobias ist er wohl durch Verwechslung mit seinem Bruder gekommen. Dieser Name kommt bei den Oberdorfern auch mehrfach vor!

C h r i s t i a n E b e r h a r d kommt nach seiner Konfirmation in Goldingen nach Riga in die Lehre zu seinem Onkel, den ältesten Christian Heinrich Timm. Er hatte ein Weingeschäft in Riga. Christian, der vielleicht nach dem Onkel seinen Namen hatte, war 8 Jahre Handlungsbursche, 5 Jahre Geselle und seit 15.09.1782 Kompagnon des Onkels. Am 08.11.1784 leistete er seinen Bürgereid und heiratet am 21.11.1784 seine Kusine Marie Dorothea Timm, geb.30.10.1766 und gest.05.01.1812 in Riga. Christian Eberhard stirbt 08.05.1808 in Riga.
Er hatte drei Kinder:

1.  H e n r i e t t e , geb.1785, heiratete den Gutsbesitzer Ernst Kyber, wird aber bald von ihm geschieden. Ihre Tochter 
    Ernestine heiratete den Gutsbesitzer Karl Schönberg in Livland. Henriette heiratet zum zweiten Mal: Matthias  
    Rodeberts Holst in Kiel. Sie starb 11.06.1820 in Kiel. In der Tradition ist sie als die "Kielsche" bekannt.
2. K a r l E r n s t , geb.31.01.1794, gestorben 210.2.1877 in Riga.
3. H e i n r i c h W i l h e l m , geb. November 1795. In zweiter Ehe heiratet er am 27.05.1843 Marie Thomas aus 
    Irland. Er war zuerst Kaufmann in Riga, dann Lehrer in Birkenruh und schließlich Prof. der Handelswissenschaften in
    Stuttgart. Seine Tochter Luise heiratete den englischen Marineoffizier Edgar Cooksen und Marie Anna den  
    englischen  Marine-Offizier: Moultrice Kelsall. Mit seinem ledig gebliebenen Sohn Reverent Heinrich Wilhelm stirbt
    diese Linie, die englische, 1921 (?) aus.

K a r l - E r n s t Brutzer studierte 1813 zu Dorpat Medizin, und reiste, nachdem er sich 1817 hatte examinieren lassen, im Frühjahr des folgenden Jahres ins Ausland, durchstrich flüchtig einen Theil Dänemarks, Deutschlands, Italiens, Frankreichs, der Schweiz und Holland, hielt sich in Berlin und in Paris ein paar Monate auf und beendigte seine Studien in Wien und Göttingen. Im Frühling 1821 kehrte er nach Livland zurück, promovierte am 09.06.1822 in Dorpat und lebte seit dem Oktober desselben Jahres als praktischer Arzt auf seinem Gute Kipsahl im Kremonschen Kirchspiel.

1826 siedelte er nach Riga über. Bald hatte er eine ausgebreitete Praxis. Er wandte sich der Homöopathie zu. In Leipzig hatte er den Begründer derselben, Dr. Hahnemann, persönlich kennengelernt. Neben seiner ausgedehnten Privatpraxis stand er auch im Dienste des öffentlichen Medizinalwesens. Während der Choleraepidemie 1831 verwaltete er das Lazarett in der Petersburger Vorstadt. Er ist mehrfach als medizinisch wissenschaftlicher Schriftsteller hervorgetreten. 1831 (?) wurde er zum Hofrat ernannt und damit in den erblichen russischen Adelsstand erhoben. Später wurde er Staatsrat. Für alles Gute und Edle war er offen. Er war ein frommer Christ. Im Gegensatz zu Lessings "Nathan der Weise" verfaßte er einen Einakter "Nathan der Tor". Verheiratet war er in erster Ehe mit Wilhelmine von Holst, geb.22.02.1801, gest.12.07. 1829. Aus dieser Ehe entstammten:

1. Marie Charlotte, geb.20.10. 1823 auf Hof Kipsal,
   verheiratet mit Dr. Wilhelm Brachmann, lebte später mit ihm in Deutschland,
   gest. 01.05.1915 in Bergedorf
2. Wilhelmine Henriette ( gen. Jettchen ), geb.24.07.1825 auf Hof Kipsal,
   dichterisch begabt, blieb ledig gest. 12.01.1885 in Riga. –

In zweiter Ehe heiratete K a r l E r n s t Brutzer am 11.8.1832 in Baden-Baden: Helene Maria Lamprecht, geb. 04.06.1811 in Riga, gest. 20.06.1844 in Riga. Die Lamprechts gehören zu der Oscherslebener Linie der in Norddeutschland und im Westen weit verbreiteten Familie dieses Namens. Aus dieser Ehe entstammen 8 Kinder:

1.  H e l e n e Juliane, geb. 18.07.1833 in Riga,
    verheiratet an Ratsherr Karl Westberg, gest. 17.2.1890 in Riga.
2. Wilhelm G r e g o r , geb. 06.08.1834 in Riga, gest. 07.07.1883 ( 19.7. neuen
    Stils ) in Riga..
3. Matthias E r n s t , geb. 15.7. 1836. Dr. philos in Jena, Oberlehrer, mußte
    das Amt seiner Augen wegen aufgeben. Organisator des Armenwesens und
    Gründer des Vereins gegen den Bettel in Riga. 1834 erblindete er und
    siedelte 1890 nach Lübeck über mit den jüngeren Kindern seines Bruders
    Gregor: Er war ihr Vormund, und sie verdanken ihm sehr viel. er starb ledig:
    08.07.1911 in Lübeck
4. Jenni W i l h e l m i n e (gen.Minna), geb.20.05.1838 in Riga, heiratete den
    Gutsbesitzer Karl von Boetticher, gest.05.12.1881 in Goldingen.
5. A u g u s t e Katharina, geb. 03.12.1839, gest. 28.04.1842 in Riga.
6. S o p h i e Dorothea, geb. 01.04.1841 in Riga, unverheiratet, gest. 15.05.1912
    in Lübeck.
7. Karl H e i n r i c h , geb. 06.09.1842 in Riga, Buchhändler, zuerst in Riga,
    dann in Petersburg, verheiratet mit Charlotte Niemann, Sohn H e i n r i c h
    Gregor, geb. 1879 in Petersburg, lebt in Lettland.
3. A u g u s t e Emilie Juliane, ( Gustchen ), geb. 01.05.1844, unverheiratet, siedelte mit ihrem Bruder Ernst und den    
    Kindern des Bruders Gregors nach Lübeck über, ihr Leben hindurch kränklich, aber ein tapferer frommer Mensch,  
    eine treue Schwester ihrem erblindeten Bruder Ernst. Sie starb am 21.06.1911 in Lübeck. -

W i l h e l m G r e g o r B r u t z e r , geb. 06.08.1834 in Riga, gest. 07./19.07. 1883 in Rothenberg bei Riga. Er besuchte das Gymnasium zu Birkenruh bei Weiden in Livland und studierte in Dorpat Medizin. Dr.med 1859. - Er setzte seine Studien in Berlin, Wien und Paris fort und spezialisierte sich für Psychiatrie. Zu dem Zweck besuchte er auch die wichtigsten Irrenanstalten Deutschlands. 1862 begründete er die Irren-Heil-und Pflegeanstalt Rothenberg bei Riga, die 1872 in den Besitz der Stadt Riga übergeht, seine spätere Gründung "Waldheim" für Kranke aus ärmeren Verhältnissen behielt er aber als Eigentum weiter. "Waldheim" wird von der Stadt erst nach seinem Tode in Besitz genommen, gegen einen jährlichen Erziehungsbeitrag an seine Witwe. Er blieb Direktor der Anstalt bis zuletzt. Neben dieser seiner Haupttätigkeit war er eine zeitlang Präses der ärztlichen Gesellschaft und ebenso Stadtverordneter. - Er war eine charaktervolle, geistig hochstehende Persönlichkeit, die durch harmonisches, abgeklärt – ruhiges Wesen und leutselig – freundlichen Humor die Herzen und das Vertrauen der Mitmenschen zu gewinnen verstand. Er hatte eine besondere Gabe im Umgang mit seinen Kranken. Schon als Student, nahm er in der "Fraternitas Rigensis" eine hervorragende Stellung ein. Die Ritterlichkeit seines Wesens zeigte sich in seinem Eintreten für das Duellantentum als notwendig zur Erziehung zur Tapferkeit. Beim Scheiden aus Dorpat wurde er mit der blau-rot-weißen Schärpe komitiert, eine Ehrung, die nur wenigen Gliedern der Frat. Rig. zuteil geworden ist. Seine ausführliche Würdigung seines Charakters und seiner Lebensarbeit findet sich in der Festschrift zum 50jährigen Jubiläum der Anstalt Rothenberg.
Er heiratete am 10.09.1865 Sophie Helene Constanze W i l h e l m i n e ( gen. Minna ) von Kieter , geb.22.05.1841 in Wenden, gest. 26.11.1888 in Riga. Auch sie findet ihre Würdigung in der Jubiläumsschrift. Es entstammten dieser glücklich-harmonischen Ehe 11 Kinder :

1.   H e l e n e Juliane, geb. 04.09.1866, war ihr Leben lang gelähmt,
     gest.10.3.1890.
2.   Karl Georg W i l h e l m , geb.28.10.1867, Dr. med., ledig, gest. 29.10.1930
      in Posen.
3.   Konstantin G r e gor , geb.11.12.1868, Chefredakteur in Riga, verheiratet
      mit seiner Kusine Marie von Böetticher, gest. 02.11.1918 in Riga.
4.   K a r 1 Adolf, geb. 22.07.l870, Arz in Riga, verheiratet mit Irma von
      Westermann ( kinderlos ), gest. 25.12.1920 in Riga.
5.   S o p h i e Helene, geb. 18.01.1872, ledig, gest. 21.01.1910 in Davos.
6.   E r n s t Martin, geb. 09/22.11.1873 in Riga, Pastor und Missionar,
     verheiratet in erster Ehe 1910 mit Wilhelmine Kügler und in zweiter Ehe
     20.5.1925 mit Sonny Waack, Pastor an St. Magni zu Braunschweig.
7.  A r t h u r Leberecht, geb .25.03.1875, landw. Fachstudiendirektor,
     verheiratet mit Rose Kriele, 13.09.1903 in Nesselbeck bei Königsberg.
8.  J o h a n n a Helene Elise, geb. 18.7.1876, gest. 01.10.1892 in Lübeck.
9.  Karl G u s t a v , geb .20.4.1878, Dr. oec., verheiratet mit Frida von
    Oettingen 28.3.1910 in Berlin. Gefallen fürs Vaterland 06.09.1914.
10. F r i e d r i c h H e i n r i c h , geb. 13.09.1879 Vizeadmiral i.R. , verheiratet
     mit Gertrud Hofstätter 18.05.1908 in Lübeck, lebt in Berlin
11. Johann A l e x a n d e r , geb. 21.01.1881 in Riga, Dr.med. , verheiratet mit
    Agi Jürgens 31.08.1921, Kreisarzt in Berlin

Von hier aus mag jede Linie den Stammbaum weiter führen


P. Ernst Brutzer, ( 1873-1940 )
aufgeschrieben
in Braunschweig im Jahre 1933

 

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