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nur interessant für Angehörige meiner Familie
und weitere Verwandtschaft

etwas über Louis Gurlitt
 

Louis Gurlitt wurde am 08. März 1812 als Sohn des Golddrahtziehers Johann August Wilhelm und seiner zweiten Frau Christine Helene, geb. Eberstein, in Altona geboren. Nach einem Onkel erhielt er den Namen Ludwig. Von klein auf wurde er jedoch Louis genannt, da zu jener Zeit alles, was französisch klang, vornehmer war.  In der ersten Ehe des Vaters waren sechs Kinder geboren worden, in der zweiten folgten weitere zwölf. Einige von ihnen starben bereits im Kindesalter. Als Louis Gurlitt 1832 sein Elternhaus verließ, um an die Kopenhagener Kunstakademie zu gehen,  waren noch zehn seiner Geschwister am Leben.

Über Louis Gurlitts Kindheit und Jugend sind wir durch den Künstler selbst gut unterrichtet. Wie viele seiner Zeitgenossen verfaßte auch Gurlitt im Alter "Jugenderinnerungen", in denen er seinem ältesten Sohn Wilhelm rückblickend ein anschauliches Bild seiner frühen Jahre zeichnet.
Als historische Quellengattung müssen solche Aufzeichnungen mit Vorsicht genossen werden, da in ihnen leicht ein idealisiertes oder anderweitig verfälschtes Bild der wirklichen Verhältnisse vermittelt wird.

   

           

So verklärt sich auch in Gurlitts Notizen die Vergangenheit.  Einige Ereignisse ordnet er aus der Erinnerung zeitlich falsch ein. Trotzdem behalten die  "Jugenderinnerungen" als Zeugnis des 19. Jahrhunderts einen historischen Aussagewert,  wenn man sich des subjektiven Charakters der Quelle bewußt bleibt. Nach dem Bericht dieser "Jugenderinnerungen" lebten die Gurlitts in wirtschaftlich bescheidenen Verhältnissen. Sie bewohnten ein Halbhaus in der Kleinen Mühlenstraße 418, der heutigen Struenseestraße, das der immer größer werdenden Familie nur beschränkte Räumlichkeiten bot. Die Kindheit Louis Gurlitts war von der französischen Belagerung Hamburgs überschattet, die sich vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht auch auf das benachbarte Altona auswirkte.

So kam das Golddrahtziehergeschäft des Vaters in den Kriegszeiten fast vollständig zum Erliegen. Um seine Familie ernähren zu können, handelte Wilhelm Gurlitt deshalb mit selbst verfertigten Medikamenten und gab trotz mangelnder Schulbildung Schreibunterricht.  Zusammen mit seiner Frau führte er außerdem eine Näh- und Stickstube und einen Gewürzladen, den er jedoch hochverschuldet bald wieder veräußern mußte. Die Schulden, die die Familie nicht mit Geld begleichen konnte, trug Helene Gurlitt durch jahrelange Handarbeiten langsam ab.

Trotz aller wirtschaftlicher Not erinnert sich Gurlitt jedoch an eine überwiegend glückliche Kindheit. Er führt das Bild einer schlichten, kleinbürgerlichen Handwerkerfamilie vor Augen, in deren Alltag das Zusammensein der Familienmitglieder einen großen Stellenwert einnahm. So verbrachte der Vater viel Zeit mit seinen Kindern. Er erzählte ihnen ernste oder heitere Geschichten, die er durch selbstgezeichnete Illustrationen veranschaulichte, und sang mit ihnen Opern und Volkslieder aus dem Gedächtnis. Er baute ihnen ein Figurentheater mit zahlreichen Dekorationen, das eine Attraktion für die Kinder der Nachbarschaft darstellte, und ließ das sogenannte "Lusthaus" im Garten errichten, das den Kindern Platz zum Komödienspielen bot. Wie seine Söhne später immer wieder betonten, weckte Wilhelm Gurlitt bei ihnen so ein erstes Interesse für Kunst, Musik und Dichtkunst. Nicht nur Louis Gurlitt war später künstlerisch tätig: Sein Bruder Cornelius schlug die Laufbahn des Musikers und Komponisten ein, sein Bruder Emanuel, der spätere Bürgermeister von Husum, schrieb volkstümliche Gedichte. Die Schulbildung, die Louis Gurlitt in einer der acht Altonaer Stadtschulen erhielt, war eher bescheiden. Seit 1792 bestand in Altona eine allgemeine Schulpflicht für alle Kinder, die wie Louis Gurlitt evangelisch-lutherisch getauft waren. Die Stadtschulen, die den Charakter öffentlicher Volksschulen trugen, sollten garantieren, daß alle Kinder eine gewisse schulische Grundbildung erhielten. Neben Rechnen, Schreiben, Lesen und etwas Geographie lernte Louis dort nach eigenen Angaben nur mangelhaft Orthographie. Ein oder zwei Jahre vor der Konfirmation überredete er seine Eltern schließlich, ihn nur noch in die so genannte Abendschule von fünf bis sieben Uhr zu schicken.  So hatte er den Rest des Tages Zeit, sich seiner eigentlichen Neigung, dem Zeichnen, hinzugeben. Wie Louis Gurlitt in seinen "Jugenderinnerungen"  berichtet, sei es, so lange er denken könne, immer sein Wunsch gewesen, Künstler zu werden.
                                 - Aus dem Austelllungskatalog des Altonaer Museums in Hamburg -
 

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