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Stichwortverzeichnis 
nur interessant für Angehörige meiner Familie
und weitere Verwandtschaft

Prof. Dr. Rudolf Voltolini 
1819 - 1889

Der Altmeister der Laryngo-Rhinologie, einer der Begründer und eifrigsten Förderer der neueren Ohrenheilkunde, Rudolf Voltolini, wurde am 12. v. Mts. nach längerem schweren Leiden zur letzten Ruhe gebettet. Weit verbreitet und intensiv ist die Trauer über den unersetzlichen Verlust dieses Mannes, welcher trotz der 70 Jahre , die er erreichte, bis zu seinen Lebensende mit jugendlicher Begeisterung und rastlosem Schaffensdrange wissenschaftlich thätig war, und dem die Wissenschaft auch so viel verdankt, dass seine Lebensgeschichte thatsächlich einen Theil der Entwicklungsgeschichte jener Specialfächer in sich begreift, denen er sein Leben geweiht. 
Friedrich Eduard Rudolf Voltolini wurde am 17. Juni 1819 in Elsterwerda ( Preuss.Sachsen ) als der Sohn eines wenig bemittelten Postsecretärs geboren. Den ersten Unterricht genoss er in Dessau und Kosel, seinen Gymnasialunterricht ( 1831 - 1836 ) in Ratibor. Die frühzeitig sich äussernde Liebe des Knaben für das "medicinische Studium änderte den schon gefaßten Entschluß des Vaters, seinen Sohn zum Postbeamten zu bestimmen, und so kam der junge Gymnasiast mit einer Monatszulage von 5 Thalern auf das Elisabeth-Gymnasium in Breslau. Durch den 1837 erfolgten Tod seines Vaters war seine materielle Lage recht kümmerlich geworden, was ihn aber nicht abhielt, seine Studien fortzusetzen. In März 1838 legte er sein Abiturientenexamen mit bestem Erfolge ab. 
Die nächsten zwei Jahre betrieb er mit Vorliebe Naturwissenschaften, und zwar Zoologie ( bei Gravenhorst ), Mineralogie ( bei Glockner } und Botanik ( bei Goppert und Nees von Esenbeck ).Trotz der karg zugemessenen pecuniären Mittel unternahm er schon damals größere Ausflüge in's Riesengebirge, um diese Fächer auch praktisch zu betreiben. Sein immenser Fleiss und sein ehrliches Streben verschafften ihm bald einige Gönner, unter denen besonders Huschke, der berühmte Breslauer Jurist, und Baron v. Kottwitz, der bekannte Berliner Philanthrop, sich des armen Studenten annahmen und ihn unterstützten. 
Zu Ostern 1840 kam Voltolini an die Universität nach Berlin, wo namentlich Schelling und Joh. Müller die größte Anziehungskraft auf ihn übten. Am 24. Oktober 1842 wurde er zum Doktor promoviert. Seine Dissertationsschrift führt den Titel:" De motu respiratorio ".
Im Jahr 1844 liess er sich als praktischer Arzt in Berlin nieder, doch zwangen ihn Familienverhältnisse, schon im nächsten Jahre nach Groß Strehlitz in Oberschlesien zu übersiedeln, wo er bis 1849 medicinische Praxis übte und auch litherarisch thätig war. Seine damaligen wissenschaftlichen Aufsätze behandeln Themata aus der gesamten Heilkunde und sind in verschiedenen Zeitschriften, zumeist in " Kasper's Wochenschrift " und in der " Preuss. Vereinszeitung " veröffentlicht. 
Im Jahre 1852 legte er in Berlin die Physikatsprüfung ab, und da er schon zu der Zeit theoretische Studien über Ohrenheilkunde machte, benutze er die Gelegenheit während seines Berliner Aufenthaltes, um bei Krämer den Catheterismus der Eust. Ohrtrompete, dessen Bedeutung er früh erkannte, practisch zu erlernen. Er konnte, wie er oft erzählte, gar nicht fassen, wie ein als Physicus wirkender Arzt die Ohrenheilkunde entbehren will. Auf Schritt und Tritt, meinte er, träten ihm sowohl im Amte, als auch in der Privatpaxis Fälle entgegen, die ihn ohne otiatrische Kenntnisse in die fürchterlichste Verlegenheit bringen müssen. 
Nach Ablegung des Physicatsexamens wurde er bald Physicus in Falkenberg in Oberschlesien, wo er sich im Jahre 1857 mit Fräulein Louise Wermelskirch, der Tochter des lutherischen Pastors in Erfurt, verheirathete und bis zum Jahre 1860 amtlich thätig war.
Während dieser Zeit betrieb er neben seinen Physicatsgeschäften mit größter Vorliebe otiatrische Studien, wobei er sich nicht auf Lecture einschlägiger Werke allein beschränkte, sondern practisch Anatomie des normalen und pathologischen Gehörganges betrieb. Natürlich konnte er in dem kleinen Orte seiner Wirksamkeit nicht leicht menschliches Material für seine anatomischen Arbeiten finden, weshalb er thierische Gehörorgane, unter andern auch von solchen Thieren, die er als passionierter Schütze selbst erlegte, der Untersuchung unterzog. Es ging ihm bei seinen otologischen Studien, wie allen jenen, welche sich eingehender mit der Ohrenheilkunde befassen: sie zog ihn um so mehr an, je ernster er sie betrieb, und schließlich kam es dahin, dass er sich ihr ganz widmete und, auf seinen Posten als Physicus resignierend, im Jahre 1860 seinen bleibenden Wohnsitz in Breslau nahm, erwähnenswerth ist, dass, nach seiner eigenen Mittheilung, die vorzügliche Gattin, die er leider schon nach 10-jähriger Ehe durch den Tod verlor, ihn in seinen Studien kräftigst unterstützte. 
Nachdem die Laryngoscopie durch Türck und Czermak in die Heilkunde eingeführt wurde und Voltolini deren hohe practische Bedeutung für die Ohrenheilkunde schnell erkannte, war es nicht blos die Otoscopie, sondern auch die Laryngoscopie, welche er mit großem Eifer betrieb. Zumeist war es seine für die ärztliche Forschung begeisterte Gattin, an der er seine ersten einschlägigen Untersuchungen übte. Oft äußerte er nachträglich, daß er nur durch die stete Bereitwillikeit seiner Frau, als Untersuchungsobject zu dienen, sowie dadurch, dass er an sich selbst Untersuchungen vornahm, so bald jene Virtuosität in der Laryngoscopie und Rhinoscopie erlangte, welche an ihm bewundert wurde. 
Um diese Zeit wurden von sämtlichen Forschern zur Beleuchtung von Höhlen künstliche Beleuchtungsapparate benutzt; meist Lampen, deren Lichtstärke durch Sammellinsen vergrößert wurde. Voltolini construirte sich ( 1859 ) einen eigenen Beleuchtungsapparat ( Photolampe mit Sauerstoffgebläse ), welcher ihm sehr gute Dienste leistete und den er deshalb auch veröffentlichte. Dieser Apparat brachte ihn in nähere Beziehung zu Czermak, welcher am 21. Septbr. desselben Jahres in Breslau laryngoscopische Demonstrationen veranstaltete. Czermak lud ihn durch ein eigenhändiges Schreiben zu dieser Demonstration ein und bat ihn gleichzeitig, daß er seinen Beleuchtungsapparat zur Verfügung stelle, was auch geschah. Von diesem Momente an entwickelte sich ein reger wissenschaftlicher und freundschaftlicher Verkehr zwischen beiden Forschern. Voltolini erkannte immer mehr die Bedeutung der neuen Untersuchungsmethode für die Ohrenheilkunde; er übte dieselbe mit größter Leidenschaft und die Folge war, dass er schon am 12. November desselben Jahres in einer brieflichen Mittheilung an Czermak diesen benachrichtigte, dass ihm die Besichtigung der Oeffnungen der Eustachischen Röhren im oberen Rachenraume gelungen sei. Thatsächlich war erst von jenem Momente an die Rhinoscopie in Schwung gekommen, so dass Voltolini mit Fug und Recht als der Hauptbegründer der Rhinoscopie angesehen werden kann.
Das beste Zeugnis für seine Meisterschaft im Rhinoscopieren gibt wohl ein vom 5. Juni 1869 datiertes Schreiben Czermak's an Voltolini: in welchem es heißt: " Was aber Ihre größten Verdienste betrifft, welche ich Ihnen vor allen meinen Nachfolgern gerne zugestehe, und wenn sich Gelegenheit findet, auch öffentlich gerne zugestehen will, so liegen diesselben in der erfolgreichen Ausdauer, mit welcher Sie sich bis heute mit der Rhinoscopie beschäftigt haben, und in der Virtuosität, welche Sie im Rhinoscopieren durch Benutzung verschiedener Hilfsmittel offenbar erreicht haben ". 
Die Sicherheit in der Handhabung des Rhinoscops ermuthigte ihn zur Lehrtätigkeit in diesem Fache. Er veranstaltete Demonstrationen vor Ärzten am Allerheiligen-Hospital in Breslau, dann auch in der medicinischen Gesellschaft in Berlin, zeigte unter Anderem das rhinoscopische Bild des oberen Rachenraumes und demonstrierte die Möglichkeit des Catherismus der Eustachischen Ohrtrompete unter Benutzung des Rhinoscops. 
Von da an begann sein großer Ruf, sowohl als Laryngoscopiker, als auch als Ohrenarzt, den er bis an sein Lebensende auch erhielt. Während der ganzen Zeit betrieb er neben der sehr anstrengenden Praxis auch theoretische Studien, ganz besonders wieder die Anatomie des Gehörgangs. Er beschäftigte sich auch mit der feineren microscopischen Untersuchung des Labyrinthes, wobei er zu neuen Untersuchungsmethoden gelangte, unter anderen auch zu jener ausserordentlich vortheilhaften, welche es ermöglicht, die sämtlichen Weichgebilde des Vorsaals und der halbkreisförmigen Gänge in continuo dem Felsentheile zu entnehmen. Eine große Reihe von Zeitungsartikeln, die er in Virchow's Archiv und anderen deutschen Journalen veröffentlichte, geben Zeugnis von seiner ebenso meisterhaften, als erfolgreichen Thätigkeit auf anatomischen Gebiete, die sich auch in seiner im Jahre 1862 veröffentlichten Monographie über Sectionstechnik des Gehörgangs manifestierte. 
Im Jahre 1860 habilitierte er sich als Docent für Ohrenheilkunde und Laryngoscopie an der Breslauer Universität, wohin eine große Zahl von Ärzten aus allen " Welttheilen wanderte, um seine Vorlesungen zu hören und practischen Unterricht zu geniessen. Im Jahre 1861 publicierte er zur 50jährigen Jubelfeier der Königl. Universität zu Breslau im Auftrage des Vereines Breslauer Aerzte eine Monographie unter der Aufschrift " Die Rhinoscopie und Pharyngoscopie", welche die erste größere Publication dieser Art war und in welcher er eine Reihe practischer Regeln zur leichteren Ausführbarkeit dieser Untersuchungsmethode mittheilte. In kurzer Zeit war sein Ruf als ausgezeichneter Lehrer begründet und seine wissenschaftlichen Leistungen so hervorragend, dass er im Jahre 1868 von der Breslauer medicinischen Facultät zum Professor extraordinarius für Otriatrie und Laryngoscopie vorgeschlagen und auch im selben Jahre ernannt wurde. 
Im Jahre 1858 hatte er die Bekanntschaft Middeldorpf's gemacht, der einige Jahre früher seinen galvanocaustischen Apparat construierte und in die chirurgische Praxis einführte. Voltolinis Scharfblick erkannte bald die hohe practische Bedeutung dieser Operationsmethode, von welcher er sich für seine Specialität die größten Erfolge versprach. Er studierte diese Heilmethode mit voller Hingebung, schloß sich, um sie practisch genau zu erproben, eng an den Schöpfer derselben, und als er von deren grossem Werthe durchdrungen war, führte er sie sowohl in die laryngoscopische, als auch in die ohrenärztliche Praxis ein. Er konstruierte nun einen eigenen Apparat ( Tauchapparat ), sowie geeignete Instrumente zu den speciellen Zwecken, und wer die großen Vortheile kennt, welche dieser Heilmethode eigen sind, der weiss auch zu schätzen, welch unvergängliches Verdienst sich Voltolini durch deren Einbürgerung erwarb. 
Seit seiner Niederlassung in Breslau war sein Ruf als practischer Arzt ein ausserordentlich grosser. Kranke aus allen Weltgegenden wanderten zu ihm und es muss unsere höchste Bewunderung erregen, wenn wir sehen, wie er trotz angestrengter ärztlicher Berufstätigkeit noch Zeit gewinnen konnte, nicht nur journalistisch thätig zu sein, sondern auch noch grössere wissenschaftliche Werke von unvergänglichem Werthe zu veröffentlichen. So erschien im Jahre 1876 sein Buch " Über die Galvanocaustik und deren Anwendung bei Kehlkopfkrankheiten "; 1879 " Die Rhinoscopie und Pharyngoscopie "; im Jahre 1888 sein Werk " Krankheiten der Nase und des Nasenrachenraumes nebst einer Abhandlung über Electrolyse ". 
Zu seinen Lieblingsaufgaben zählte er immer die Verbesserung der Untersuchungsmethoden; noch seine letzte Publication betrifft die Durchleuchtung des Kehlkopfes und anderer Höhlen des Menschlichen Körpers, welche Beleuchtungsmethode er, nach brieflicher Mittheilung, noch immer mehr zu vervollkommnen hoffte und von welcher er sich einen grossen practischen Nutzen versprach. 
Im Jahre 1867 betheiligte er sich an der Gründung der " Monatsschrift für Ohrenheilkunde ", welche später, nach Beitritt anderer Collegen, ihrem Inhalte nach erweitert und in die jetzige Form gebracht wurde. Bis zu seinem Lebensende war er werkthätig daran betheiligt. Eine grosse Anzahl von Aufsätzen in dieser Zeitschrift stammt aus seiner Feder, und gewiß ist ein großer Theil jenes für ein Specialblatt fast beispiellosen Erfolges, welchen unsere Zeitschrift aufzuweisen hat, auch seiner Mitarbeiterschaft zu verdanken. 
Wenn man die große Anzahl seiner literarischen Leistungen berücksichtigt und dabei bedenkt, wie viel Zeit und Kraft er seiner zahlreichen Clientel widmen musste, kann man kaum begreifen, wie es möglich war, dass er noch Zeit und Musse für seinem Berufe weit abliegende Liebhabereien gewinnen konnte. Er war ein begeisterter Enthusiast für Musik, spielte selbst mit Leidenschaft Violine und nahm diese Kunst so ernst, dass er noch als alter Mann bei hervorragenden Musiklehrern regelmäßig Unterricht nahm. 
Bei aller Gelehrsamkeit und vielseitigen ernsten Berufsthätigkeit bewahrte er sich einen frischen, heiteren Sinn für Naturschönheiten, den er durch tägliche Spaziergänge, durch öfters genossene kurze Landaufenthalte, sowie durch regelmässige grössere Reisen in der Ferienzeit zu befriedigen strebte. 
Das Geheimnis, wie die Vielseitigkeit seines Wirkens auch noch für die körperliche Erholung Zeit liess, bestand in der systematischen Zeiteinteilung, die er in seinem ganzen Leben beobachtete, verbunden mit dem ungegrenzten Fleisse, welcher sich mit seinem Talente paarte. Bis kurz vor seinem Lebensende war er mit Unterbrechung von 2 Stunden für die Mittagszeit und 2 Stunden zum Nachmittagsspaziergang von 6 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends bei der Arbeit. " Ohne Fleiss ", sagte er, " könne auch das bedeutendste Talent nicht viel ausrichten " und oft äußerte er die Ansicht, dass durch Fleiss weit mehr in der Welt geleistet werde, als durch Begabung. 
Als practischer Arzt zeichnete ihn neben seinem großen Wissen und reicher Erfahrung eine die Unmöglichkeit fast ignorierende Energie aus; er war ein ebenso gewandter, als kühner und auch glücklicher Operateur. Dabei hatte er das größte Mitgefühl für seine Kranken und es ist gewiss bezeichnend für seine Herzensgüte und Humanität, dass er als schon sehr arg leidender Mann im Februar 1888 mitten in der Nacht zu einem einfachen Förster eilte, welcher nach einer Kehlkopfoperation Erstickungsanfälle bekommen hatte, und bei demselben bis zum grauenden Morgen blieb, wo er von einem anderen Arzte abgelöst wurde. 
In seiner äusseren Erscheinung war der von der Natur gross und kräftig angelegte Mann einfach und schlicht. Sein offenes, gerades Benehmen hatte ihm gar Manchen im Leben entfremdet. Wer jedoch das Glück hatte, ihn genauer zu kennen, weiss, welch warmes, selbstloses und bescheidenes Herz unter der oft rauh scheinenden Aussenseite schlug. Nichts schien ihm abstossender und verächtlicher, als die Parteimacherei in der Wissenschaft. Sein literarisches Gewissen empörte sich gegen jene, welche es versuchten, unbedeutende Menschen aufs Piedestal zu stellen, um sie als glaubwürdige Apostel ihres eigenen Ruhmes zu benutzen, während sie die bedeutendsten Leistungen Anderer ganz ignorierten oder gar in der Staub zogen. Ehrlichkeit war mit einem Worte der Grundzug seines ganzen Wesen, und hatte er sich einmal von der Wahrhaftigkeit eines Menschen überzeugt, dann war er ihm der aufopfernde, treue Freund bis an sein Lebensende. 
Im Verhältnis zu seinen geradezu epochemachenden Leistungen - wir dürfen ja nur auf den unvergänglichen Werth der Rhinoscopie und die Einführung der Galvanocaustik in die ohrenärztliche und laryngologische Praxis hinweisen - sind die äusseren Zeichen der Anerkennung, welche ihm während des Lebens zu Theil wurden, für die Mitwelt geradezu beschämend. - In seiner academischen Carriere brachte er es blos zum Professor extraordinarius; - von wissenschaftlichen Vereinen war es blos die Gesellschaft der Aerzte in St.Petersburg, die ihn zum Ehrenmitgliede und der Verein der Münchener Aerzte, welcher ihn zum correspondierenden Mitgliede ernannte. Von sichtbaren Zeichen der Anerkennung besaß er eines; es war ein Orden, den ihm Sultan Abdul Hamid im Jahre 1882 bei Gelegenheit einer Berufung zur ärztlichen Consultation nach Constantinopel verlieh. In seinem eigenen Vaterlande war der Mann 21 Jahre lang - Professor extraordinarius ! 
Der Ursprung seiner Krankheit datiert 3 Jahre zurück. Sie machte sich in August 1887 zuerst bemerkbar durch schwere astmatische Anfälle, welche man auf ein Aortenaneurysma in Folge von Endarteriitis deformans zurückführte. Seine nie rastende Thätigkeit beschleunigte die Verschlimmerung, welche im letzten Winter in erschreckender Weise zunahm. Im heurigen Sommer erhoffte er von einem Aufenthalte im Riesengebirge Besserung; leider führte derselbe bei der obwaltenden ungünstigen Witterung das Gegentheil herbei, und er war überglücklich, als er am 3. August - die Heimreise antreten konnte und lebend in Breslau eintraf. Von jetzt an setzten die astmatischen Beschwerden nicht mehr aus; es fanden sich Oedeme ein und die Kräfte schwanden rapid. Am 6. September lautete die Diagnose seines ihn mit aufopfernder Treue behandelnden früheren Assistenten Dr. Reichel, welche in einer Consultation mit dem Geh. (Sanitäts-) Rathe Dr. Lange und Biemer's langjährigem Assistenten Dr. Jänicke bestätigt wurde, auf Hypertrophie und Degeneration des Herzmuskels in Folge Atheromatose der Aorta und der Herzgefäße mit pericarditischem und leichtem pleuritischen Exsudat.
Am 9. September früh 7 Uhr, wurde der Kranke von seinem Leiden durch den Tod erlöst. Er hinterließ 5 Kinder: 2 Söhne und 3 Töchter, welche einen zärtlich liebenden, sorgsamen Vater verloren. Mit seinen Kindern und Verwandten betrauern zahlreiche Freunde und Tausende, denen er im Leben Hilfe und Belehrung gebracht, seinen Verlust. In der gemeinsamen Betrübniss suchen und finden wir einigen Trost in dem Bewusstsein, dass wohl seine irdische Hülle begraben ist, dass aber seine epochemachenden Geistesschöpfungen für alle Zeiten erhalten bleiben und ihm einen Ehrenplatz in der Geschichte der Medicin sichern.
Wien im October 1889 Jos. Gruber

entnommen aus einem Separatabdruck aus  der Monatsschrift für Ohrenheilkunde, sowie für Kehlkopf, Nasen-, Rachenkrankheiten aus dem Jahre 1889 No. 10
 

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