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und weitere Verwandtschaft

Lebenslauf Günther Brachmann
anlässlich seines l00 Geburtstages im Jahre 1991


Am 12. Februar 1891 bin ich als Sohn des Gymnasial-Professors Dr. Friedrich Brachmann und seiner Frau Marie geb. Voltolini in Altona / Elbe geboren. Ich besuchte die Realschule in Eimsbüttel und später die in Bergedorf, wo meine Eltern inzwischen übergesiedelt waren. Nach Ablegung der Einjährigen Prüfung trat ich bei der China-Firma Sander, Wieler + Co., Hamburg, in die kaufmännische Lehre ein, die ich schon ½ Jahr vor der üblichen Zeit. nach 2 ½ Jahren beendete.
Mein Lehrchef, Herr Robert Becker, Bergedorf, machte dann meinem Vater den Vorschlag, mich zum Zwecke der Einführung der Cassella’schen Farben nach Hongkong / Canton zu senden, da seine Firma Sander, Wieler & Co die Vertretung der Farbwerke Leopold Cassella & Co für Süd-China inne hatte.

Im Oktober 1909 ging ich zur praktischen Ausbildung zu den Werken nach Frankfurt/Main und im Mai 1910, also mit 19 Jahren , reiste ich nach Hongkong ab. Die deutschen Farben waren den Chinesen damals noch kaum bekannt und so bestand meine Aufgabe zunächst darin, die Färbereien im Inlande mit einem Dolmetscher zu besuchen, ihnen die Anwendungsweise vorzuführen und Verkäufe zu tätigen. - Auf diesen oft monatelangen Inlandsreisen eignete ich mir die für meine ganze spätere Tätigkeit wichtigen Sprachkenntnisse an, die ich dann in Canton weiter ausbaute. Aufgrund meiner inneren Einstellung hatte ich von Anfang an enge Beziehungen zu den in Süd-China tätigen deutschen Missionen unterhalten. In der Berliner Mission in Canton fand ich bei Missions-Superintendent D. Kollecker und seiner Gattin besonders herzliche Aufnahme. Ich wohnte 16 Jahre mit ihnen zusammen und bin seit dem Jahre 1915 mit ihrer Tochter verheiratet. –


Mein erster 3-jähriger Auslandskontrakt war mit der Firma Sander, Wieler & Co. abgeschlossen. Nach Ablauf desselben nahten die Farbwerke den Vorschlag , mich als ihren eigner Beamten zu übernehmen., was im Juni l9l3 geschah und für mich sehr wertvoll war. Der Kriegsausbruch stellte mich vor eine besonders schwierige Aufgabe, da alle deutschen Herren der Vertretung Sander, Wieler & Co. das englische Hongkong verlassen mußten und die von der englischen Regierung eingesetzten englischen Liquidatoren mit den zurückgebliebenen Herren der Firma gemeinsame Sache machten und versuchten, auch das Canton - Farbenlager in ihre Hände zu bekommen. Obgleich die Lagerverwaltung kontraktlich in den Händen der Vertreterfirma lag, habe ich es auf eigenes Risiko hin gewagt, es ihrer Kontrolle zu entziehen und es auf sicheres chinesisches Gebiet zu überführen.


Mit Hilfe chinesischer Vermittler gelang es mir auch, größere Mengen des Hongkonger Lagers herüber zu ziehen. Im Laufe der Kriegsjahre habe ich ich dann die Vorräte sehr günstig veräußert. Die Farbwerke haben später meine Handlungsweise sehr anerkannt.
.Im April 1919 wurden mir auf Druck der Engländer hin mit den übrigen Deutschen repatriiert. Genau ein Jahr später stand ich im Auftrage der Farbwerke wieder in Hongkong, von meinen chinesischen Geschäftsfreuden freudig empfangen. Es galt, die alten Beziehungen wieder aufzunehmen, durch geeignete Maßnahmen die inzwischen stark eingedrungene ausländische Konkurrenz Schritt für Schritt zurückzudrängen und überall an den wichtigen Plätzen an der Küste und im Inlande chinesische Agenturen zu errichten, zu welchen Zwecke ich wieder viel zu reisen hatte und wobei mir meine englischen und chinesischen Sprachkenntnisse wieder sehr zustatten kamen.


Die intensive Bearbeitung des großen Gebiets in der von den Farbwerken gewünschten Weise war mir aber nur möglich, wenn ich in den Hafenplätzen Hongkong und Canton feste Stützpunkte hatte. Um dies zu erreichen, wurde die Firma Boediker & Co. an diesen Plätzen zu Agenten ernannt, denen die Verwaltung des Lagers und des Abrechnungswesen oblag. Als Vertrauensmann der Fabrik wurde ich dieser Firma beigegeben. Alle Ein- und Ausgänge, soweit sie die Geschäfte der Farbwerke betrafen, hatten durch meine Hände zu gehen und waren von mir zu prüfen, der Ausbau und die Kontrolle der großen Inland-Organisation, die ich geschaffen hatte, der ganze Verkauf mit allen dazu gehörigen Einzelheiten , das Bestellwesen, der gesamte Brief- und Telegrammverkehr lag in meinen Händen.


Infolge Überanstrengung im dortigen feucht / warmen Klima zog ich mir 1923 eine Lungenspitzen-Erkrankung zu., die mich nötigte, früher als beabsichtigt, im Frühjahr 1924 meinen Heimaturlaub anzutreten. Nach einjährigem Aufenthalt in der Heimat und gründlicher Kur im Schwarzwald konnte ich im Januar 1925 wieder mit meiner Frau und den beiden jüngsten Kindern die Ausreise antreten. Die beiden Ältesten mussten wir klimatischen und erzieherischen Gründen bei den Schwiegereltern zurücklassen. Aus der Zeit meines Aufenthalts in der Heimat besitze ich von den Farbwerken ein Schreiben, in welchem mir volle Anerkennung für das Geleistete und eine namhafte Zuwendung angezeigt wird. Von 1925 – 1929 habe ich wider als Vertrauensmann der Farbwerke draußen gewirkt, das Verkaufsgeschäft bedeutend erweitert und gemeinsam mit den Vertrauensleuten der anderen Werke die Aufhebung der einzelnen Agenturen und der Verschmelzung zu einer gemeinsamen Werksvertretung gegen mancherlei Widerstände vorbereitet und durchgeführt. Diese Maßname war bedingt durch die in der Heimat schon früher erfolgte Fusion der einzelnen Farbwerke zur I.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft, die mich, wie alle anderen Auslandsbeamten, übernahm.


In den letzten Jahren litt ich wieder recht unter dem feucht / warmen tropischen Klima und da meine Frau aus Gesundheitsgründen und um der Erziehung unsere Kinder willen 1928 in die Heimat übersiedeln musste, entschloss ich mich auf den Rat meines Arztes bei den Werken den Antrag zu stellen, im Anschluß an meinen Heimaturlaub 1929 im Heimatdienst der Werke beschäftigt zu werden. Man hatte dort auch volles Verständnis für meine Wünsche.

Infolge der Zusammenlegung der 8 deutschen Werke waren die einzelnen Abteilungen aber so überfüllt, daß viele Herren, die in den einzelnen Werken schon bessere Positionen inne hatten, sich jetzt wieder mit untergeordneten Posten begnügen mussten. Auch die Bemühungen der Direktion bei anderen Zweigen der I.G. schlugen aus denselben Gründen fehl. Auf Grund meiner 19 Tropenjahre bot mir nun die Firma Pensionierung an, bei meinen damals erst 39 Jahren ein ganz besonderes Entgegenkommen. Da mir die Pensionierung die Möglichkeit weiterer Betätigung und weiteren Verdienens offen läßt, nahm ich diesen Vorschlag an. Im Herbst 1929 ist meine Pensionierung in Kraft getreten.
Seitdem sehe ich mich nun nach einem neuen Betätigungsfelde um. Auf Grund meiner Einstellung und meiner engen Verbundenheit mit deutschen Missionen, deren Arbeiten auf dem Missionsfelde ich während meiner ganzen Chinazeit mit wärmsten Interesse verfolgt habe, würde ich eine Betätigungsmöglichkeit in einem christlichen Unternehmen besonders freudig begrüßen.
 

Günther Brachmann  
 

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